Zwei Sachbücher zeigen, was wir essen und welche flüssigen Superkräfte der Körper daraus macht. Nicht nur Menschen im Grundschulalter lesen sie mit Gewinn.
Es soll Menschen geben, die kennen Erdbeeren nur als Joghurtzutat. Andere wissen nicht, dass die Artischocke ein Leben als Pflanze hatte, bevor sie auf der Pizza Quattro Staggioni groß herauskommt. Die Zeit ist also reif für ein Buch mit dem Titel „Natur auf dem Teller – Weil Pizza und Pommes nicht auf Bäumen wachsen“ (Helvetiq-Verlag; 128 Seiten, 20 Euro). Es ist grafisch klar und sprachlich zugänglich formuliert. Doch die Schweizer Illustratorin Lisa Volsard spricht mit der einprägsamen Aufarbeitung der vielen Dinge, die der Mensch zu sich nehmen kann, nicht nur das junge Lesepublikum an.
Auch erwachsene Vorlesende werden mit Gewinn entdecken, wie Ananas- und Artischockenpflanzen ihre Früchte krönchengleich emporrecken, welch bunte Vielfalt es neben gelben Bananen sowie roten Tomaten gibt und dass eine Erdbeere eine Scheinfrucht ist, die in Chile als Ananas-Erdbeere auch weiß sein kann. Von A wie Apfel bis Z wie Zwiebel serviert Lisa Volsard neben vielen bekannten Früchten jede Menge Streberwissen. Zum Beispiel dieses: Mehr als 90 Prozent der Auberginen werden in Asien angebaut; und Eierfrucht wird das Gemüse deshalb auch genannt, weil eine weiße Variante tatsächlich einem Hühnerei gleicht.
Neben Wissen liefert „Natur auf dem Teller“ viele Tipps zu Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung. Aus dem Grün von Karotten und Radieschen zaubert die Autorin mit wenigen weiteren Zutaten ein Pesto „Anti-Tonne“. Sie weiß, wann man Reis vor dem Kochen waschen sollte, wie man aus Nüssen veganen Parmesan herstellt und was man gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun kann. Vor allem aber lädt Lisa Volsard dazu ein, mit allen Sinnen zu genießen – und dabei auch den Verstand nicht auszuschalten. Weniger Verpackung, weniger Fleisch: Essen, so Volsard, ist eine Möglichkeit, auf sich und seine Umwelt zu achten.
Die Superkräfte von Körperflüssigkeiten
Wer wissen will, was der Körper aus all dem Futter fabriziert, kann hier mit viel Vergnügen weiterlesen: „Von Rotze bis Kotze“ (Knesebeck Verlag; 96 Seiten, 20 Euro) ist ein Buch, das schon im Titel dem jungen Zielpublikum sehr entgegenkommt. Wer im fortgeschrittenen Grundschulalter ist, findet Körpervorgänge und ihre Endprodukte, egal ob Popel, Pups oder Pipi, faszinierend und wird bereitwillig über die frechen Zeichnungen lachen, mit denen Karsten Teich das beeindruckende Wissen der Medizinerin Johanna Klement über die flüssigen Superkräfte unseres Körpers illustriert.
„Pipi Schannell“ etwa steht überm Blick aufs Schaufenster einer Parfümerie. Darunter erfahren wir unter der Überschrift „Wertvolle Powerpisse“, was Forschende aus Urin alles herausholen: neben Harnstoff für Cremes zum Beispiel Phosphor für Düngemittel oder Ammoniak für Reinigungsmittel. Auch zur Erzeugung von Strom und neuem Zahnschmelz soll das Verdauungsendprodukt taugen. Von Blut bis Schweiß: Dieses Buch lädt dazu ein, in den Körper wie in ein mit Fakten gefülltes Schwimmbecken einzutauchen. Dann sind in seinen lustigen Säften erstaunliche Eigenschaften zu entdecken.
Info
Bücher
Lisa Volsard: „Natur auf dem Teller“. Aus dem Französischen von Silv Bannenberg. Helvetiq-Verlag. 128 Seiten. 20 Euro. Ab 6