Das Atelier von Sabine Schäfer-Gold ist ein Ort voller Farben, Formen und Leben. Foto: Elke Eberle - Elke Eberle

Ob beruflich als Pädagogin und Dozentin, engagiert als Vorsitzende des Vereins Künstler der Filder oder privat als Künstlerin – Sabine Schäfer-Gold, die seit frühester Jugend malt und zeichnet, hat ihr Leben der Kunst verschrieben. Die Plattenhardterin prägt seit vielen Jahren das Kunstschaffen auf den Fildern.

FilderstadtSie malt und zeichnet seit frühester Jugend, und sie hat ein intensives Verhältnis zur Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur. Kein Wunder also, dass sich in ihren Arbeiten beides auf wunderbare Weise miteinander verbindet. Sabine Schäfer-Gold prägt mit ihren Arbeiten das künstlerische Leben auf den Fildern. Denn sie gestaltet nicht nur selbst und gibt ihr Wissen und ihre besondere Sicht auf die Dinge als Dozentin in verschiedenen Kursen weiter. Als Vorsitzende des Vereins Künstler der Filder organisiert und kuratiert sie seit zehn Jahren auch die Ausstellungen in der Städtischen Galerie Filderstadt in Bonlanden.

„Die Arbeit in der Galerie ist Ehrenamt, aber eigentlich ist es ein Fulltime-Job“, sagt sie lachend. Unterstützt wird sie von einem tatkräftigen Team. Zusammen stemmen sie fünf Ausstellungen pro Jahr. Und immer wieder stellen die 80 Künstlermitglieder auch zu einem gemeinsamen Thema aus. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Angebote wie freies Aktzeichnen, Kunstgespräche und Kooperationen mit verschiedenen Einrichtungen und Vereinen, Schulen und beispielsweise der AMSEL. Mit der Gruppe der an Multipler Sklerose Erkrankten ist eine sehr befruchtende und inspirierende Zusammenarbeit entstanden.

Sabine Schäfer-Gold bietet außerdem seit vielen Jahren im interkulturellen Zentrum Villa Palagione in der Nähe des toskanischen Volterra Aquarell-, Mal- und Zeichenkurse für Erwachsene an. „Es ist ein magischer Ort.“ Seit einem Jahr unterrichtet sie regelmäßig Kinder mit Migrationshintergrund im Alter zwischen sechs und zehn Jahren in den Räumen der Kunstschule Filderstadt. „Die Kinder bekommen nicht allein über Sprache, sondern auch über Kunst einen Zugang zu unseren kulturellen Werten“, sagt Schäfer-Gold. Sie können ihre eigenen Wurzeln spüren und sie werden in ihrem Tun und Sein wahrgenommen. Im vergangenen Schuljahr wurde mit verschiedenen Materialien experimentiert, getöpfert, gesät und gepflanzt. Das Angebot war ein solcher Erfolg, dass es fortgesetzt wird. Auch politisch engagiert sich die Plattenhardterin, unter anderem in einer Bürgerinitiative für Plattenhardt, die den Ortsteil von Filderstadt lebens- und liebenswerter machen möchte.

Neben all diesen Projekten hat sie auch Zeit, selbst künstlerisch aktiv zu werden. Seit zwei Jahren ist sie im Ruhestand, davor war sie über Jahrzehnte hinweg Dozentin für Kunst am Pädagogischen Fachseminar. Und seit 20 Jahren hat sie einen Raum im Atelierhaus. Es ist ein Ort voller Farben und Formen, bunt und reich und voller Leben. Ursprünglich wollte sie Archäologie studieren, ihre künstlerische Begabung hat dann während der Schulzeit ein Kunstlehrer gefördert. Neben Kunsterziehung hat sie Germanistik studiert, mit dem Wunsch selbst künstlerisch tätig zu sein. Während ihrer Laufbahn als Dozentin hat sie viele Kinder begleitet, mit ihnen Projekte gemacht, Theater gespielt, Kulissen gestaltet. „Durch das Theater sind viele kleine Wunder passiert.“ Ein Anliegen war ihr immer, „Kindern die Beziehung zwischen Kunst und Natur zu zeigen und wie wichtig es ist, warten und überrascht sein zu können“.

Ein Dutzend kleiner Schneekugeln aus Plexiglas steht derzeit auf einem Tisch in ihrem Atelier. Künstliche Schneeflocken wirbeln darin um überdimensional große Bienen, Eiszeit für die Natur. Es sind Kaltnadelradierungen und jede einzelne ist individuell koloriert. Entstanden sind sie für die letzte Jahresausstellung der Künstlermitglieder unter dem Titel „am limit – unlimited“. „Wir wollen am Zeitgeschehen sein und zeigen, dass Kunst einen wichtigen Stellenwert hat.“ Die vielseitige Künstlerin will zeigen, dass Kunst einen Beitrag leisten kann, das Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen und die Zerstörung der Umwelt zu schärfen.

Viele ihrer Arbeiten zeigen die unvergleichliche Schönheit und das Wunder der Natur. Ihr Werk spiegelt die Harmonie der Natur, die Vielfalt der Pflanzen auf Obstbaumwiesen oder in Wäldern, den Rhythmus der Natur. Immer wieder sind es Bäume, die sie faszinieren. „Und immer wieder gibt es dieses unbändige Staunen, dass alles wieder so schön ist.“ Wenn die Abendsonne durch den Wald scheint, wenn sich Blüten in ihrer maßlosen Schönheit verschenken – „das ist eine Sensation“. Ihre Technik ist perfekt, ausgefeilt bis ins letzte Detail. Und doch reizt sie als Thema auch das Unperfekte, etwa eine vom Sturm und Wind zerzauste, schief gewachsene Kiefer, „alles darf so sein, wie es ist. Die Perfektion des Unvollkommenen, das ist gerade das, was den Menschen glücklich macht.“ Um das eng mit dem Zen-Buddhismus verbundene japanische ästhetische Konzept der Wahrnehmung von Schönheit besser kennen zu lernen, reist sie in ein paar Wochen nach Japan.

„Es ist das Einfache, was für mich wichtig ist“ – etwa besondere Spiegelungen auf dem Wasser, Bäume im Gegenlicht und immer wieder auch die menschliche Figur als Bezugspunkt zu allem. Einer der künstlerischen Schwerpunkte von Sabine Schäfer-Gold ist das Aquarellieren, sie ist Mitglied der Deutschen Aquarellgesellschaft. Figuren aus Ton und farbig gefasstem Holz stehen in ihrem Atelier, an der Wand hängen drei Arbeiten aus der Serie „Clarissinnen“. Sie zeigen Gesichter von Frauen nur in einem kleinen Ausschnitt, der Rest ist hinter einer vor das Bild gehängten Platte verborgen, der Blick auf die Frauen ist ebenso verstellt, wie der Blick der Frauen selbst. Dicht hintereinander stehen in einem Regal Aquarelle von Blumen in ihrer ganzen Fülle, Pracht und Schönheit. Für eine Ausstellung in Pfullingen vor zwei Jahren entstanden Bilder zu Gedichten, etwa von Paul Celan. Manchmal dichtet und koloriert sie auch eigene Haikus. Für eine Gruppenausstellung in Neuhausen hat sie vor Ort spontane Stadtansichten gezeichnet und aquarelliert. Ihre nächste Einzelausstellung wird im kommenden Frühjahr in der Filderklinik eröffnet.

Ihre Freude und Begeisterung am künstlerischen Tun und an kreativen Prozessen weiterzugeben ist ihr ein großes Anliegen, die Neugier auf die Umgebung zu wecken ebenso. „Denn der kreative neugierige Blick muss gelernt sein und kann zum Beispiel auch helfen, ungewöhnliche Lösungen für ökologische Probleme zu finden.“

Und manchmal offenbart auch der Blick auf das Alltägliche eine große Schönheit. Gerade hat sie den Neckar als stetig wachsenden, sich wandelnden Strom neu entdeckt. Denn tatsächlich muss man manchmal nicht weit gehen, um besondere Entdeckungen zu machen. Sabine Schäfer-Gold ist eine Meisterin des Aquarells, jeder Pinselstrich sitzt, sie zaubert und bannt mit leichter Hand kostbare Augenblicke aufs Papier.

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