Quentin Gärtner hat gerade Abi gemacht, doch längst treibt er seine politische Karriere voran – ein eigenes Büro mit Sekretär hat er bereits in Berlin.
Mit sieben Jahren gibt es wohl nichts Besseres als Spielen, Toben, Blödsinn machen und mit Schulfreunden die Welt entdecken. Bei Quentin Gärtner war das ein bisschen anders. Der junge Mann aus Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) wollte auch spielen und toben, aber er wollte von Anfang an nicht nur die Welt vor der eigenen Haustüre entdecken, sondern auch die in Afrika, Amerika und an allen noch so entlegenen Orten.
Also lag er seinen Eltern als Grundschüler so lange in den Ohren, bis sie ihm endlich erlaubten, mit ihnen die Tagesschau zu schauen. „Ich wollte mich erwachsen fühlen und mitreden können. Bei meinen Eltern gehörte es abends fest dazu, die Nachrichten des Tages zu schauen, da wollte ich dabei sein und verstehen, was so passiert auf der Erde“, erklärt Quentin Gärtner. Es seien dabei sicherlich auch Themen wie Geltungsbedürfnis und der Wunsch nach Nachahmung mit im Spiel gewesen.
Quentin Gärtner ist politisch interessiert und engagiert
Aber schon damals war es auch die pure Lust am politischen Tagesgeschehen, die den heute 18-Jährigen antrieb. Und auch wenn er anfangs bei Weitem nicht alles verstand, blieb er dran. „Wenn ich etwas gefragt habe, bekam ich von meinen Eltern meist zu hören, ich solle jetzt ruhig sein, weil sie zuhören wollen, aber mit der Zeit wurde es besser und mein politisches Interesse und auch mein politisches Verständnis nahmen zu.“
Einen Wendepunkt markierte die sechste Klasse. Quentin Gärtner ging für einen Schüleraustausch drei Monate nach Schottland und lernte in dieser Zeit, sich ein eigenes Bild zu machen. „Davor war ich natürlich geprägt von den Ansichten meiner Eltern, dort koppelte ich mich mehr ab und begann, meine eigenen politischen Ansichten zu festigen.“
Und was passiert mit jemandem, der das von sich bereits mit elf, zwölf Jahren behaupten kann? Richtig, er legt einen richtigen Senkrechtstart hin. Denn aktuell ist Quentin Gärtner mit gerade mal 18 Jahren und einem Notenschnitt von 1,3 frisch gebackener Abiturient, im Kreisvorstand der Grünen und Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz mit Büro in Berlin und eigenem Sekretär. Das Abi hat er bei all seinen Verpflichtungen quasi nebenbei gemacht, und ein bisschen studiert hat er auch schon. „Meine Eltern erden mich dann aber schon immer und sagen, ich soll mich jetzt auf eine Sache konzentrieren und die gut zu Ende bringen.“
Zur Wehrpflichtdebatte wird der Waiblinger von vielen Medien angefragt
Doch das Business muss trotzdem weitergehen: Sein Sekretär macht die Termine für Quentin Gärtner aus – und die haben jüngst massiv zugenommen. Denn seitdem der umtriebige junge Mann von der Nachrichtenagentur AFP zu einem Statement zur aktuellen Wehrpflichtdebatte angefragt wurde und mit seinem Team entschied, sich zu äußern, kam eine riesige Welle ins Rollen. „Es ist toll, aber auch Wahnsinn, was da gerade passiert. Ich hatte Anfragen von Radiosendern wie SWR und Deutschlandfunk, von der Tagesschau, ZDF heute, BR Fernsehen, WDR, NTV und noch anderen. Als ich mit dem Deutschlandfunk gesprochen habe, war es 7.45 Uhr und ich lag noch im Bett.“ Sogar die BBC habe angefragt, und nun stehe auch noch ein Interview mit dem zweitgrößten arabischen Nachrichtenportal Al Arabia an. „Die internationalen Medien haben fast noch mehr angebissen als die heimischen. Total verrückt.“
Quentin Gärtner lacht und erzählt einfach mal weiter. Viele Pausen gibt es bei ihm nicht, weder beim Sprechtempo noch bei den Terminen. Der 18-Jährige hat hohe Ansprüche an sich und will noch viel erreichen. Hört man sich seine Vita an, glaubt man gleich, dass er das auch schaffen wird. Dabei hat alles ganz harmlos mit den „Fridays for Future“-Demos angefangen. Er ging hin, und es passierte das, was sich ein bisschen wie ein roter Faden durchzieht: Er war zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle. „Ich kam da mit gerade mal zwölf Jahren mit CDU-Politikern ins Gespräch und fing an, mir ein Netzwerk aufzubauen. Ich bin sogar Thomas Strobl und Manuel Hagel über den Weg gestolpert und mehr oder weniger reingerutscht in das Politische.“
Reingerutscht ist der selbstbewusste junge Mann, der beim Tischtennis, beim Tennis und manchmal beim Feiern entspannt, auch in sein aktuelles Amt als Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz. „Ich stand dort wie so oft in der zweiten Reihe, dann fiel jemand aus und ich wurde gewählt. Das ist ganz typisch für mich“, sagt Quentin Gärtner, der aktuell in seinem Büro in Berlin sitzt.
Doch was hat er denn nun eigentlich zur Wehrpflicht gesagt? Zum einen, dass die Bundesschülerkonferenz die Anliegen junger Menschen bei den Wehrdienstplänen der Bundesregierung nicht berücksichtigt sehe. „Die Debatte wird vollkommen ohne uns geführt. Herr Pistorius täte gut daran, uns anzurufen”, sagte er im Deutschlandfunk. „Es sollte keinerlei Entscheidung über junge Menschen geben, ohne diese vorher gefragt zu haben. Alles andere ist ignorant.“
Quentin Gärtner bewertet die Wehrdienstpläne inhaltlich nicht
Inhaltlich bewertete der 18-Jährige die Wehrdienstpläne nicht, da die Bundesschülerkonferenz nur ein schulpolitisches Mandat hat und sich um Bildung kümmert. Da hat der junge Waiblinger klare Ziele – nämlich, dass es den deutschen Schülern besser geht. „Die jetzigen Schüler sind die Zukunft und die, die mal die Renten zahlen. Das wird nicht gewürdigt.“ Es würde dafür plädiert, dass jungen Menschen alle Möglichkeiten offen gehalten werden.
Möglichkeiten in allen Richtungen will sich auch Gärtner selbst offenhalten. Er wird weiterhin bei den Grünen tätig sein. Und bis im November die Neuwahlen für das Amt des Generalsekretärs anstehen – Gärtner ist fertig mit der Schule und kann sich nicht noch einmal aufstellen lassen –, möchte er in seiner aktuellen Funktion noch etwas reißen. „Ich möchte ordentlich auf den Tisch hauen, solange ich noch die Möglichkeit dazu habe“, sagt Quentin Gärtner, der diese Woche sogar noch live nach London geschaltet wird für die Aufzeichnung des TRT Roundtables, eine Diskussionsrunde zu aktuellen Themen.
Doch bei allen Interviews vergisst der engagierte junge Mann nicht, seine Erfahrungen für seine eigentliche Zielgruppe, die Schüler, einzusetzen. „Wir wollen erreichen, dass Schüler nicht nur mitreden, sondern auch mitentscheiden dürfen. Dafür kämpfe ich.“