Rheinmetall – hier eine Panzerkanone – ist eines der Schwergewichte im Rüstungs-ETF Wisdom-Tree Europe Defence. Foto: dpa/Philipp Schulze

Rüstungsaktien boomen. Statt auf einzelne Unternehmen können Anleger auch auf Rüstungs-ETFs setzen. Seit März 2025 ist ein neuer börsennotierter Indexfonds am Start, der eine Besonderheit aufweist.

Die Themen Sicherheit und Verteidigung rücken bei immer mehr Anlegern in den Fokus, wie der Boom bei Rüstungsaktien zeigt. Da scheint es auch verlockend, mit einem börsennotierten Indexfonds (ETF) daran teilzuhaben. Doch welche Rüstungs-ETFs gibt es überhaupt, und wie sieht es mit den Risiken aus?

Mehrere Rüstungs-ETFs sind am Markt, allerdings haben diese bislang einen hohen US-Anteil von 50 Prozent und mehr. Der Londoner ETF-Anbieter Wisdom-Tree Europe hat im März 2025 nun einen Rüstungs-ETF aufgelegt, der ausschließlich in die europäische Verteidigungsbranche investiert. Der Wisdom-Tree Europe Defence spiegelt die Wertentwicklung von mindestens 20 europäischen Unternehmen im Verteidigungssektor wider – dabei geht es um militärische Ausrüstung, Cybersicherheit und künstliche Intelligenz sowie moderne Waffentechnik und Überwachung.

Laut Experten des Fachportals JustETF ist dies der siebte Rüstungs-ETF, in den deutsche Anlegerinnen und Anleger investieren können. Im Gegensatz zu den anderen Angeboten weise er mit dem Fokus auf Europa eine Besonderheit auf. Unternehmen, „die mit Waffen im Zusammenhang stehen, die gemäß internationalem Recht verboten sind, wie Streumunition, Antipersonenminen sowie biologische und chemische Waffen“, sind laut Wisdom-Tree ausgeschlossen.

Nach Angaben von Wisdom-Tree (Stand 26. März 2025) haben die Top zehn Unternehmen in dem vor knapp vier Wochen aufgelegten Rüstungs-ETF einen Anteil von gut 88 Prozent: Das sind die Rüstungskonzerne Thales (Frankreich), Leonardo (Italien), Rheinmetall (Deutschland) und BAE Systems (Großbritannien), die mit jeweils gut zwölf Prozent gewichtet sind und damit zu den Schwergewichten zählen. Es folgen Airbus (Frankreich/Niederlande), Saab (Schweden), Rolls-Royce-Holdings (Großbritannien), Safran (Frankreich), Kongsberg Gruppen (Norwegen) und Hensoldt (Deutschland). Wie der ETF-Anbieter weiter mitteilt, wird der Index halbjährlich – jeweils im März und September – neu gewichtet.

„Verteidigung und Sicherheit sind in vielen Portfolios unterrepräsentiert und haben in Europa jahrzehntelang zu wenig Mittel erhalten, was eine erhebliche Kompetenzlücke hinterlassen hat“, sagte Pierre Debru, Research-Leiter von Wisdom-Tree für Europa. Nun finde in Europa ein struktureller Wandel statt, da Staaten ihre Verteidigungshaushalte aufstockten, um die Nato-Ziele zu erreichen und auf geopolitische Herausforderungen zu reagieren.

Die Nachfrage nach Verteidigungstechnik wächst weltweit. Nicht nur Deutschland macht Milliarden Euro locker, auch andere europäische Staaten erhöhen die Verteidigungsausgaben – auch um die Abhängigkeit von den USA zu verringern. Nach einer Analyse des Beratungsunternehmens EY und der Dekabank werden allein von den bereits zugesagten Verteidigungsinvestitionen der europäischen Nato-Länder in den nächsten fünf bis sieben Jahren rund 430 Milliarden Euro in militärische Ausrüstung fließen – ein Großteil dürfte europäischen Unternehmen zugute kommen.

Analysten sind sich einig, dass der Wisdom-Tree Europe Defence ETF von den erhöhten Verteidigungsausgaben profitieren wird. Inwieweit die erwarteten Zuwächse an Rüstungsausgaben bereits in den Aktienkursen der Unternehmen eingepreist sind, darüber gehen die Meinungen aber auseinander. Rheinmetall-Aktien etwa, die schon seit Beginn des Ukraine-Kriegs auf Höhenflug sind, haben allein seit Jahresbeginn 2025 wieder um mehr als 120 Prozent zugelegt.

Andere Rüstungs-ETFs beschränken sich nicht nur auf europäische Unternehmen. Der Vaneck Defense, der im März 2023 aufgelegt wurde, war der erste ETF, mit dem Anleger aus Deutschland gezielt in die Verteidigungsbranche investieren können. Das Fondsvolumen liegt bei über 3,8 Milliarden Euro, der Wertzuwachs binnen eines Jahres bei rund 50 Prozent. Der global ausgerichtete Han-ETF Future of Defence mit knapp 1,8 Milliarden Euro Fondsvolumen legte binnen eines Jahres um rund 40 Prozent zu und investiert in Unternehmen, die Einnahmen aus den Verteidigungsausgaben (einschließlich Cyberabwehr) der Nato und der Nato-Verbündeten erzielen. Han-ETF hat mittlerweile auch einen neuen ETF mit Fokus auf Europas Verteidigungsindustrie angekündigt.

Welcher Rüstungs-ETF am besten geeignet ist, hängt nach Angaben des Anlegerportals ExtraETF von den individuellen Anlagezielen ab. Experten wie Markus Jordan, Gründer von ExtraETF, warnen etwa, dass die Konzentration auf nur 30 bis 60 Aktien häufig zu stärkeren Schwankungen und höheren Risiken führen könne, und dass auch ETFs häufig Hype-Zyklen unterliegen – Rüstungsaktien boomen ja bekanntlich.

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Geldratgeber-Portals Finanztip, hält nichts von einer Spezialisierung auf ein Segment, wie dies bei Rüstungs-ETFs der Fall ist, und rät Anlegern zur Risikominimierung. Wichtig sei eine marktbreite weltweite Streuung, also etwa ein ETF, der an die 20 Länder und 1500 Unternehmen abbilde. Kursanstiege der Vergangenheit seien keine Garantie und schon gar keine Prognose für die Zukunft, sagt er – und meint damit nicht nur die Rheinmetall-Aktie.