Welche Sorgen ein baden-württembergischer Ministerpräsident mit dem fahrenden Marktvolk teilt und was Stadt und Kreis Esslingen sonst noch so umgetrieben hat, bringt Claudia Bitzer in ihrem Rückspiegel der Woche unter einen Hut.
Esslingen - Bleibe im Lande und schütze dich redlich. Diesen Ratschlag hat unser Ministerpräsident seinen erholungsbedürftigen Untertanen zum Ferienstart in dieser Woche mit auf den Weg gegeben. Bevor sich die Kommunalpolitiker in Stadt und Kreis zum gemeinsamen Kuscheln an den Aileswasensee aufmachen konnten, waren bei den letzten Ratssitzungen vor der Sommerpause aber erst noch ordentlich Sitzfleisch und Nervenstärke gefordert.
In Esslingen haben sich das grün-rot-rote und das bürgerliche Lager um die Zukunft des Busverkehrs gefetzt und ihn am Ende dann doch zügig in ein exklusiv elektromobiles Zeitalter geschickt. Es lebe der O-Bus. Jawoll. Allerdings war der Entscheidung nur eine dünne Mehrheit vergönnt, die sich in jedem einzelnen Anschaffungsbeschluss für ein neues Elektrohybridmodell erst einmal wiederfinden muss. Umso mehr elektrisiert es alle grünen Stammwähler, die vor einem Jahr noch der damaligen stellvertretenden Grünen-Fraktionsvorsitzenden Brigitte Häfele ihre Stimme gegeben haben, dass die nach ihrer Wahlniederlage in Sachen Bürgermeisterkandidatur ausgerechnet bei der FDP Zuflucht gesucht hatte. Und dort am Montag auch völlig ungeniert-liberal ihre Hand gegen einen klimaneutralen Busverkehr gehoben hat. Wir verleihen ihr hiermit den Tapferkeitsorden in Gelb für die absolut biegsamste Kommunalpolitikerin der Woche.
Prösterchen!
In Ostfildern hat Alt-OB Herbert Rösch indessen segensreich darauf hingewirkt, dass ein umstrittenes Werk nicht wieder die Bürgerschaft spaltet. Erfolgreich war er auf Betteltour gegangen, um die bröselnden Mauern des Konzeptkünstlers Sol LeWitt dank Sponsoren neu aufzubauen und jegliche Diskussionen um eine Förderung des Skulpturenwerks durch die öffentliche Hand endgültig zerschellen zu lassen. Auf den geistigen Wohltäter der Woche einen „Mauernbrand“ der Brennerei Wieder aus Ostfilderner Streuobst.
Die Frage, ob man sich in diesem Jahr vor Weihnachten auch wieder beim Glühwein näherkommen kann, mag sich zwar bei über 30 Grad im Schatten noch nicht jedem aufdrängen. Nichtsdestotrotz müssen die Esslinger Weihnachts- und Mittelaltermarkt-Macher spätestens Ende August über das Wohl und Wehe von Händlern, Gauklern und Besuchern entscheiden, hat der Stadt oberster Stadtvermarkter Michael Metzler in dieser Woche verkündet. Daumen hoch oder Daumen runter? Das wird eine der spannendsten Frage der nächsten Wochen.
Deren Antwort dürfte sich wiederum danach richten, wie erholt oder krank ganz Deutschland aus dem Urlaub zurückkehrt. Also um unseren Ministerpräsidenten in die Mitte der Mittelalter-Gaukler zu nehmen: Bleibet im Lande und schützet euch redlich.