Corona hat den Landkreis weiter im Würgegriff, und wer einen Mundschutz will, muss Schlange stehen. Dafür geht es auf den Straßen und in der Luft ruhiger zu – konstatiert Claudia Bitzer im Rückspiegel der Woche.
Esslingen - Die Corona-Lage hat sich in dieser Woche weiter zugespitzt. Am Donnerstag sind erstmals mehr als 1000 virengeplagte Menschen im Kreis diagnostiziert worden. Im Landratsamt hat man zwei Fieberambulanzen auf den Weg gebracht und schon einmal präventiv 300 Betten in der Landesmesse aufgestellt. Überall fehlt es an Schutzkleidung und Mundschutz. Und mitten in die Diskussion, ob Gesichtsmasken in bescheidenerer Ausführung vielleicht doch Pflicht für alle werden sollten, platzte die EZ mit der Nachricht, dass der Esslinger Apotheker Christoph Mauz handgenähten Mundschutz zugunsten der darbenden Geschäftswelt in Auftrag gegeben hat. Designerin Esther Hack konnte den Stoff gar nicht so schnell unter die Nadel schieben, wie er Mauz aus den Händen gerissen wurde. Die Schlange soll sich vor seiner Apotheke in S-Form und gebotenem Abstand über den Rathausplatz gewunden haben.
Die noch vor wenigen Wochen prognostizierte Riesenschlange aus dem Esslinger Norden hinunter ins Tal ist indessen ausgeblieben. Was hatten die Verantwortlichen davor gebibbert, von der Bürgerschaft in den Würgegriff genommen zu werden! Jetzt erledigt das Corona. Seit Montag ist die Geiselbachstraße für 15 Monate komplett dicht. Doch die Schüler sitzen zuhause und ihre Eltern im Homeoffice. Das hat jedenfalls für einen deutlich entspannteren Auftakt gesorgt als erwartet. Jetzt zittert das Technische Rathaus nur noch vor dem Exit aus dem Shutdown. Der Stuttgarter Flughafen fiebert dem indessen eher entgegen. Er hat am Mittwoch zwar das beste Geschäftsergebnis seiner Geschichte verkündet. Doch bei den zuletzt ausgesprochen schlappen Flugbewegungen und der geplanten Schließung zwecks Pistenarbeiten für 17 Tage geht es im Steilflug nach unten. Aber so ist es wenigstens schön ruhig, wenn man schon zuhause hocken muss. Es sei denn, man hat Kinder ...
Zum Schluss noch ein Best-Practice-Beispiel, wie man aus der Not eine Tugend machen kann: Beim Gewichtsmarathon des TSV Lichtenwald müssen sich die Teilnehmer alle 42 Tage und zwei Stunden auf die Waage stellen und für jedes zugelegte Kilo zehn Euro blechen. Dass man auch für verlorene Pfunde zahlen soll, ist eigentlich ungerecht. Aber immerhin sollen die Einnahmen die Vereinseinbußen wegen eines abgesagten Laufevents abfedern und zudem denen zugute kommen, die sich derzeit besonders fürs Gemeinwohl engagieren. Und das ist auch gut so.