Corona-Gemütlichkeit 2020. Foto: Tom Weller

Durchatmen und gleichzeitig die Luft anhalten – ein ziemlich schräger Zwischenzustand, in der sich die Gesellschaft derzeit befindet. Johannes M. Fischer blickt zurück in eine Woche, in der vieles passierte und fast immer mit gebremstem Schaum.

Esslingen - Die meisten Schlagzeilen in der zurückliegenden Woche hatten etwas mit Öffnung zu tun, insofern war es eine optimistische Woche. Dennoch läuft alles mit gebremstem Schaum – eine Metapher, die für die gesamte Phase stehen könnte, in der sich die Coronagesellschaft gerade befindet. Aufatmen ja, aber doch nur ein halbes Aufatmen.

„Geselligkeit mit Abstand“ lautete eine der EZ-Schlagzeilen – auch sie bringt den gegenwärtigen Zustand ziemlich gut auf den Punkt. Es geht in dem Artikel um eine Picknick-Idee, wo ein Gastronom auf einer großen Wiese Gartenstühle und andere Utensilien bereit hält. „Befreiung für die Gastronomen“ lautete eine andere Schlagzeile. Stimmt schon, immerhin dürfen wieder Gäste empfangen werden, aber die Liste der Auflagen ist lang. Möglicherweise kann aber die jetzige Öffnung wenigstens die eine oder andere Insolvenz verhindern. Wenig ist meistens besser als gar nichts.

Aber schon schieben sich die nächsten dunklen Wolken am Himmel zusammen: Eine Gemeinde nach der anderen präsentiert erste Steuerschätzungen. Ostfildern fehlen zehn Millionen – ein Schock. Esslingen rechnet mit fünfzig Millionen weniger Steuern – dafür müsste ein Wort erfunden werden, denn „Schock“ ist zu schwach dafür. Noch ist dies nur eine Zahl, die aber massive Auswirkungen haben wird. Sage und schreibe zwölf Milliarden Euro werden den Kommunen in Deutschland ausfallen. Immerhin plant der Bund ein Rettungsschirm für Kommunen, denen die Coronakrise teuer zu stehen kommt.

Nun sind also die Geschäfte und Lokale wieder offen. Aber es läuft keineswegs so, als ob sich nun die ganze Welt übermütig in das Vor-Corona-Leben stürzt. Es ist eben nicht mehr das alte. Gebremster Schaum. Eine Umfrage der IHK ergab, dass die Geschäfte nicht so gut laufen, wie Unternehmer es erhofft hatten. Offenkundig ist viel zu viel Unsicherheit im Leben der Kunden: Überlebt der Betrieb, in dem ich arbeite? Behalte ich meinen Job? Wie entwickeln sich die Preise und vor allem: Wo und wie ändern sie sich? Durchatmen und gleichzeitig die Luft anhalten – ein ziemlich schräger Zwischenzustand, in der sich die Gesellschaft derzeit befindet.

Derweil steigen auch die Schüler wieder tiefer ins Schulgeschehen ein: Das Corona-Abitur läuft. Es gibt Abstände, wobei ein Abitur sowieso mit Abstand geschrieben werden muss, damit keiner beim anderen ablinst. Insofern erscheinen die Änderungen bei der Prüfung gar nicht so gravierend. Gäbe es da nicht die Vorgeschichte, jene Schulwochen ohne persönlichen Kontakt zum Lehrer. Es wird voraussichtlich etliche Schülerinnen und Schüler geben, die sich vom Universum oder wem auch immer ungerecht behandelt fühlen. Auch ihr Aufatmen wird nicht immer ein Durchatmen sein.

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