Absperrungen all überall: Ein Badbesuch ist derzeit nichts für Freischwimmer. Foto: Roberto Bulgrin

Kreisverkehr im Freibad, Klingelbeutel auf dem Flughafen und Weihnachtsinselchen statt Weihnachtsmarkt. Claudia Bitzer nimmt im Rückspiegel die Merkwürdigkeiten der Woche unter die Lupe.

Esslingen - Tönnies hin, Stuttgarter Randalierer her: Corona muss als Erklärungszug schon für sehr viel menschliche Unzulänglichkeit und Dummheit herhalten. Dennoch hat uns die Pandemie auch in den vergangenen Tagen wieder etliche groteske Situationen beschert.

Da ist man ja schon dankbar, wenn man wieder seine nackten Zehen in ein Freibad setzen darf – selbst wenn man dafür in Schichten und im Kreis schwimmen muss. Wenigstens braucht man im Becken keine Maske. Die ist ohnehin nach nur wenigen Minuten im Trockenen schon zum Feuchtbiotop mutiert.

Artenfremd waren dem Christenmenschen bislang auch „Heilige Momente mit Parkplatz-Flair“. So hat der EZ-Berichterstatter jedenfalls den Autogottesdienst am Sonntag auf dem Flughafen überschrieben. „Was macht man, wenn ein Maskierter neben dem Auto steht und an der langen Stange einen Eimer hinhält?“, hat er in seinem Text gefragt. Um sein Späßchen gleich aufzuklären: Man habe den Mann mit dem ungewöhnlichen Klingelbeutel bei der Ausfahrt schon selbst herbeiwinken müssen.

Fremdartig war er schon immer, doch in diesem Jahr droht der Esslinger Mittelaltermarkt offenbar noch stranger zu werden. Für unsere Leserbriefschreiber: ja, „strange“ kommt aus dem Englischen, heißt so viel wie fremd, wird aber deshalb hier eingesetzt, weil unschöne Wortwiederholungen auch wieder von den Sprachpflegern kritisiert werden. Und weil „strange“ in seiner deutschen Verwendung dann doch noch mit einem negativen Gschmäckle verbunden wird, die das Fremde im Deutschen Gott sei Dank nicht zwangsläufig hat. Kleine Frage am Rande: Müssen wir „Gschmäckle“ eigentlich auch übersetzen?

Doch zurück zu den Händlern und Gauklern. Das corona-bedingt existenzgefährdete fahrende Volk darf sich zur Weihnachtszeit, wenn überhaupt, „nur auf Umzügen oder Walking Acts“ präsentieren. Das hat die Marktchefin in dieser Woche gesagt. Ganz ehrlich, liebe Leserinnen und Leser: Sie hat wirklich nicht von „Aktionen im Gehen“ sondern von „Walking Acts“ gesprochen. Mit kleineren Weihnachtsinseln in der Stadt hofft sie zudem, die Menschen auf Abstand halten zu können. Solche Probleme hatten Maria und Josef ihrerzeit in ihrem Stall wenigstens nicht. Was heißt das für 2020? Bitte, bitte nicht alle Jahre wieder!