Trocken und kalt – so fällt die Bilanz des Aprils aus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im April war es in Stuttgart so kalt wie seit 35 Jahren nicht mehr. Kein Wunder, dass die Bäume mit dem Ausschlagen noch zögern. Der Start in den Mai blieb ebenfalls ziemlich unterkühlt, allerdings versprechen die Meteorologen in wenigen Tagen deutlich steigende Temperaturen.

Stuttgart - Normal war gestern, heute zählt extrem. Viele Autos wiegen 2,5 Tonnen, haben mehr als 300 PS und passen in keinen Parkplatz, obwohl in ihnen meist nur Kids und ab und zu ein Supermarkteinkauf transportiert werden. Rasenmäher ohne Aufsitzmöglichkeit gelten als peinlich und ein Grill, auf dem kein halbes Schwein Platz hat – Panne. Extrem ist durch den Klimawandel auch das Wetter in der Stadt geworden. Zumindest oft.

Der neuntkälteste April seit 1951

Und auf jeden Fall auch in diesem April. Aber nicht extrem warm wie man in Zeiten des Klimawandels vermuten könnte, sondern ziemlich fies kalt. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber keiner, weil die kalte Nordostströmung, die wir im April lange hatten, dadurch begünstigt wurde, weil es in anderen Teilen der Welt, zum Beispiel in der Arktis und in Russland, deutlich zu warm war – vereinfacht gesagt. Die Erderwärmung ist jedenfalls durch das Aprilwetter nicht abgesagt, die aktuellen Kältezahlen lesen sich allerdings eindrucksvoll: „Mit einer Mitteltemperatur von 7,8 Grad war der April um 2,8 Grad zu kalt und ist damit der neuntkälteste April seit Aufzeichnungsbeginn 1951“, erklärt Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. Die Abweichung bezieht sich auf den seit Jahresbeginn geltenden neuen langjährigen Mittelwert zwischen 1991 und 2020. Aber selbst verglichen mit dem bisherigen Bezugszeitraum (1961 bis 1990) lag der April 1,1 Grad unter dem Schnitt. In Stuttgart war es jedenfalls zuletzt 1986 im April so kalt. Damals wurden nur 7,5 Grad im Schnitt gemessen. Ungewöhnlich hoch auch die acht Tage mit Frost, an denen die Temperatur bis auf maximal 2,4 Grad minus in der Luft sank. Normal wären zwei Tage. „Nur 1958 gab es im April mehr Frosttage, nämlich zehn“, sagt der Meteorologe Pfaffenzeller.

Am Monatsanfang fiel noch Schnee

Das ist alles außergewöhnlich, aber auch wieder nicht so weit weg von einer einstigen Realität. Der April macht, was er will, heißt es ja seit Urzeiten so schön – und das hat er dann am 6. und 7. auch gemacht. Da lag sogar ein Zentimeter Schnee an der DWD-Wetterstation am Schnarrenberg. Fünf Tage vorher, am 1. April, wurden noch 23,6 Grad gemessen. Plus wohlgemerkt. Auch dass die Bäume Anfang Mai noch nicht alle grün sind wie jetzt war zum Beispiel schon 1841 bekannt. Da entstand das Gedicht „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. So gesehen war der April 2021 zwar sehr kalt, wirklich extrem aber nur im Vergleich mit der jüngeren Referenzperiode, in der der Klimawandel eben schon spürbar ist. Wie zum Beispiel vor einem Jahr, als in Stuttgart im Schnitt 13,1 Grad gemessen wurden, also fast doppelt so viel wie jetzt.

Deutlich zu wenig Regen

Schlecht für die Natur war der wenige Regen. Nach einem nassen Januar und Februar war schon der März zu trocken, der April schaffte zwar am letzten Tag mit noch einmal 6,3 Litern gerade noch die Kurve, war aber mit insgesamt 30,1 Litern doch deutlich zu trocken, verglichen mit dem neuen Mittelwert um neun Liter, mit dem früheren Wert um stolze 23 Liter. Aber auch das geht noch viel extremer. Vor einem Jahr war der April so trocken wie eine drei Tage alte Brezel, am Schnarrenberg wurden gerade mal 1,9 Liter Regen gemessen, von den ausgetrockneten Äckern blies der Wind Staubfahnen in die Wohngebiete. Da war der aktuelle April zumindest ein wenig normaler. Trotzdem stöhnt die Natur, die 5000 Hektar Stuttgarter Wald leiden laut Experten unter der Trockenheit wie noch nie zuvor. Die 30 Liter sind da auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts. Und die Prognose für den Mai ist in Sachen Regen gar nicht so schlecht.

Am Muttertag soll es sommerlich warm sein

Bleibt die Frage, wie lange wir noch heizen müssen, schließlich startete ja auch der Wonnemonat Mai derart unterkühlt, dass schon so mancher reimt: „Der Mai ist gekommen, das Heizöl geht aus“. Am Wochenende geht es aber wohl steil aufwärts mit den Temperaturen. Am Muttertag sind sogar mehr als 25 Grad drin. Das wäre dann ein Sommertag und nach dem kalten April ein extremer Schwenk.

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