Beim Jahresstart-Gespräch entdecken Turn-Trainerin Sophie Spohn und Judo-Coach Denis Stripf viele Gemeinsamkeiten – und schmieden Pläne.
Durch die Scheiben im Foyer der KSV-Sportarena fällt helles Licht – und Denis Stripf hat offensichtlich einen Geistesblitz. Sophie Spohn sitzt neben ihm und lacht. „Ich glaube, er hat schon einen gemeinsamen Trainingsplan im Kopf“, sagt sie. Stripf grinst – „ja klar, hab ich. Das würde gut klappen“. Spohn und Stripf verbindet so einiges. Längst nicht nur, dass Stripf mal zusammen mit Spohns Vater Martin beim TSV Berkheim Fußball gespielt hat. Während der guten Stunde, in der sie beim traditionellen Jahresstart-Gespräch der EZ zusammensitzen, bilden sich viele dieser Gemeinsamkeiten erst heraus. „Ich hatte keinen Plan von Judo“, sagt Spohn am Ende, „jetzt habe ich ein Gefühl dafür bekommen. Ich wusste nicht, dass wir so viele Kontaktpunkte haben.“ Stripf war ein bisschen vorbelasteter. „Turnerische Elemente gehören bei uns zum Standardtraining. Die Koordination aus dem Turnen ist wichtig, um Judo zu lernen“, erklärt er. Spohn, die 19-jährige Turn-Trainerin des TSV Berkheim, und Stripf, der 33-jährige Judo-Coach des KSV Esslingen, haben sich jedenfalls einiges zu sagen.
2025 war für beide sportlich ein Jahr mit vielen Höhen und wenigen Tiefen. Klar, für Spohn war prägend, dass sie mit dem Berkheimer Team aus der Bundesliga abgestiegen ist – entsprechend ist das Ziel für 2026 der Wiederaufstieg. Zudem bremste sie zeitweise eine Bänderverletzung aus. Bundesliga gibt es beim KSV seit dem deutschen Meistertitel 2023 und dem anschließenden Rückzug der Mannschaft nicht mehr. Aber 2025 gewann der KSV-Nachwuchs einige Meisterschaften, darunter die weibliche U 18 überraschend den nationalen Titel. Stripf kommt ins Schwärmen, wenn er davon erzählt und zeigt auf das Foto mit den strahlenden Gesichtern, das an der Wand hängt. Spohn hört gebannt zu und berichtet dann von den vielen Wettkämpfen ihrer Nachwuchsturnerinnen mit dem Highlight Platz vier in der Nachwuchsliga: „Es war ein gutes Jahr – für die Kinder.“
Titel, Erfolge und das Ziel, noch mehr junge Athletinnen und Athleten in Kaderplätze zu bringen, sind auch für 2026 angepeilt. „Wir sind dabei, viele Teile einzustudieren, die wichtig sind für alle späteren Elemente – und zwar so perfekt wie möglich“, erzählt Spohn und nickt heftig, als Stripf betont: „Die Kids sollen kämpfen, kämpfen, kämpfen, um Wettkampferfahrungen zu sammeln und mit den Nerven zurechtzukommen.“ – „Turnen, turnen, turnen“, heißt es in Spohns Fall.
„Jugend first“ lautet das Motto
Die Trainertätigkeit ist für beide eine Leidenschaft und man merkt, wie die eine versteht, was der andere sagt. Spohn hatte zunächst Berkheims Trainer-Tausendsassa Renate Weber bei Übungseinheiten als Vorturnerin unterstützt. „Irgendwann hab’ ich gemerkt, dass ich den Kindern selbst erklären kann, wie es geht“, erzählt sie fröhlich. Weber erkannte es natürlich auch und baute die Bundesligaturnerin früh als Trainerin auf. Dass sie angehende Sport- und Gymnastiklehrerin ist, hilft dabei. „Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten“, erklärt Spohn.
Zwischendurch entwickelt sich ein Fachgespräch über Trainingsinhalte – und beide sind erstaunt über die Gemeinsamkeiten ihrer Sportarten. Stripf kämpft zwar trotz Knieproblemen auch noch für das Esslinger Männerteam, das mittlerweile in der dritthöchsten Klasse antritt. Aber spätestens, als er von seinem damaligen Coach zu einem Trainerlehrgang geschickt wurde, entdeckte er seine Berufung. Bei dem Lehrgang lernte er seine heutige Frau Janina kennen. Seit Stripf vor neun Jahren aus beruflichen Gründen – er arbeitet als Consulter bei der Mercedes-Benz-Group – aus Landau in der Pfalz nach Esslingen gezogen ist, schmeißt das Ehepaar gemeinsam maßgeblich das Training beim KSV. „Es ist schön zu beobachten, wie sich die Kids von klein an zu gestandenen Athletinnen und Athleten entwickeln“, erklärt er. „Jugend first“ lautet mittlerweile das Motto beim KSV. Gleichzeitig betonen Spohn und Stripf, dass bei aller Talentförderung der Breitensport in ihren Clubs nicht zu kurz kommt. „Man findet für jeden eine Nische“, sagt Stripf und Spohn ergänzt: „Man kriegt an jedem Gerät eine Übung zusammen.“
Eine perfekte Trainingsstätte
Die Arena in Mettingen wurde bewusst als Treffpunkt für das Gespräch ausgewählt. Denn die Esslinger Judoka haben das, wofür die Turnerinnen intensiv kämpfen: eine perfekte Trainings- und Wettkampfstätte. Eine eigene Halle wie die des KSV ist ziemlich einmalig. Spohn kennt sie, denn sozusagen als Nachbarschaftshilfe können die Berkheimerinnen das Sportstudio dort nutzen. Aber als sie den Blick über die Judomatten schweifen lässt, nickt sie anerkennend. Natürlich sind ihr auch die Seile an der Wand aufgefallen. „Wir haben hier wirklich super Möglichkeiten. Dazu identifizieren sich unsere Kinder damit, sie gehen hier selbstbewusst rein, sie lieben die Halle und sagen: Das ist meine Halle. Das ist schon cool“, schwärmt Stripf erneut und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge bei den Berkheimerinnen.
Die planen einen Anbau an die Halle der Schillerschule, in der sie die Geräte nicht zu jedem Training auf- und abbauen müssen – und in der vor allem eine Schnitzelgrube sein soll. „Für uns ist das wichtig, weil man dann viel hochwertiger trainieren und viel gezielter neue Elemente lernen kann“, erklärt Spohn. Zurzeit üben die Berkheimerinnen auch ein Mal in der Woche im Kunstturnforum in Stuttgart – dort gibt es natürlich eine Schnitzelgrube. „Aber jeder, der was mit Leistungssport zu tun hat, weiß: wenn ich nur ein Mal in der Woche etwas einstudieren kann, bringt das nicht viel“, berichtet Spohn: „Man sieht das an meinem Doppelsalto – an dem übe ich seit fünf Jahren. Ich müsste ihn schon längst turnen.“ Ob es mit dem Anbau klappt, ist noch nicht klar. „Es sieht gut aus. Wir hoffen und sammeln so viele Spenden, wie es geht“, sagt Spohn. Stripf hört interessiert zu und denkt schon laut darüber nach, „ob man sich da mal einbuchen könnte“.
Mit einer Schnitzelgrube kann Stripf natürlich nicht aushelfen. Aber das mit dem gemeinsamen Training werden er und Spohn wohl angehen. Die ersten Ideen haben sie schon im Kopf. Spohn muss aufbrechen, sie ist bei ihren Altersklasse-11-Turnerinnen oben in der Schillerschule gefordert. Der Abschied im lichtdurchfluteten Foyer der KSV-Sportarena ist herzlich. Man sieht sich.