Ob vier Rollen hintereinander oder paarweise nebeneinander: Das Flitzen im Disco-Licht über den flachen Betonboden der Ludwigsburger Eishalle mit Rollschuhen macht Laune.F Foto: Simon Granville

Die Resonanz auf die erste Roller-Disco in der Eishalle in Ludwigsburg war noch verhalten. Wer aber dabei war, hatte viel Platz für sportliche, teils sogar artistische Pirouetten. Das Ambiente ist freilich noch ausbaufähig.

Der Reiz des Rollens, wie lässt er sich beschreiben? Es geht nicht um Tempo und auch nicht ums Gewinnen. Sondern um Eleganz in der Bewegung. Man bewegt sich vorwärts und im Kreis herum. Das schafft Raum für Spiel, für Bewegungen, die man sonst auf dem Dancefloor, ohne Rollen drunter, wohl nie machen würde. Es ist eine überschaubare Gruppe, die sich am Freitagabend zur Premiere der Roller-Disco in der Eishalle in Ludwigsburg getroffen hat. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim hatten wegen der Energiekrise zusammen mit der Stadt entschieden, auf die Produktion von Kunsteis zu verzichten.

Nur 15 Personen kommen zum Auftakt

Rollschuhlaufen im Winter ist also ein Pilotprojekt – das hat sich allerdings noch nicht groß rumgesprochen. Nur rund 15 Leute nutzen die rund 900 Quadratmeter große Fläche. Das hat aber auch den Vorteil, dass man Platz hat für seine Dance-Moves und nicht Gefahr läuft, mit einem Gleichgesinnten zusammenzustoßen. Die meisten rollen ganz locker im Kreis, in der Mitte bleibt eine Freifläche für die Könner. Einer davon ist Marco Billinger aus Heilbronn. Er nutzt den Raum, scheint eins mit seinen acht Rollen. Seine Füße drehen zackig nach innen und außen, kurze Schritte. Schwingen vor und zurück, stoppen auf den Hinterrollen. Vierteldrehung – und von vorn. Er trägt Jeans, einen grauen Hoodie und eine Basecap und zieht die Blicke der Besucher auf sich.

Und wer ihn beobachtet, kann nachvollziehen, dass vom Rollertanz ein gewisser Zauber ausgeht. Früher ist der 47-Jährige Inliner gefahren. Während der Corona-Pandemie hat er vor zwei Jahren die Rollschuhe für sich entdeckt. Begonnen hat alles mit einem James Brown Skating-Video, in dem ein Roller den legendären Tanz des verstorbenen Soulsängers interpretiert. Es ist eine ganz besondere Form, die Musik zu interpretieren. Schleppend und gleichzeitig treibend, das ist der perfekte Beat für die Roller Disco.

Es gibt auch günstigere Varianten

Getanzt hat Billinger immer schon gern. „Das jetzt auf so ein Sportgerät zu übertragen, auf Rollschuhe, das ist für mich auch eine Herausforderung. Die Balance zu halten und dann komplexere Schritte zu machen, ist wirklich schwieriger“, sagt er. Für seine Rollschuhe hat er knapp 500 Euro ausgegeben. Aber man bekäme in Stuttgart in einem Laden Rollen, die man sich einfach an seine Lieblingssneakers montieren kann – eine deutlich günstigere Variante. Vor allem in Berlin gebe es viele Veranstaltungen für Roller – auch mit Holzparkett als Untergrund.

Als Geburtsort der Roller-Disco-Kultur gilt das Empire Rollerdrome im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Zu Beats rollen - bisweilen wird es auch „jam skating“ genannt - wurde zum wichtigen Bestandteil der schwarzen Kultur Amerikas. Nach Deutschland schwappte der Trend durch Soldaten der US-Army.

In Tutorials gibt es Kniffs und Tricks

Die Figuren und Schritte hat sich Marko Billinger über Tutorials alle selbst beigebracht und gehört inzwischen auch zur Rollschuhcrew Ludwigsburg, von denen heute aber niemand da ist. Sein Wissen gibt er an diesem Abend gern weiter. Marina Ilic aus Schorndorf sucht immer wieder seine Nähe und lässt sich Tipps geben. Die 34-Jährige hat diesen Sommer ihre Liebe für die Rollschuhe, für das Tanzen und Jammen entdeckt. „Wenn man weiter kommen will, ist das so eine Mischung aus Üben und Zuschauen“, sagt sie. An der Bande zeigt ihr Billinger neue Figuren oder wie sie die Rollschuhe in die richtige Stellung bringt. Und nach zwei Stunden auf der Betonfläche hat sie jede Menge dazugelernt. „Das war sehr inspirierend für mich“, sagt Marina Ilic. Sie ist mit einer Freundin aus Stuttgart da, die sich auch schon sehr sicher bewegt und immer wieder auf ihr Handy zusteuert, das an der Bande im Videomodus steht. Am Schluss geht sie dabei in die Hocke und streckt ein Bein aus.

Aber auch einige Anfänger sind darunter, die zu dritt in einer Reihe fahren, um mehr Sicherheit zu bekommen. Im Mittelpunkt steht der Spaß. Das gilt auch für die kleine Helen aus Großbottwar, die mit ihrer Mutter auf Inlinern fährt. Sie hat eine enorme Ausdauer und verbringt fast die ganze Zeit auf der Fläche. Der Papa schaut von außen zu und erzählt von seinen Eisdisco-Zeiten in Heilbronn. Er findet es schade, dass nicht mehr Leute gekommen sind. Das läge wohl an der mangelnden Werbung, die für die Rollerpremiere gemacht wurde. Er sei auch nur zufällig bei Instagram auf die Veranstaltung gestoßen.

Doch nicht nur das Marketing, auch das Ambiente ist ausbaufähig, was die Rollerdisco angeht. Denn neben dem Dancefloor und den Hip-Hop-Rhythmen, die aus den Lautsprechern dröhnen, erinnert ziemlich wenig an einen Discoabend in der Eishalle: kein Nebel, keine Discokugel, und auch der DJ hält sich zurück. Auf der anderen Hallenhälfte gleiten die Besucher zwar auf Kufen über das Eis, der Untergrund besteht jedoch aus Kunststoff – einer sogenannten Glice-Bahn. Hier sind deutlich mehr Akteure auf der Fläche – für die meisten ist der stumpfere Belag allerdings Neuland. Auch eine Gruppe aus Waiblingen berichtet, dass man sich auf dem ungewohnten Untergrund erst einmal einlaufen muss. Dann käme auch der Spaß dazu.

Die Disco in der Eishalle wird bis 8. Januar freitags von 19 bis 21.30 Uhr angeboten. Der Eintritt kostet 6, ermäßigt 4 Euro. Die SWLB verleiht Schlittschuhe – Rollschuhe noch nicht.