„Weil mer Kölsche sin“, singt die Narrenschar im Mash – das singen auch die, die Schwaben sind. Beim Einsingen für den Karneval, einer Premiere der Rheingeschmeckten, sind alle jeck.
In Stuttgart fließt kein Rhein, aber das Kölsch in dieser Nacht in Strömen – in 0,2 Liter-Gläsern, die Wasen-Maßkrug-Kennern wie Fingerhüte vorkommen. „Ich hab jetzt schon Gänsehaut“, ruft der aus Köln angereiste Moderator Kai Hilski von der Initiative „Loss mer singe“ nach dem ersten Song. Denn der dicht an dicht zusammengedrückte Chor der Kostümierten startet im Mash mit vollem Karaocho.
„Laut aber schief“, heißt eines der Lieder, die gespielt werden – und damit wäre diese wilde Gute-Laune-Party bereits wunderbar beschrieben.
Rheingeschmeckte bringen Kölner Karneval nach Stuttgart
Wenn die Rheingeschmeckten, ein Verein aus gebürtigen Rheinländern, feiern, die aus Gründen von Liebe, Studium oder Beruf nun Stuttgart mit Exotenstatus bevölkern, sind alle einer Meinung: Eine bessere Karnevalsparty kann’s im Kessel kaum geben.
„Loss mer singe“ – so heißt das Format, das für Stuttgart neu ist, in Köln aber seit über 25 Jahren von Kneipe zu Kneipe zieht. Bevor die eigentliche Karnevalsparty stattfindet (im Mash diesmal am 7. Februar), heißt es: Einsingen für die neue Session.
Bunte Kostüme und schräge Töne: Stuttgarts Karnevalsauftakt
Der Abend beginnt mit einer langen Schlange vor dem Eingang quer durchs Bosch-Areal. Man sieht Vokuhila-Frisuren, Sheriffs, falsche Ärzte im weißen Kittel (Namensschild: Dr. Liebe), rot gestreifte Narren, Fans von lustigen Hüten. „Ich bin, ich bin, ich bin ne Karnevalsmaus“, dröhnt es durchs Mash aus über 450 Kehlen. Flyer werden verteilt, auf denen die Texte zum Mitsingen stehen. Der ganz normale Stuttgarter mag vom Kölsch nicht alles verstehen, macht dafür aber um so schräger mit.
An diesem Abend werden 22 neue Lieder für den Kölner Karneval vorgestellt – das Publikum soll darüber abstimmen, was der Superjeile-Hit von 2026 wird. Die Initiative „Loss mer singe“ lässt Exil-Kölner mitvoten. „Wer ist Rheinländer, wer ist Schwabe?“, fragt Moderator Kai Hilski ins Mash- Publikum. Die Antwort: ungefähr halb zu halb. In dieser Nacht aber sind wir alle Kölsch!
Von der Küche zur Kultreihe: „Loss mer singe“ feiert Stuttgart-Premiere
Was einst als kleine private Idee in der Küche von Georg Hinz im Kölner Stadtteil Nippes begann, ist längst zu einer Kultreihe geworden. Etwa 50 Einsingabende stehen allein in den nächsten Wochen in Köln auf dem Programm. Dazu kommen Veranstaltungen im Umland („Op Jöck“) sowie Auftritte in Berlin, München, Hamburg – und nun auch Stuttgart.
Die zentrale Frage ist überall dieselbe: Welcher neue Song überzeugt das singfreudige Kneipenpublikum am meisten? Ein 14-köpfiges „Loss mer singe“-Team hörte sich dafür 380 neue kölsche Lieder an, die seit Aschermittwoch 2025 erschienen sind – darunter auch Albumtitel, die noch gar nicht als Single veröffentlicht wurden. Übrig geblieben sind 22 Songs, etwa von Brings, den Räubern, Kasalla oder Cat Ballou.
„In Köln feiern alle Generationen zusammen“
Viele der Stuttgarter Mash-Gäste reisen Jahr für Jahr zum Fasching nach Köln und buchen dafür ihr Hotel Monate im Voraus. Warum es im Rheinland närrisch so schön ist? Die Antwort eines Herrn im gelben Anzug: „In Köln feiern alle Generationen zusammen, da herrscht Toleranz. Jeder Jeck ist anders – aber jeder Jeck darf so sein, wie er ist.“
Bis Stuttgart in die Champions League des Faschings aufsteigt, muss wohl noch einiges an Konfetti regnen. Doch wer sieht, wie im Mash gesungen, geschunkelt und getanzt wird, wie die Gesichter strahlen, wie jung und alt das Leben feiern, zweifelt nicht daran: Es gibt härtere Schicksale, als eine Karnevalsmaus zu sein!
„Loss mir singe“ begeistert Stuttgart: Karnevalsmaus siegt
Die Premiere von „Loss mir singe“ ist gelungen. Am 7. Februar folgt die eigentlich große Karnevalsparty der Rheingeschmeckten im Mash – seit Wochen ist sie ausverkauft. Das Einsingen bringt die Karnevalsmäuse in der Vorfreude darauf noch mehr zum Quietschen. Zur späten Stunde gibt’s einen klaren Sieger: Bei „Stuttgart sucht den Kölner Karnevalshit“ landet der Song „Karnevalsmaus“ der Band Druckluft auf Platz eins – vor „Adios Amigos“ von Kasalla und „C’est la vie“ von Klüngelköpp. Diese neuen Songs wird man in der Session 2026 also öfter hören.