In vielen Familien sind immer noch allein die Mütter für alles rund um das Thema Schule zuständig. Foto: Mascha Brichta/dpa-tmn

Damit ihre Kinder in der Schule erfolgreich sind, stecken vor allem Frauen beruflich zurück. Ist professionelle Nachhilfe die Lösung?

Schule stresst vor allem Mütter. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative bundesweite Umfrage der Online-Forschungs- und Marketing-Plattform YouGov unter 1053 Eltern zwischen 40 und 55 Jahren. Die Studie wurde im Auftrag des privaten Bildungsanbieters Studienkreis im Sommer 2025 durchgeführt. Sie zeigt, wie ungleich die Verantwortung für Schulthemen verteilt ist:

  • 47 Prozent der befragten Eltern sehen diese bei den Müttern
  • 8 Prozent bei den Vätern
  • 36 Prozent bei beiden Elternteilen
  • 53 Prozent der befragten Mütter denken täglich oder mehrmals täglich an die Schule
  • 58 Prozent der befragten Mütter gibt an, sie müssten sich zwischen ihrer beruflichen und der schulischen Entwicklung ihrer Kinder entscheiden

„So kommt es, dass Bildung – einst ein Emanzipationsmotor – heute unbeabsichtigt zur Retraditionalisierung der Frauenrolle beiträgt“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Nachhilfeinstituts Studienkreis. „Mütter beschäftigen sich derart intensiv mit der Schule, weil wir als Gesellschaft schulische Leistung und Erfolg von Kindern immer noch sehr in der Verantwortung der Mutter sehen“, sagt der Studienkreis-Sprecher Thomas Momotow und ergänzt: „Die Mutter ist die Ansprechperson, die häufiger Teilzeit arbeitet und zu Hause für die Alltagsdinge zuständig ist. Ein klares Indiz, das wir dafür sehen: Rund zwei Drittel der Nachhilfe-Anfragen beim Studienkreis kommen von Müttern.“

Der Stress, den Eltern – und insbesondere Mütter – wegen schulischer Themen erleben, wirkt sich auf das gesamte Familienleben aus. So geben 64 Prozent der befragten Eltern an, es komme deswegen zu Konflikten mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin. Und 85 Prozent der belasteten Eltern sehen, dass ihre Kinder den von ihnen empfundenen schulischen Stress übernehmen.

Nachhilfe könne hier eine immense Erleichterung für das Familienleben sein, sagt der Studienkreis-Sprecher Momotow – angesichts seiner Rolle freilich wenig überraschend. Er ergänzt: „Wir erleben den Druck aus den Familien sehr deutlich. Die Eltern sind mit den Nerven am Ende, weil sie merken, dass die eigene Hilfe häufig nicht funktioniert.“ Die Konflikte mit den Kindern, die dadurch entstehen, würden die Eltern an den Rand der Verzweiflung bringen. „Das ist völlig normal, aber auch ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es gut ist, sich Fachpersonen zu holen und nicht selbst als Lehrerin oder Lehrer aktiv zu werden“, so Momotow in der Pressemitteilung. Die Umfrage-Ergebnisse bestätigen diese Aussage:

  • 39 Prozent der Eltern nehmen bereits externe Hilfe in Anspruch
  • 42 Prozent davon empfinden Nachhilfe als spürbare Entlastung

Ein Grund für Nachhilfe kann aber auch sein, dass Eltern ihren Kinder zu viel zumuten. Schulpraktiker betonen, dass professionelle Nachhilfe bei schließbaren Lernlücken, zum Beispiel nach einer längeren Krankheit, durchaus sinnvoll seien könne, aber nicht zu einer Dauereinrichtung werden sollte. Denn es gibt viele Bildungswege, um dem unterschiedlichen Begabungspotenzial und Leistungsvermögen von jungen Menschen gerecht zu werden – und nicht für jedes Kind ist das Gymnasium die richtige Wahl.