Wer ist wer? Einfach zu sagen bei Nicole Hasimis vom Bunten Kreis, den Drillings-Eltern Joisy Jose und Binoop Pottackal Paul mit Tochter Amelia, Oberarzt Dr. Ulrich Bernbeck und Krankengymnastin Ulrike Schiller. Bei den Jungs in der ersten Reihe muss man dreimal hinschauen: Levi, Leon und Luca (von links nach rechts). Foto: RMK/Fuchs

Die extreme Seltenheit ihrer Konstellation sorgte im Sommer für Aufsehen. Monate später liefert die Klinik neue Einblicke in Entwicklung, Betreuung und Prognose von Luca, Leon und Levi.

Der erste große Medienrummel ist vorbei, doch das Interesse an den eineiigen Drillingen aus Winnenden (Rems-Murr-Kreis) hält an. Luca, Leon und Levi, die Ende Juli im Rems-Murr-Klinikum zur Welt gekommen waren, sind nun zur entwicklungsneurologischen Nachuntersuchung wieder in der Kinderklinik. Nach Angaben der Rems-Murr-Kliniken geht es den drei Jungen gut.

Wie das Klinikum mitteilt, sind die Drillinge drei Monate nach ihrer Entlassung aus der Kinderklinik gesund, aufmerksam und altersgerecht entwickelt. Untersucht wurden sie von dem Neonatologen Ulrich Bernbeck, der die Kinder bereits seit der Geburt begleitet. Dabei habe sich gezeigt, dass die Babys inzwischen „fremdeln“. Ein Verhalten, das aus medizinischer Sicht ausdrücklich positiv zu bewerten sei.

Fremdeln als Zeichen gesunder neurologischer Entwicklung

Fremdeln, sagt Bernbeck, sei kein Problem, sondern ein Beweis dafür, dass im Kopf der Babys gerade richtig viel passiert. Würden Kinder in diesem Alter noch jeden Menschen anlächeln, könne das eher Anlass zur Sorge geben. Die Reaktionen der Drillinge sprächen dagegen dafür, dass ihre neurologische Entwicklung altersgerecht verlaufe.

Die Drillinge vor knapp einem halben Jahr Foto: Jan Potente

Die Untersuchung ist laut Angaben des Klinikums einem standardisierten Schema gefolgt. Getestet worden seien unter anderem Muskelspannung, Haltung, Bewegungsmuster sowie frühkindliche Reflexe. Alle drei Kinder hätten sich dabei unauffällig gezeigt. Auch die Gewichtsentwicklung sei zufriedenstellend.

Die Geburt der Drillinge hatte im Sommer überregionale Aufmerksamkeit erregt. Eineiige Drillinge gelten als extreme Seltenheit, die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft liege bei etwa eins zu 100 Millionen. Luca, Leon und Levi waren bereits in der 31. Schwangerschaftswoche der Mutter per Kaiserschnitt zur Welt gekommen.

Wissenswertes zu eineiigen Drillingen

  • Extrem selten: Eineiige Drillinge entstehen laut medizinischer Fachliteratur nur bei etwa einer von 100 Millionen natürlich entstandenen Schwangerschaften.
  • Ein Ursprung: Alle drei Kinder entwickeln sich aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich mehrfach teilt.
  • Genetisch identisch: Eineiige Drillinge haben das gleiche Erbgut, unterscheiden sich aber dennoch oft in Temperament und Verhalten.
  • Frühe Geburt häufig: Mehrlingsschwangerschaften enden meist früher als Einlingsgeburten, Drillingsgeburten gelten daher medizinisch als Hochrisikoschwangerschaften.
  • Hoher Betreuungsbedarf: Geburt und Nachsorge erfordern eine enge Zusammenarbeit von Geburtshilfe, Neonatologie und Nachsorgeangeboten.

Dass die Frühgeburt ohne größere Komplikationen verlaufen war, führen die Verantwortlichen auf die enge Zusammenarbeit im Perinatalzentrum des Klinikums zurück. Dort arbeiteten Geburtshilfe und Neonatologie Tür an Tür. Für jedes der drei Kinder habe bei der Geburt ein eigenes medizinisches Team bereitgestanden.

Eltern erhalten Unterstützung vom Bunten Kreis Rems-Murr

Auch nach der Entlassung seien die Eltern nicht allein gelassen worden, betont das Klinikum. Begleitet werde die Familie weiterhin vom „Bunten Kreis Rems-Murr“, einer Initiative für sozialmedizinische Nachsorge bei Frühgeborenen und kranken Neugeborenen. Das Ziel sei, Eltern im Alltag zu unterstützen und einer Überforderung frühzeitig entgegenzuwirken.

Die Begleitung umfasst Hausbesuche, Beratung zu sozialrechtlichen Fragen sowie Unterstützung bei der Organisation von Hilfsangeboten. Dabei würden stets sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch die der Eltern berücksichtigt, so die Klinik. Auch Geschwisterkinder würden in das Betreuungskonzept einbezogen.

Muttermilch stärkt Immunsystem der frühgeborenen Drillinge

Ein wichtiger Faktor für die positive Entwicklung sei zudem die Ernährung in den ersten Lebenswochen gewesen. Die Drillinge waren zeitweise über die Frauenmilchbank mit Spendermilch versorgt worden. Gerade für Frühgeborene sei dies von besonderem Wert, da Muttermilch das Immunsystem stärke und Komplikationen vorbeugen könne, so die Klinik.

Inzwischen hätten alle drei Kinder gut aufgeholt, auch Leon, der bei der Geburt etwas leichter gewesen war. Unterschiede in der Entwicklung seien aktuell kaum noch festzustellen, heißt es aus ärztlicher Sicht.

Neue Meilensteine: Beikost und Nachuntersuchungen geplant

Die nächsten Entwicklungsschritte sind bereits geplant. In den kommenden Monaten steht unter anderem die Einführung von Beikost an, weitere Nachuntersuchungen sind terminiert. Nach Einschätzung der behandelnden Ärzte ist die Prognose weiterhin gut.

Nach allem, was man bislang gesehen habe, bestehe berechtigte Hoffnung, dass die Drillinge gesund aufwachsen werden, erklärt der Neonatologe Ulrich Bernbeck. Gleichwohl werde die Entwicklung weiterhin eng begleitet – routiniert, aufmerksam und mit dem nötigen Respekt vor der Besonderheit dieses Starts ins Leben.