Eine Gruppe von Touristen nimmt den Big Ben ins Visier Foto: dpa/Frank Augstein

Großbritannien verlässt die Europäische Union. Wir erklären, auf welche Veränderungen sich Touristen einstellen müssen.

London/Stuttgart - Mal schnell für einen Kurztrip zur Queen: Ferien in Großbritannien sind beliebt. Jetzt treten die Briten aus der Europäischen Union aus. Was verändert sich nach der Übergangsphase Ende 2020, in der die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU neu geregelt werden, für Urlauber? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was verändert sich bei der Einreise?

Das Vereinigte Königreich hat nie zum Schengen-Raum gehört, deshalb gab es auch immer Ausweiskontrollen für EU-Bürger. Und Geld getauscht werden musste ja ebenfalls. Laut Auswärtigem Amt hat die britische Regierung zugesichert, dass der Personalausweis weiter akzeptiert wird und auch keine Visa für Aufenthalte unter 90 Tagen verlangt werden. Von Austauschschülern und Geschäftsreisenden, die länger als 90 Tage bleiben, dürfte ab 2021 ein Visum gefordert werden. Alle anderen müssen sich eventuell auf längere Warteschlangen einrichten. Ziemlich sicher wird ab 2021 ein biometrischer Reisepass benötigt und wohl auch ein Online-Reiseantrag, wie ihn die USA mit Esta seit mehr als zehn Jahren haben.

Was ändert sich beim Luftverkehr?

Die beiden größten europäischen Billigflieger Ryanair und Easyjet haben einen großen Teil ihrer Flugzeuge in Großbritannien stationiert. Bislang benötigen sie keine Genehmigungen, um von dort in die EU zu fliegen. Das dürfte sich ab 2021 ändern. Da Billigflüge früh gebucht werden, steigen die Flugpreise bereits jetzt.

Wird man am Handy bald die mobilen Daten ausschalten müssen?

Für 2020 haben sich die großen drei Telefongesellschaften Telekom, Vodafone und Telefónica festgelegt: Da bleibt alles beim Alten. Danach müsste sich Großbritannien nicht mehr an die Roaming-Vorschriften der EU halten, Telefonieren und Datennutzung könnten teurer werden. Für wahrscheinlicher halten Fachleute aber Regeln wie mit Island und Norwegen – beide halten sich auch ohne EU-Mitgliedschaft an die Roaming-Abkommen.

Zahlen wir künftig Zoll auf Souvenirs?

Prinzipiell ja. Nach der Übergangsphase könnte es durchaus sein, dass Deutsche und Reisende aus anderen EU-Ländern in Großbritannien unter die Einfuhrbeschränkungen aus Drittländern fallen. Flugreisende dürften dann nur noch Waren mit einem Wert von maximal 430 Euro einführen. Auch die Richtlinien für Freimengen zum Beispiel für Alkohol und Zigaretten könnten erheblich eingeschränkt werden, heißt es beim ADAC. Statt zehn Litern darf bei der Rückkehr aus Nicht-EU-Ländern dann nur noch ein Liter Whisky in den Koffer.

Darf Bello mit in die Highlands?

Das ist momentan noch die Frage. Die ­britische Regierung hat sich noch nicht zum EU-Heimtierausweis bekannt. Ältere Hundehalter erinnern sich: Bis vor einigen Jahren war die Einfuhr von Tieren und deren Rückreise in die EU ein echtes Drama. Die britische Regierung empfiehlt, eine Reise mit Haustier mit einem Vorlauf von mindestens vier Monaten gemeinsam mit dem Tierarzt zu planen.

Bin ich in Großbritannien noch kranken­versichert?

Aktuell erhalten auf der Insel krank gewordene EU-Urlauber alle medizinisch notwendigen Behandlungen kostenlos, wenn sie ihre europäische Krankenversicherungskarte vorlegen. Das gilt für jeden Arzt, der dem Nationalen Gesundheitsdienst angeschlossen ist. Ab dem Austritt tut man als Reisender aus der EU gut daran, eine private Auslandsreiseversicherung abzuschließen. Das empfehlen Verbraucherschützer allerdings bereits jetzt, so eine Versicherung kostet nicht mal zehn Euro. Auch privat Versicherte sollten sich auf diese Weise absichern.

Wird Urlaub auf der Insel künftig billiger?

Bislang ist Großbritannien dank des Brexits deutlich günstiger geworden. Seit der Brexit-Entscheidung ließ das Pfund um mehr als zehn Prozent nach. Das hat die direkte Folge, dass EU-Urlauber bereits jetzt ihre Euro entsprechend günstiger in britische Pfund tauschen und so die Reise entsprechend billiger wird. Das gilt für die Restaurantrechnungen genauso wie beim Shoppen in der Carnaby Street. In jüngster Zeit ist allerdings der Wechselkurs wieder leicht gestiegen, auch die Hotelpreise ziehen gerade an.

Welche anderen Veränderungen könnte es noch geben?

Längerfristig stehen sämtliche EU-Annehmlichkeiten auf der Kippe: Wegfallen würden vermutlich die in der EU durchgesetzten Ausgleichszahlungen bei Verspätung oder Annullierung von Flugzeugen. Vorsichtig sein sollten Urlauber, die einen Fernflug in einem der gängigen Portale buchen. Die vermitteln nur. Wer da an ein britisches Reisebüro gerät, ist zum Zeitpunkt der Reise eventuell nicht mehr vom EU-Reiserecht gedeckt. Für Fragen zum Brexit hat die EU eine Telefonhotline auch in deutscher Sprache unter der gebührenfreien Nummer 00800 / 67 89 10 11 eingerichtet. Darüber hinaus ist im Internet ein Faktenblatt „Reise“ abrufbar, das „Reisen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU im Fall eines No-Deal-Brexits“ erläutert.

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