Schwere Zeiten für Reisebüros. Foto: Roberto Bulgrin

Wegen der Corona-Krise befinden sich die Reisebüros in einer misslichen Lage. Sämtliche Provisionen seien verloren gegangen. Vielen drohe die Pleite, sagt Manuela Schiffner aus Nellingen. Sie fordert einen bundesweiten Rettungsfonds.

Ostfildern - Manuela Schiffner hat während ihrer 25-jährigen Tätigkeit in der Reisebranche schon viele Stürme durchgestanden, zum Beispiel die Finanzkrise 2007/2008 oder erst im vergangenen Jahr die Pleite von Thomas Cook. „Das hat uns schon an den Rand des Wahnsinns gebracht“, erinnert sich die Nellingerin. Aber die Folgen der Corona-Epidemie seien „schlimmer als wir uns das jemals haben erträumt haben“. Bis zu 95 Prozent ihrer Jahreseinkünfte würden die Reisebüros verlieren, schätzt der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR). Schiffner kann das nur unterschreiben. Sie und die vielen Kollegen in den bundesweit gut 10 000 Reisebüros arbeiteten im Augenblick völlig umsonst. Wegen der ausgefallenen Reisen behielten die Veranstalter die Provision ein oder forderten sie wieder zurück. Die bisher geleistete Arbeit werde nicht bezahlt. Mehr noch. Auch für die aufwendige Rückabwicklung der Buchungen springe überhaupt nichts heraus. Wenn der Staat nicht schnell helfe, drohe eine Flut von Pleiten, befürchtet Schiffner für ihre Branche, an der immerhin ein Jahresumsatz von 11,7 Milliarden Euro und 2,9 Millionen Arbeitsplätze hingen. Die Unternehmerin aus Nellingen beklagt, dass die Hilfsgelder aus den öffentlichen Kassen bisher vornehmlich an die verteilt worden seien, „die am lautesten geschrien haben“. Doch das werde man nicht akzeptieren. Vor Kurzem ist Schiffner deshalb mit vielen Berufskollegen in Stuttgart auf die Straße gegangen, um gegen diese „Ungerechtigkeit“ zu demonstrieren, das nächste Mal vermutlich am 13. Mai, wieder in der Landeshauptstadt. Weil man sich noch kein Gehör habe verschaffen können, werde es weitere Protestaktionen geben. Als beste Lösung sieht Manuela Schiffner einen Reiserettungsfonds, wie ihn auch Thomas Bareiß, der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, angeregt hat. Von der Lösung, die Kunden mit Gutscheinen für spätere Reisen zu vertrösten, hält sie überhaupt nichts. „Das ist unfair gegenüber den Endverbrauchern“, sagt sie. Die Kunden hätten damit überhaupt keine Sicherheit. Denn niemand könne garantieren, ob es den entsprechenden Veranstalter nächstes Jahr überhaupt noch gibt.

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