Sushi in allen Variationen, aber auch andere asiatische Gerichte servieren Chen Qiu Zhen und sein Team im „Oishii“ in der Esslinger Pliensaustraße. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Im Restaurant „Oishii“ bekommt man gute Sushi-Qualität für einen fairen Preis.

Esslingen Rohkost ist in – und gesund. Aber muss es unbedingt Fisch sein? Und wird man von den kleinen Röllchen überhaupt satt? Einen Fleischesser auf Sushi umzupolen, ist ein hartes Brot. Der Skeptiker hat die reisgefüllten Häppchen zwar schon ein paarmal probiert, aber zum Fan der trendigen Asia-Küche ist er bislang nicht geworden. Dafür fehlte das besondere Geschmackserlebnis. Ein Besuch im „Oishii“, Esslingens mutmaßlich jüngstem Sushi-Restaurant, ist ein erneuter Versuch der Annäherung an diese fremde Essenskultur.

Das war doch früher . . . Genau. Eingefleischte Esslinger wissen, dass in der Pliensaustraße 33 die Fischimbiss-Kette Nordsee lange Zeit eine Filiale betrieben hat. Im August 2016 übernahm Chen Qiu Zhen das Restaurant. Zuvor hatte der gebürtige Chinese mit seinem Team gastronomische Betriebe in Karlsruhe und Sinsheim geführt. Esslingen scheint für ihn ein gutes Pflaster zu sein. Zumindest an diesem Freitagabend ist das Lokal schon um 19 Uhr gut gefüllt. Auch an der Theke ist immer gut was los, denn alle Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen. Selbstabholer erhalten einen Rabatt von zehn Prozent. Unser Tisch ist zum Glück ziemlich weit hinten. Denn an diesem Abend ist es bitterkalt, sodass es wegen des ständigen Tür-auf-Tür-zu selbst bei uns in der Beinregion zieht. Das Lokal kommt in seiner Ausstattung nüchtern daher, mit seiner einfachen Bestuhlung eher wie ein Schnellimbiss-Restaurant.

Die Bedienung nimmt uns sofort wahr, genauso flugs ist die Speisekarte auf dem Tisch. „Chinesische und japanische Sushi & Wok“ steht da geschrieben. Eine „Zusammenführung der Küche Asiens“ wolle man den Gästen bieten. Klingt nicht gerade individuell. Entsprechend groß ist die Auswahl. Suppen, Salate, Maki-Sushi, Special Rolls, Temaki, Nigiri, Sashimi, einzeln, als Menü oder als Box, dazu die klassischen chinesischen Reis-Gerichte mit Huhn, Rind, Meeresfrüchten oder Ente. Die Riesenkarte erschlägt einen erst einmal. Uns steht der Sinn nach Von-allem-Etwas. Also das „Lady’s and Gentleman’s Set“ für zwei Personen (42,90 Euro): acht Sashimi, zwölf Nigiri, zwölf Maki, zwei Ebi-Temaki und zum Schluss Matcha-Eis.

Als Vorspeise gibt es die obligatorische Miso-Suppe mit Seetang, Tofu und Fischpaste. Etwas säuerlich im Geschmack, aber gut. Nur sollte die Suppe etwas heißer sein. Danach ist viel Geduld gefragt. Doch dieses kleine Ärgernis wird wettgemacht durch die spektakuläre Aufmachung der Hauptspeise: Die Sushi-Variationen werden auf einem großen Holzschiff serviert. Angenehm: Mit seinen staunenden Augen wird man als Gast nicht alleine gelassen. Die freundliche Bedienung erklärt geduldig Zutaten und Mischungen. Ob Garnelen, Lachs, Butterfisch, Thunfisch oder Jakobsmuscheln – alles ist frisch und geschmacklich hervorragend. Sensationell gut ist der Wasabi. „Nach eigenem Rezept selbst gemacht“, erklärt uns die Bedienung. Zum Tunken hätten wir uns neben der gewöhnlichen Sojasauce noch eine weitere Sauce gewünscht. Aber dafür gab es den eingelegten Ingwer. Ein Gedicht.

Selbst das Vorurteil, dass man nach einem Sushi-Essen hungrig das Restaurant verlässt, ist widerlegt. Die Portionen sind auch für Vielesser reichlich. Für eine kleine Nachspeise ist trotzdem noch Platz im verwöhnten Magen: Matcha-Eis. Wie immer scheiden sich daran die Geister. Denn die herbe Note wegen des grünen Tees ist nicht jedermanns Geschmack.

Fazit des neuerlichen Sushi-Versuches: Im „Oishii“ bekommt man hervorragende Qualität für sein Geld. Und man entdeckt, wie lecker frischer und roher Fisch schmecken kann. Nicht jeden Tag, aber vielleicht immer öfter.

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