Stadträtin Resi Berger-Bäuerle ist seit jeher bei den Frauen für Renningen, Vorsitzende Mareike Gude seit Kurzem. Foto: Simon Granville

Fraueninitiativen im Porträt (Teil 1): Wofür steht die Frauenliste in Renningen, wie haben sie die Anfänge der Liste erlebt und was haben sie inzwischen erreicht?

Kommunalpolitik ist noch immer stark männlich geprägt. Gemeinderäte, in denen ebenso viele Frauen wie Männer sitzen, bilden auch in Leonberg und Umgebung noch immer die große Ausnahme. Dabei gibt es in der Region mehrere Initiativen, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, mehr Frauen in die Räte zu heben, ihre Stimme hörbar machen.

Seit 30 Jahren sitzen die Frauen für Renningen im dortigen Gemeinderat. Die Frauenliste wurde gegründet, um den Anteil der Frauen im Gemeinderat zu erhöhen. „Mit der Zeit hat das etwas bewirkt“, sagt die langjährige Gemeinderätin der Frauen für Renningen, Resi Berger-Bäuerle. Irgendwann hätten neben ihnen nicht mehr nur die Grünen, die die Listen schon damals paritätisch besetzten, Frauen nominiert.

„Frauen für Renningen“ gibt es seit 1994

Resi Berger-Bäuerle sitzt seit 1999 für die Frauen für Renningen im Gemeinderat. Sie hat 1989 den Verein Kinderfreunde Renningen gegründet und sei darüber zur Politik gekommen, sagt sie. „1994 hat mich Heiderose Berroth, die die Frauen für Renningen damals gegründet hat, gefragt, ob ich mich aufstellen lassen will“, erinnert sie sich. „Weil ich aber bereits auf einer anderen Liste stand, musste ich ihr absagen. Aber bei der Wahl darauf sind wir dann gemeinsam in den Gemeinderat gewählt worden.“

Stadträtin der Frauen für Renningen: Resi Berger-Bäuerlein Foto: Simon Granville

Die 67-jährige Resi Berger-Bäuerle hat jahrelang in der Notaufnahme und ehrenamtlich in der Kirche sowie im Jugendhaus gearbeitet, wo sie lange Zeit im Vorstand saß. Inzwischen sitzt sie außerdem im Stadtseniorenrat. Sie sagt über sich selbst, dass sie nach 25 Jahren inzwischen, was ihre Themen angehe, „sehr breit aufgestellt“ sei.

„Es war natürlich anfangs schon schwierig, als noch sehr wenige Frauen im Gemeinderat saßen“, sagt die langjährige Gemeinderätin. Man habe erst einmal beweisen müssen, dass die Anträge, die man stellte, Hand und Fuß haben. „Als aus einer ganz unerwarteten Ecke mal ein Lob kam, war das ein schönes Gefühl.“ Man kenne die Liste auch für ihre Beharrlichkeit, sagt Vorsitzende Mareike Gude. „Nicht selten werden Anträge wiederholt.“ Gude ist ein „Neigeschmeckte“, kommt ursprünglich aus dem niedersächsischen Emden und lebt seit sieben Jahren in Renningen. Sie hat sich in den vergangenen Jahren als Elternbeirätin für Kinderbetreuung engagiert. Die 37-Jährige ist ausgebildete Logopädin und „noch ganz frisch“, wie sie selbst sagt, seit dieser Wahlperiode bei der Frauenliste. Sie wolle auch sogleich durchstarten – und hat daher direkt den Vorsitz der Liste übernommen.

Vorsitzende der Frauen für Renningen: Mareike Gude. Foto: Simon Granville

Ihr sei es wichtig, „ein gutes, attraktives und vielfältiges Leben für alle Generationen in Renningen“ zu ermöglichen. Als Teil des Gesamtelternbeirats liege ihr Fokus besonders in einer sicheren, festen und pädagogisch wertvollen Kinderbetreuung sowie als Logopädin mit neurologischem Schwerpunkt eine gut ausgebaute Tagespflege für Senioren.

„Wir können nicht nur soziale Themen“

Das Ziel sei stets gewesen, neben mehr weiblicher Beteiligung in den Räten, die sozialen Themen voranzubringen – sei es Kinder- und Seniorenbetreuung oder Barrierefreiheit. „Wir können aber nicht nur soziale Themen“, betont Berger-Bäuerle, „aber wir betrachten viele Entscheidungen von der sozialen Seite, zum Beispiel beim Schulhausumbau die Barrierefreiheit.“

Wenn man durch Renningen gehe, sehe man die Spuren der Frauenliste: „In Renningen und Malmsheim gibt es an den Fußgängerüberwegen sowohl einen Absatz für Sehbehinderte als auch einen flachen Bereich für Menschen, die im Rollstuhl unterwegs sind.“ Die Themen hätten sich im Laufe der Zeit nur wenig verändert, sagt Berger-Bäuerle. Kinderbetreuung und Verkehr seien immer da gewesen, der Klimaschutz sei dazugekommen. „Das wird das größte Thema und das gehört überall dazu.“

Personalkosten trennen Frauenliste am meisten von anderen Parteien

Die Liste versteht sich als freie Wählerinitiative und ohne Parteibuch, „man schließt sich aber im Laufe der Zeit immer wieder Anträgen anderer Parteien an“, sagt Berger-Bäuerle. Bei der Renninger Frauenliste seien das in der Vergangenheit besonders die Grünen und die SPD gewesen, aber auch die CDU. Was sie von den anderen Parteien und Listen – abgesehen von den Grünen – trenne, sei der Umgang mit dem Thema Personalkosten. Gemeinsam mit den Grünen seien sie diejenigen, die sich für mehr Personal in Verwaltung, Kindergärten und Pflegeheimen einsetzen, die anderen wollten die Kosten lieber senken.

Man sehe sich selbst keinesfalls nur als eine Liste für Frauen, sondern spreche gleichermaßen Männer an, sagt Gude. Gerade Barrierefreiheit sei genauso für Männer wichtig. Männer dürfen genauso Mitglied werden, können nur nach aktueller Satzung nicht kandidieren.

Rauchverbot und Barrierefreiheit gehen auf die Frauenliste zurück

Einer der Erfolge sei, kontinuierlich im Gemeinderat vertreten zu sein, inzwischen auch wieder mit Fraktionsstatus. Und auch das Rauchverbot auf Spielplätzen und im Freibad wurden ursprünglich von der Frauenliste eingebracht – „auch wenn die schließlich auf Antrag der Verwaltung beschlossen wurden.“ Ebenso haben sie für das Thema Barrierefreiheit sensibilisiert, bevor das Bundesteilhabegesetz kam, sagt Berger-Bäuerle.

Frauen in der Kommunalpolitik

Serie
In drei Teilen stellen wir Frauenlisten und politische Fraueninitiativen in Leonberg und Umgebung vor.

Gemeinderat
 Den höchsten Frauenanteil in der Region gibt es in Hemmingen. Mit 56 Prozent sitzen mehr Frauen als Männer im Gremium. Darauf folgen Leonberg mit 38 Prozent und Renningen mit 36 Prozent. Die wenigsten Frauen sitzen mit 21 Prozent im Gemeinderat in Weil der Stadt. Nur jedes fünfte Ratsmitglied ist dort eine Frau.

Renningen
Im Renninger Gremium sitzen acht Frauen. Den höchsten Frauenanteil pro Liste hat dort die Renninger Frauenliste.