Kämpfe in der Küche: Esther Heller und Martin Sommerlatte. Foto: Regionentheater - Regionentheater

Lars Lienens Komödie „Zartbitter“ zeigte das Regionentheater aus dem schwarzen Wald in der Alten Mühle in Bonlanden. Das Kultur- und Kommunikationszentrum in Filderstadt will jungen Theaterkünstlern der freien Szene ein Sprungbrett bieten.

FilderstadtDie erbitterten Kämpfe zweier Chocolatiers, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, beschreibt der Autor Lars Lienen in seiner Musikkomödie „Zartbitter“. Samantha führt die beliebte Chocolaterie seit Jahren alleine. Alle Kollegen hat die kreative Chefin in die Flucht geschlagen. Bis eines Tages Tom in ihre Küche kommt – der einzige, dessen kreative Kreationen selbst ihr noch ein Staunen entlocken können. Es gibt nur ein Problem. Er ist schwul, und das passt so gar nicht in ihr Weltbild.

In der Alten Mühle in Filderstadt-Bonlanden zeigte das Regionentheater aus dem schwarzen Wald die hintersinnige Komödie. In humorvolle Spielszenen verpackt, führt der Autor und Schauspieler dem Publikum ihre eigenen Klischees und Vorurteile vor Augen. Regisseur Andreas Jendrusch, der die kleine Tourneebühne in Simmersfeld leitet, lässt die Schauspieler Martin Sommerlatte und Esther Heller Lienens schöne Situationskomik lustvoll auskosten. Dennoch schaffen Esther Heller und Martin Sommerlatte den Spagat, auch die dunklen Töne in Lienens Text herauszumeißeln.

Aus der Defensive

Dass sie Homosexuelle nicht mag, lässt Samantha ihren neuen Kollegen in der Küche knallhart spüren. Als dann jedoch herauskommt, dass beide denselben Mann lieben, verbünden sich die zwei. Obwohl Lienen gerade die Figur der Samantha allzu grob und klischeehaft gezeichnet hat, meißelt Esther Heller auch die verzweifelten Aspekte ihrer Figur heraus. Samantha lebt für den Beruf. Dabei bemerkt sie nicht, wie ihr der eigene Mann entgleitet. Klug und zurückhaltend reagiert Martin Sommerlatte in der Rolle des Tom aus der Defensive. Als die beiden sich an dem Mann rächen, der sie beide betrogen hat, greift Regisseur Andreas Jendrusch gar zu tief in die Comedy-Kiste. Dann ersticken die verzweifelten Worte der betrogenen Liebenden auch schon mal im seichten Quatsch.

Komödienspektakel ohne Leerlauf

Trotz solcher gelegentlichen Ausrutscher gelingt dem Regisseur und seinem kleinen Ensemble ein dynamischer Theaterabend. Leerlauf hat dieses Komödienspektakel kaum. Die liebevoll gemalten Kulissen schaffen den perfekten Rahmen für das Duo, das sich auf der Theaterbühne explosive Gefechte liefert. Spritzig und flott sind die Gesangseinlagen, mit denen Heller und Sommerlatte das Spektakel immer wieder garnieren.

Regisseur Andreas Jendrusch und sein Regionentheater aus dem schwarzen Wald kommt schon seit Jahren ins Kultur- und Kommunikationszentrum Alte Mühle. Nach erfolgreichen Jahren als Schauspieler an Stadt- und Landestheatern wollte der Künstler mit dem Regionentheater in Simmersfeld „eigene Theaterkonzepte verwirklichen“, die im hierarchisch strukturierten schwer möglich gewesen seien. Mit seinen Produktionen gastiert Jendrusch, der auch als Fernsehschauspieler vor der Kamera steht, auch jenseits der Kulturzentren.

„Uns interessieren Ensembles, die anspruchsvolle Dramatik auf die Bühne bringen“, sagt Christiane Pfefferkorn. Die Lehrerin an einer Werkrealschule plant das Theaterprogramm der Alten Mühle. Dabei setzt sie auf Stücke, die aktuelle gesellschaftliche Themen zur Diskussion stellen. Im November zeigte das Stuttgarter Theater Spielbetrieb das Stück „Genannt Gospodin“ des jungen Dramatikers Philipp Löhle. „Wir finden es schön, wenn das Publikum dann über die Stücke diskutiert, sich mit den Themen auseinandersetzt“, sagt Pfefferkorn. An der Theke der Alten Mühle oder im gemütlich eingerichteten Kultur-Lokal kommen die Besucherinnen und Besucher dann ins Gespräch und tauschen sich über das Gesehene aus.

Ein großes Anliegen ist es der Theater-Kuratorin, Gruppen aus der freien Szene Auftrittsmöglichkeiten zu bieten. „Gerade junge Künstlerinnen und Künstler tun sich anfangs in der Kulturszene schwer, sie müssen erst mal Fuß fassen.“ Da biete eine kleine Bühne wie die in der Alten Mühle optimale Voraussetzungen. Pfefferkorn freut sich besonders darüber, dass sich für die Theaterabende „ein offenes, interessiertes Stammpublikum“ gefunden hat, das sich auf neue Dramatik ebenso begeistert einlässt wie auf nicht ganz einfache Stoffe.

Die Alte Mühle in Bonlanden, Humboldtstraße 5, lädt am Freitag, 10. Januar, ab 19.30 Uhr zum Kneipen-Quiz ins Kultur-Lokal der Alten Mühle ein. Neue Mitspielerinnen und Mitspieler sind bei dem Quiz in lockerem Rahmen jederzeit willkommen.

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