Noch bis Mitte des Jahres 2026 bleibt Bernhausen Endstation. Foto: Roberto Bulgrin - Roberto Bulgrin

Erst Mitte des Jahres 2026 soll die S-Bahn von Bernhausen nach Neuhausen über Sielmingen fahren. Das ärgert die Regionalräte – ebenso wie die Mehrkosten für das Projekt.

Neuhausen/StuttgartLeicht fiel den Fraktionen im Regionalparlament ihre Entscheidung nicht, den drastisch erhöhten Zuschuss für die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen mit einem Halt in Sielmingen zu zahlen. Statt der vorgesehenen 27,8 Millionen Euro wird sich der Anteil jetzt auf 46,5 bis 53,2 Millionen Euro belaufen. Aber am Ende fiel der Beschluss doch einstimmig aus. „Die Filder sind der große Wachstumsraum in unserer Region, es gibt immensen Siedlungsdruck“, sagte Jürgen Wurmthaler, Leitender Direktor der Region, in der Sitzung in Stuttgart.

Das bedeute, dass die Staus immer schlimmer werden, „wenn wir nicht mit einem attraktiven öffentlichen Nahverkehr Alternativen schaffen.“ In Kombination mit der Verkehrsdrehscheibe, die derzeit am Flughafen entsteht, sieht Wurmthaler beste Perspektiven, dass sich immer mehr Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen lassen. Nicht zuletzt gehe es da um Klimaschutz.

Steuerzahlern schwer vermittelbar

„Die Mehrkosten lassen sich den Steuerzahlern schwer vermitteln“, sagte Andreas Koch, der für die CDU/ÖDP-Fraktion sprach. Als Erster Bürgermeister der Stadt Filderstadt ist er direkt von den Mehrkosten betroffen. Seine Kommune zahlt nun – ebenso wie die Nachbargemeinde Neuhausen – statt 3,5 Millionen Euro 5,8 bis 6,7 Millionen Euro. Die Beteiligung des Landkreises Esslingen klettert von 6,9 Millionen auf 11,6 bis 13,3 Millionen Euro. Weil offen ist, wie hoch die Zuschüsse ausfallen, konnte Wurmthaler die genauen Beträge noch nicht genau beziffern.

Dennoch ließ Koch keinen Zweifel, dass seine Fraktion im Regionalparlament das Projekt weiter unterstützen wird. Er ist überzeugt, dass das auch viele Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt so sehen. Eine Befragung habe ergeben, dass Straßenverkehr, öffentlicher Nahverkehr und die Luftqualität die drei Themen seien, die die Menschen am meisten bewegten. „Die S-Bahn-Verlängerung ist ein erster wichtiger Schritt zur Entlastung des Straßennetzes“, sagte Koch – doch es müssten weitere folgen. Erst mit einem Ringschluss ins Neckartal werde die Verbindung richtig attraktiv. Ein zusätzliches Plus ist für Koch der 15-Minuten-Takt.

„Seit 2008 wird nun über die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen diskutiert“, erinnerte André Reichel als Sprecher der Grünen-Fraktion an den langen Vorlauf. Der Nachhaltigkeitsforscher und Professor aus Ostfildern sieht keine Alternative zur S-Bahn-Verlängerung, um auch die östliche Filder ans Netz anzubinden. „Bis 1983 gab es die Schienen für die Güterzüge auf der Strecke nach Leinfelden-Echterdingen.“ Dass diese abgebaut wurden, weil Verkehrspolitiker vor allem den Autoverkehr im Blick gehabt hätten, sieht er als schweren Fehler. „Jetzt zahlen wir 209 Millionen Euro für eine Schienenstrecke, die es schon gab.“ Daraus müsse man lernen. Es gelte, bestehende Schienenstrecken für die Zukunft zu erhalten.

„Das große Wachstumspotenzial auf den Fildern“ ist für Frank Buß (Freie Wähler) das Argument, weshalb es für seine Fraktion keine Alternative dazu gibt, die Mehrkosten für die S 2-Verlängerung zu tragen. Leicht fällt es dem Plochinger Bürgermeister aber nicht. Buß sieht mit Sorge, dass sich das Planungsverfahren wegen geänderter Gesetze und strengerer Brandschutzauflagen derart in die Länge ziehe. „Da muss die Politik darauf hinwirken, solche Verfahren künftig schneller zu durchlaufen.“ Für Buß und die FW bleibt eine S-Bahn-Tangentiale von Plochingen nach Filderstadt langfristiges Ziel.

Statt sich beim Thema S-Bahn nun die „Gretchen-Frage“ zu stellen, setzt Michael Makurath bei der S 2-Verlängerung „auf den „Greta-Effekt“.Nicht zuletzt wegen des Klimaschutzes sieht auch die SPD keine Alternative zu den Mehrkosten. Juristische Fragen machten das Planen schwer, sagte der Ditzinger OB.

Einen attraktiven Nahverkehr, aber auch ein gut ausgebautes Straßennetz – das ist das Ziel für Stephan Wunsch und seine AfD-Fraktion. Hans Dieter Scheerer (FDP) zeigte sich „geschockt“, dass über derart hohe Mehrkosten so gelassen gesprochen werde. Er fragte provokant, ob man Chefplaner Volker Christiani von der Stuttgarter Straßenbahnen AG wegen der drastischen Verzögerungen nicht einen Controller zur Seite stellen müsse. Seine offene Schuldzuweisung erntete bei Kollegen anderer Fraktionen Missfallen.

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