Handballer unter sich: die Rebmann-Brüder Johannes, Daniel und Florian (von links). Foto: Baumann - Baumann

Florian und Johannes Rebmann spielen beim TSV Wolfschlugen, Daniel bei Frisch Auf.

EchterdingenDaniel Rebmann, 25, hebt die Augenbrauen, er horcht auf. Eine Frage, die eben gestellt wurde, weckt sein Interesse. Sein aufmerksamer und fast ein wenig auffordernder Blick richtet sich auf seine Brüder: Florian (22) und Johannes (19). Die drei Geschwister sitzen am Esstisch im Wohnzimmer ihres Elternhauses, ein unauffälliges Einfamilienhaus am Rande einer schmalen Gasse in Echterdingen. Und nun sollen die beiden Brüder etwas beantworten, was durchaus Konfliktpotenzial birgt.

Nur zum Verständnis: Daniel Rebmann hat erreicht, wovon viele träumen. Der von der Wesensart eher bedachtsame und auf dem Feld emotionale 1,90-Meter-Mann ist Stammtorwart bei Frisch Auf Göppingen in der Handball-Bundesliga. Bis Dezember, als Frisch Auf die Verlängerung seines Kontrakts bis 2021 bekannt gab, hatte es auch Interesse von anderen Bundesligisten bezüglich eines Wechsels gegeben. Über kurz oder lang könnte es, so heißt es, mal zum Sprung in die Nationalmannschaft reichen – auch wenn es zu Bundestrainer Christian Prokop bisher noch keinen Kontakt gab.

Kein Neid untereinander

Wie also die beiden jüngeren Brüder, die selbst talentierte Handballer mit nicht ganz so großen Ambitionen sind, damit umgehen? „Es war nie so, dass Daniel uns all das unter die Nase gerieben hätte“, sagt Florian, der in der Württembergliga beim TSV Wolfschlugen spielt, zuvor aber ebenfalls bei Frisch Auf in der zweiten Mannschaft aktiv war und dort auch einige Partien mit Bruder Daniel bestritt. „Für mich war Handball schon immer ein Ausgleich zu dem, was ich nebenher mache.“ Der Blondschopf ist angehender Jurist, gilt als scharfsinniger Geist. „Ich habe meine Ziele vor allem im Studium“, sagt er. Und Johannes? „Zu Daniels Leben würde ich nicht Nein sagen, wenn man es mir anböte“, sagt er offen heraus. Wie er es auch sonst häufig macht. In Wolfschlugen, wo er mit Florian zusammen spielt, nennen sie ihn „unseren Thomas Müller“, in Anlehnung an den extrovertierten und flexibel einsetzbaren deutschen Ex-Fußball-Nationalspieler.

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr: Johannes hat sich als wortstarker Kapitän und kompakter Materialspieler des TSV Wolfschlugen in der A-Jugend-Bundesliga einen Namen gemacht. Es gibt Angebote, immer mal wieder, auch aus der Baden-Württemberg Oberliga. Noch aber spielt der Sportmanagement-Student lieber zusammen mit seinem Bruder. Dort, wo auch Daniel bis zur A-Jugend auflief. „Dass er all das durchgezogen hat, macht mich unglaublich stolz“, sagt Johannes. Konfliktpotenzial zwischen den Brüdern? Nicht in Sicht.

Ganz im Gegenteil. Abseits der großen Handballarenen schreiben die drei Brüder, deren Eltern auch Handball spielten und die Begeisterung auf ihre Söhne übertragen haben, zusammen eine kleine Erfolgsgeschichte. Und das unter freiem Himmel, auf Sand. Für die SG Schurwald, ein Beach-Handball-Club aus Rechberghausen, spielen die Rebmanns und haben bereits einen Titel ergattert. „Vor zwei Jahren bin ich mit Göppingen aus einem Turnier ausgeschieden und direkt rübergeflogen“, erzählt Daniel, der im Beach-Handball im Nationalteam spielt. Die Folge: 2017 gewannen die Handball-Brüder die deutsche Meisterschaft.

Und auch abseits der Sporthalle können sich die Rebmanns ihrer gegenseitigen Unterstützung seit je sicher sein. Einst lud Frisch Auf Daniel zu einem Probetraining ein. Doch in jenem Moment war es ihm ein wenig zu viel geworden, und er überlegte, vorerst abzusagen. Als Johannes, damals elf Jahre alt, davon erfuhr, rannte er zu seinem Bruder und redete so intensiv auf ihn ein, bis dieser gar keine andere Wahl mehr hatte – und so fuhren sie nach Göppingen. Der Rest ist bekannt. Und in der neuen Saison ist Daniels Glück perfekt: Seine Freundin, die Torhüterin Jasmina Jankovic, kehrt aus Frankreich vom Erstligisten Toulon Saint-Cyr Var Handball zu den Bundesliga-Handballerinnen von Frisch Auf zurück. So hat er künftig nicht mehr nur seine Eltern und die Brüder in seiner Nähe.

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