Der Neubau in der Pliensauvorstadt ist fertig und bezogen. Jetzt bekommt die Schule einen richtigen Namen. Foto:  

Dichter, Pädagogen oder Politiker: Schulen sind häufig nach berühmten Persönlichkeiten benannt, die für bestimmte Werte stehen. Eine Esslinger Realschule soll künftig den Namen Elisabeth Selbert tragen.

Dass Schulnamen nicht nur Schall und Rauch sind, zeigt der Fall eines Münchner Gymnasiums, der vergangenes Jahr bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Die Schule hatte den Namen von Otfried Preußler wegen dessen NS-Vergangenheit abgelegt. In Stuttgart fordert eine Initiative seit Längerem, dass das Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Zuffenhausen umbenannt wird. Porsche sei NSDAP-Mitglied und Profiteur des Nazi-Regimes gewesen. Im Kreis Esslingen hat sich 2019 das Eduard-Spranger-Gymnasium in Filderstadt umtaufen lassen, weil es immer mehr Kritik an dem Namensgeber gab. Der Pädagoge Spranger sei elitär und demokratiefeindlich eingestellt gewesen. Seitdem heißt die Schule nach Elisabeth Selbert.

Schule ist ein wichtiger Ort im Alltag von Kindern. Foto: dpa/Sven Hoppe

Kritik an Otfried Preußler und Porsche wegen NS-Vergangenheit

Die Neue Schule in der Esslinger Pliensauvorstadt könnte bald eine Namensvetterin werden, Querelen sind dieser Namensgebung allerdings nicht vorangegangen. Gut vier Jahre nach der Neugründung der Realschule auf dem Gelände der ehemaligen Adalbert-Stifter-Schule soll sie Elisabeth-Selbert-Realschule Esslingen heißen. Bisher trug sie nur den Arbeitstitel Neue Schule. Zustimmen muss noch der Gemeinderat, am Mittwoch ist das Thema im Ausschuss für Bildung, Erziehung und Betreuung.

Elisabeth Selbert war als SPD-Abgeordnete im Parlamentarischen Rat 1948/1949 eine der vier Mütter des Grundgesetzes. Der Gleichberechtigungsgrundsatz in der deutschen Verfassung ist zum großen Teil ihr Verdienst. „Elisabeth Selbert kann uns Vorbild für Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und demokratische Grundwerte sein“, begründet die Schulleiterin Maren Hamm die Namenswahl.

Wohlwollen für den Namen Elisabeth Selbert in Esslingen

Nach dem Schulgesetz muss der Schulträger – in diesem Fall die Kommune – jeder öffentlichen Schule einen Namen geben, der Schulart und -ort angibt und der sich von den anderen Schulen abhebt. In der Stadtverwaltung und auch beim Staatlichen Schulamt stößt der Name Elisabeth Selbert bereits auf Wohlwollen. Er könnte deshalb schon bald den Neubau zieren, in den die Schule nach baulichen Verzögerungen Anfang Februar eingezogen ist und der Ende Mai offiziell eingeweiht wird.

Unterdessen behält die Schule Innenstadt vorerst ihren Namen. Der war anfangs auch nur als provisorischer Titel für die 2017 neu fusionierte Esslinger Gemeinschaftsschule gedacht. Doch die Namenssuche ist seitdem immer wieder in den Hintergrund getreten. Es habe zwar in den letzten Jahren einen Ideenfindungsprozess gegeben, in den Eltern, Schülerschaft und Lehrkräfte eingebunden waren, so Schulleiter Jörg Hofrichter. Zu einer Entscheidung sei es aber nicht gekommen, und derzeit habe man keinen Kopf für einen weiteren Anlauf. Die Generalsanierung der Schulgebäude binde viel Kraft, unter anderem muss deswegen der Unterricht an vier Ausweich-Standorten organisiert werden. „Das ist eine sehr intensive und zum Teil auch belastende Zeit“, sagt Hofrichter. An der Schule sei es deshalb Konsens, dass eine Namensänderung erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder diskutiert werden sollte – wenn überhaupt.

Die zehn beliebtesten Schulnamen in Deutschland

Schulen sind häufig nach berühmten Persönlichkeiten benannt, die für bestimmte Werte stehen. Bundesweit gibt es bei den Schulnamen einen „Montessori- und Pestalozzi-Hype“, wie eine Studie der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Kinderkanals Kika jüngst herausgefunden hat. Denn die Pädagogen Maria Montessori und Johann Heinrich Pestalozzi führen die Liste der zehn beliebtesten Schulnamen an. Es folgen Geschwister Scholl, Astrid Lindgren, Albert Schweitzer, Maria (Mutter Jesu), Erich Kästner, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Martin von Tours (Sankt Martin).