Deutschland will die berühmten Benin-Bronzen an Nigeria zurückgeben. Auch das Linden-Museum Stuttgart wäre von dieser Entscheidung betroffen.
Stuttgart - Die Rechtslage ist eindeutig: Wer mit Waren handelt, obwohl er weiß, dass sie gestohlen wurden, der macht sich strafbar. Als das Linden-Museum Stuttgart vor 120 Jahren Bronzen aus Benin ankaufte, wussten alle Akteure sehr genau, woher sie stammten: Englische Truppen hatten sie während einer blutigen Expedition aus dem Palast des Königreichs Benin gestohlen. Die europäischen Museen freute es, sie kauften die attraktive Hehlerware in großem Stil an. Bis heute sind die Benin-Bronzen in fast allen ethnologischen Museen zu finden. Auch das Linden-Museum Stuttgart besitzt 67 Stück, einige kann man in der aktuellen Ausstellung „Wo ist Afrika?“ besichtigen.
Auch Stuttgart kaufte die Hehlerware
Für Inés de Castro, die Direktorin, besteht kein Zweifel, dass es sich dabei um Hehlerware handelt. „In der damaligen Zeit wusste man natürlich um die Herkunft“, sagt sie und ist froh, dass nun Bewegung in die Diskussion kommt, wie man mit diesen wertvollen Stücken umgehen soll. Seit gut zehn Jahren treffen sich die europäischen Museen, die Benin-Bronzen in ihren Vitrinen stehen haben, mit Vertretern aus Nigeria. Diese Benin Dialogue Group tauscht sich regelmäßig aus über die Pläne für ein Königliches Museum in der Stadt Benin. Darin sollen einige jener Bronzen ausgestellt werden, die sich derzeit noch in europäischen Museen befinden. Was genau restituiert werden könnte, müsse noch ausgehandelt werden, sagt de Castro, die es richtig findet, Bronzen zurückzugeben. „Ich finde schon, dass es sehr berechtigt ist, ich würde das unterstützen.“
Die Kritik am Humboldt-Forum bringt die Debatte voran
Bewegung in die Debatte brachte das Humboldt-Forum in Berlin. Dass in dem neuen Museum ein Teil der 530 Benin-Objekte gezeigt werden soll, die Berlin besitzt, löste Kritik aus. Nachdem Andreas Görgen, der Leiter der Abteilung für Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, kürzlich nach Nigeria gereist, hat sich das Auswärtige Amt nun offiziell positioniert und für Restitution ausgesprochen.
Auch die baden-württembergische Kulturministerin Theresia Bauer hat nun noch einmal deutlich gemacht, dass sich das Land seiner „historischen Verantwortung“ stelle. Während Baden-Württemberg vor zwei Jahren vorausging und die Bibel und die Peitsche des Nationalhelden Hendrik Witbooi aus dem Linden-Museum an Namibia zurückgegeben hatte, plädiert Bauer in Sachen Benin nun für eine nationale Lösung. Ihr sei wichtig, „dass es ein gemeinsames, abgestimmtes Vorgehen von Bund und Ländern gibt“, so Bauer. „Wir können von Deutschland aus ein starkes Signal setzen.“
Die Benin-Bronzen stammen zum Teil aus dem 16. Jahrhundert
Bei den Benin-Bronzen handelt es sich um mehrere Tausend Metalltafeln und Skulpturen. „Das sind sehr wertvolle Objekte – in vielerlei Hinsicht“, sagt Inés de Castro. Zum einen hätten die Bronzen für die Herkunftsgesellschaften Nigerias ideelle Bedeutung. Sie seien aber auch wegen ihres Alters wertvoll. Ein Teil der Bronzen stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert. Ursprünglich sei geplant gewesen, dem Benin-Museum einige Bronzen als Dauerleihgaben zur Verfügung zu stellen, sagt de Castro, inzwischen gehe es aber auch um Fragen, wie eine Restitution ausschauen könnte.
Da die Sammlung des Linden-Museums der öffentlichen Hand gehört, muss die Politik über eine Rückgabe entscheiden. Das Linden-Museum selbst ist schon länger im Austausch mit den Ursprungsgesellschaften. So wurden in der Ausstellung „Wo ist Afrika?“ die Texte zu den Benin-Bronzen von Mitgliedern des Königshauses verfasst.