Farbecht, virtuos, aber auch mal kantig und grantig: Bach mit Hans-Christoph Rademann und der Gaechinger Cantorey. Foto: Holger Schneider

Hans-Christoph Rademann und die Gaechinger Cantorey haben ihren Konzertzyklus mit Bachs erstem Leipziger Kantatenjahrgang auf CD mitgeschnitten. Die ersten beiden Folgen liegen vor. Musikalisch zeigen die hervorragenden Interpretationen Kante und Kontur.

Das Wort macht hier die Musik. Im Kleinen, wenn zum Beispiel der „Freudenwein“ in munteren Sechzehnteln und Synkopen perlt. Im Großen, wenn eine ganze Arie lang göttliches Erbarmen die Armen mit heulender Chromatik umarmt, als zöge es sie aus tiefstem Prekariatsjammerstand. Und im ganz Großen, das größer ist als Bachs Kompositionen und ihr vertonter Text: den Worten des Herrn, dargelegt in den Bibellesungen, ausgelegt auf der Kanzel und – möglicherweise in enger Abstimmung – reflektiert von der musikalischen Predigt des Thomaskantors. Reichlich bedacht wird obendrein das Kirchenliedgut seit der Reformation – besonders tricky in den instrumental zitierten Choralmelodien, etwa der Trompete in der Kantate „Barmherziges Herze der ewigen Liebe“: ein semantisches Signal und Ratespiel, welche der Textstrophen gemeint sein könnte. Kurzum: Wer wissen will, was Intertextualität ist, muss sich mit den Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs befassen.

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