Seit Dezember 2021 sind die Blitzer scharf. Foto: 7aktuell.de/Kevin Lermer

Autofahrer sehen bei Schwarzlichtblitzern nicht, ob sie in eine Radarfalle getappt sind. Mancher Verkehrsteilnehmer merkt erst, dass er erwischt wurde, wenn er Post bekommt. Wenn es schlecht läuft, gleich mehrfach. Um diese Stelle handelt es sich.

Anfang des vergangenen Jahres ist ein Autofahrer dreimal in kurzer Zeit in die gleiche, stationäre Radarfalle getappt, dreimal hat er einen entsprechenden Bußgeldbescheid bekommen. Deutschlands dümmster Verkehrsteilnehmer? Mitnichten.

Als er den ersten Brief von der Stadt erhielt, war es bereits zu spät. „Zum Glück war ich nicht allzu schnell unterwegs und habe kein Fahrverbot bekommen. Ich wusste gar nicht, dass dort gemessen wird und habe nicht wahrgenommen, dass ich geblitzt worden bin,“ sagte der 34-Jährige. Die Anlage, um die es sich handelt, ist im Schwanenplatztunnel in der Cannstatter Straße installiert.

Merken konnte er auch nichts. Die Radaranlage, die im Dezember 2021 auf der Bundesstraße 14 in Stuttgart-Ost in beide Richtungen scharf geschalten wurde, setzt auf Schwarzlicht, das vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen wird. Ziel ist es, dass Verkehrsteilnehmer in relativ dunklen Tunneln nicht geblendet werden. Aufgrund des reduzierten Lichtspektrums, das Qualitätsverluste zur Folge hat, werden die Anlagen laut Stadt nicht außerhalb von Tunneln eingesetzt. Merkt man es also, wenn man geblitzt wird? Im Schwanenplatztunnel in Stuttgart nicht unbedingt.

127 000 Verstöße im Schwanenplatztunnel

Die Schwarzlichtblitzer, deren Entwicklung von der Idee bis zur Umsetzung ein Jahrzehnt gedauert hat, zählen mit ihrer modernen Technik zu den erfolgreichsten Radarfallen in Deutschland – und sind auch in Stuttgart die Spitzenreiter. In beide Richtungen wurden im vergangenen Jahr rund 127 000 Geschwindigkeitsverstöße registriert – stadtauswärts wurden 74 906 Verkehrsteilnehmer erwischt, stadteinwärts immerhin noch 52 107. Zum Vergleich: Platz drei belegt die Blitzsäule in der Friedrichstraße in Richtung Hauptbahnhof mit 33 838 verwertbaren Fotos.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Stuttgart fast 150 Millionen Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt. Rund 491 000 Verkehrsteilnehmer, knapp 85 000 mehr als im Vorjahr, sind 2022 an den Radarfallen zu schnell unterwegs gewesen, 1348 davon mussten ihren Führerschein abgeben. Die Zunahme ist laut Stadt in erster Linie auf die neue Anlage im Schwanenplatztunnel zurückzuführen. Auffällig ist, dass dort – möglicherweise aufgrund der dreispurigen Röhren – innerstädtisch die höchsten Verstöße in Stuttgart gemessen worden sind. 13 Verkehrsteilnehmer wurden mit mehr als 120 Stundenkilometern geblitzt, erlaubt sind 50. Mit welchem Tempo der schnellste Raser unterwegs war, gibt die Stadt nicht bekannt.

Knapp eine halbe Million Euro haben die beiden Schwarzlichtblitzer gekostet. Eine Anschaffung, die sich bereits nach etwa 40 Betriebstagen amortisiert hatte. Die Rechnung ist simpel: Das durchschnittlich verhängte Bußgeld lag im Jahr 2022 bei 35 Euro, somit betrugen die Einnahmen pro Tag 12 350 Euro. Rechnet man das auf das ganze Jahr hoch, liegen sie bei knapp 4,5 Millionen Euro. „Hier sind allerdings Personal- und laufende Sachkosten nicht mit einbezogen, die sich nicht so leicht auf einzelne Messstationen herunterrechnen lassen“, sagt Stadtsprecher Harald Knitter.

Nutzen der Kontrollen wird nicht an Einnahmen gemessen

Der 34 Jahre alte Autofahrer wird wohl nicht mehr zur Kasse gebeten werden, weil er im Schwanenplatztunnel zu schnell unterwegs ist. Die Post von der Stadt habe einen Lerneffekt gehabt, sagt er. Und damit ist er nicht allein. „Nach einer über einjährigen Betriebsdauer lassen sich dort leicht sinkende Tendenzen erkennen“, so Knitter, der gute Nachrichten für Autofahrer hat: In absehbarer Zukunft ist es auszuschließen, dass sie in einem anderen Tunnel von einem Schwarzlichtblitzer überrascht werden. Aktuell gibt es laut der städtischen Verkehrsbehörde keine Überlegungen, weitere Anlagen anzuschaffen. Und das, obwohl es ein lukratives Geschäftsmodell wäre. „Den Nutzen der Kontrollen messen wir nicht an den Einnahmen“, sagt Susanne Scherz, Leiterin der Abteilung Straßenverkehr im Amt für öffentliche Ordnung. „Entscheidend ist für uns der positive Effekt, dass die Autofahrerinnen und -fahrer umsichtiger unterwegs sind. Das macht den Verkehrsfluss gleichmäßiger und entspannter, senkt die Unfallgefahr und die Emissionen und fördert ein besseres Miteinander im Verkehr.“