Im Waiblinger Theater unterm Regenbogen ist Veit Utz Bross Marionettenbauer, Texter, Puppenspieler, Kassier, Beleuchter, Kulissenschieber und Barmann in einem. Bald feiert sein neues Stück Premiere.
Max Mäxchen kommt nicht zur Ruhe. Kaum hat sich der grüne Drache hingelegt, um ein Nickerchen zu machen, steht Besuch vor der Tür und stört den Schlaf. Pech für Max Mäxchen, aber Glück für das Publikum des Theaters unterm Regenbogen am Waiblinger Marktplatz. Denn angesichts der Gäste, die da hereinschneien, kommt im neuen Stück „Max Mäxchen bekommt Besuch“ keine Langeweile auf.
Der Autor des Stücks, der Puppenspieler Veit Utz Bross, lässt vor Max Mäxchens Drachenhöhle nacheinander die unterschiedlichsten Typen aufkreuzen – vom indianischen Medizinmann Hehaka Sapa, zu Deutsch „Schwarzer Elch“, über die von Heimweh geplagte, glamouröse Lady Cinderella aus Las Vegas und den Ritter Wolfram bis hin zu Drachen-Vetter Oskar Oskarsson aus dem hohen Norden. Letzterer sieht Vetter Max zum Verwechseln ähnlich – und ist wie er ein Produkt der geschickten Hände von Veit Utz Bross. Er hat die zwei Drachen mit Sägen und Feilen aus Hartschaum geformt und vor dem Bemalen mit Holzleim und rund zehn Lagen Klopapier beklebt.
Clown Ede stammt vom Vater Fritz Herbert Bross
Die Figur des Clowns Ede stammt sogar noch aus der Werkstatt von Bross’ Vater Fritz Herbert, der Puppenbauer und Diplom-Ingenieur war und seinen Sohn, mittlerweile selbst 75 Jahre alt, schon als Bub in die Welt des Puppentheaters eingeführt hat.
Seine erste bezahlte Vorstellung hat Veit Utz Bross, der in Bad Cannstatt aufgewachsen ist, mit gerade einmal 16 Jahren gegeben. Seine Lehrmeister waren der Vater und Gerhards Marionetten in Schwäbisch Hall, das älteste Marionettentheater Baden-Württembergs. Zudem hat Veit Utz Bross Malerei bei Erich Fuchs in Stuttgart studiert und als Lehrbeauftragter und Bühnenleiter in diversen Figurentheatern gearbeitet. In den 1980er-Jahren war er im Puppentheater Getta-Bross in Schorndorf tätig und dann ab 1986 mit Soloprogrammen auf Reisen.
Alle Utensilien und Figuren stecken in einem Koffer
Schon damals erdachte er den ersten Teil der „Geschichten aus dem Koffer“. Sämtliche Figuren des Stücks und alle nötigen Utensilien stecken in einem großen Überseekoffer – fertig ist die Wanderbühne. Ein eigenes Theater an einem festen Standort zu haben, war für Veit Utz Bross lange Zeit kein Thema. Doch dann, so erzählt er, sei ihm eines „zugeflogen“. Und zwar in Form eines schönen, mittelalterlichen Gewölbekellers am Waiblinger Marktplatz, der sich dafür bestens eignet. Dort richtete Veit Utz Bross schließlich eine feste Spielstätte ein. Praktischerweise gehörte das Fachwerkhaus am Marktplatz der Familie seiner Frau Sibylle. Den Gewölbekeller musste der Puppenspieler allerdings erst freiräumen, denn er diente lange Zeit als Garn- und Aktenlager.
Veit Utz Bross ist ein Mann mit vielen Jobs
Am 19. Februar 1998 hat Veit Utz Bross seine erste Vorstellung im eigenen Theater gegeben. Dort ist er seither buchstäblich der Mann für alles: Marionettenbauer, Puppenspieler, Texter, Kassier, Beleuchter, Kulissenschieber und Barmann in den Pausen. Inzwischen beschränkt sich der 75-Jährige allerdings auf Kindervorstellungen und bietet keine Aufführungen am Abend mehr an. Er muss mit seinen Kräften haushalten und ist gesundheitlich angeschlagen. Ganz sein lassen kann und will er das Puppenspiel, das er seit gut sechs Jahrzehnten praktiziert, aber nicht. „Ich bin glücklich, dass das noch klappt und der Erlös aus den Kindervorstellungen dafür reicht, die Kosten des Theaters zu decken.“ Das aktuelle Stück „Max Mäxchen bekommt Besuch“ stellt Veit Utz Bross erstmals am Nachmittag des 26. Oktober vor.
Mehr zum Theater unter: www.veit-utz-bross.com
Puppenzauber seit 26 Jahren
Theater
Das Theater unterm Regenbogen in der Langen Straße 32 am Waiblinger Marktplatz feiert in diesem Jahr sein 26-jähriges Bestehen. Inzwischen gibt es in dem in einem mittelalterlichen Gewölbekeller residierenden Theater keine Abendvorstellungen mehr, sondern ausschließlich Kindertheateraufführungen.
Premiere
Das neue Stück „Besuch bei Max Mäxchen“ ist Teil 3 der „Geschichten aus dem Koffer“ und feiert am 26. Oktober Premiere. Die Vorstellung beginnt um 16 Uhr. Das gilt auch für die Aufführungen dieses Stücks am 27. und 30. Oktober sowie am 2. und 3. November. Am 9. und 10. November spielt Veit Utz Bross Teil 2 „Was Max Mäxchen in Amerika erlebt“, am 16. und 17. November ist Teil 1 zu sehen. Die Stücke eignen sich für Kinder ab vier Jahren. Die Karten kosten für Kinder neun Euro, für Erwachsene elf Euro. Es gibt eine Familienkarte für zwei Kinder und zwei Erwachsene zum Preis von 35 Euro. Karten unter 0 71 51/ 90 55 39.