Mit der ersten von vier großen Kostüm-Prunksitzungen beginnt für den Narrenbund Neuhausen der lange Fasnetsendspurt. Im „Jahr der vielen Jubiläen“ gibt es jede Menge Gaudi, aber immer wieder auch ernste Töne.
Wenn nach mehr als vier Stunden Programm drinnen eifrig weitergefeiert und draußen viel geredet, gelacht und gelobt wird, müssen die Veranstalter vieles richtig gemacht haben. Genau das war bei der ersten Kostüm-Prunksitzung des Narrenbunds Neuhausen (NBN) der Fall, weshalb sich die Jecken von den Fildern eine ihrer Jahresmedaillen schon mal selbst umhängen dürfen.
Das Gesamtpaket stimmte: Da capo, die neue Hausband des seit 60 Jahren bestehenden NBN sorgte für die richtigen Töne. Es wurde der passende Mix aus sportlich-akrobatisch-tänzerischen Einlagen sowie spitz-satirisch-pointierten Sketchen und Reden geboten. Zudem fanden Olivia Schönecker, Markus Novak und Timo Samel als Moderatoren-Trio stets die passenden Übergänge.
Bundestagswahl war ein Thema
Deutlich machten sie, ebenso wie NBN-Präsident Ronald Witt, aber auch, dass die Fasnet neben Spaß und Halligalli durchaus ihren gesellschaftspolitischen Anspruch hat. „Neuhausen ist so bunt wie wir gekleidet sind und so soll’s auch bleiben“, sagte Schönecker. Novak appellierte mit Blick auf die Bundestagswahl ans Publikum: „Geht in zwei Wochen wählen und wählt so, dass wir in vier Jahren wieder wählen dürfen.“
Witt betonte in seiner Begrüßung: „Freiheit ist das höchste Gut, das wir haben, also geht bitte wählen, wählt aber keinen Faschismus!“ Der anhaltende Beifall bewies, dass er mit seiner Botschaft, den meisten der Anwesenden wohl aus dem Herzen gesprochen hatte. Später erklärte er dann noch: „Wir geben hier keine Wahlempfehlung ab, haben aber die Pflicht, klare Kante zu zeigen.“
Dass der NBN kein Nachwuchsproblem hat, wurde noch vor dem Einmarsch des Elferrats, des Präsidiums und der Prinzenpaare offensichtlich, zeigte doch die Minigarde, wie sich schon Drei- bis Fünfjährige aufs Showtanzen verstehen. Zu welchen Erfolgen diese „Früherziehung“ führen kann, demonstrierten Emilu Hägele, Ida Gamper und Lucrecia Glock, die jüngst bei den württembergischen Meisterschaften erfolgreich waren, als Terzett. Auch der 17-Jährige Marco Zimmermann, der als DHL-Bote auftrat, zählt noch zur jungen Riege.
Weit mehr als nur Wink- und Gruß-Figuren sind die Prinzenpaare beim NBN. Dies unterstrichen Mariella I. und Felix I. als Kinderprinzenpaar sowie das „große“ Prinzenpaar Christiane I. und Martin I. in ihren Reden. Das närrische Quartett hat sein Tun obendrein einem guten Zweck verschrieben. Wo auch immer sie auftreten, geht ein Glashäuschen rum, mit dem Spenden für das Stuttgarter Kinderhospiz gesammelt werden.
Spendenaktion für das Stuttgarter Kinderhospiz
Dass diese Aktion gut ankommt, zeigte sich in der Egelseehalle: Zum einen füllte sich die kleine Kasse rasant, so dass im großen Topf inzwischen mehr als 5000 Euro liegen. Zum anderen gab es Standing Ovations für die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter des Kinderhospiz’. Diese Würdigung empfand nicht nur Christina Semrau, die als Botschafterin und Fundraiserin der Einrichtung fungiert, als den Gänsehaut-Moment des Abends.
„Die Prinzenpaare sammeln die ganze Saison über für uns, das ist großartig. Und dass hier alle für uns aufgestanden sind, einfach Wahnsinn“, freute sie sich. Prinzessin Christiane I. ergänzte: „Wir wollen eine fünfstellige Summe zusammenbringen. 11 111 Euro wären genial.“ Prinz Martin I. sprach von einer „Herzensangelegenheit, für die wir mit Hilfe der Fasnetsgemeinde und unserer Sponsoren Gutes tun wollen“.
Viel Gutes sahen die Gäste denn auch im weiteren Verlauf. Bunt trieben es die 40-köpfige Kindergarde bei ihrem Tanz „Ich glaube hier piept’s“, Wolfgang Luth und Klaus Friton, der sein 50-Jahr-Bühnenjubiläum beging, als „Dreck-Queens“ aus Sielmingen sowie Lena Broll und Verena Ruckh in ihrem „Friseursalon“. Zudem untermauerten die Junioren- und die Prinzengarde, warum es beim NBN Titel und Pokale gleich im Dutzend hagelt.
15 Gruppen machen gemeinsame Sache
Begeisterung löste der Jubiläumsauftritt der Wappenlöwen aus. Vor 44 Jahren gegründet und damals nicht von allen gelitten, besteht die Maskengruppe bis heute nur aus Frauen und Mädchen. Dass unter den 15 Neuhausener Brauchtumsgruppen inzwischen aber längst Einigkeit besteht, wurde beim umjubelten Tanz der seit 40 Jahren bestehenden, gemeinsamen Tanzgruppe deutlich.
Die traditionsreiche Bütt von 1979 nutzen schließlich noch VfB-Fan Bernd Schäfer und Hypochonder Timo Samel, ehe die Omägenis und die Fleggabätscher mit ihren Schalmeien und Percussioninstrumenten eine schrille, musikalische Weltreise antraten. Und da das gesamte Publikum eh schon am Singen war, erklang zum offiziellen Abschluss das obligatorische „So ist Neuhausen“.
Fasnet pur bis Anfang März
Prunksitzungen
Nach den ersten beiden Kostüm-Prunksitzungen und der Kinder-Prunksitzung an diesem Sonntag bittet der Narrenbund Neuhausen am nächsten Freitag und Samstag zu zwei weiteren Kostüm-Prunksitzungen in die Egelseefesthalle. Beide Veranstaltungen sind bereits ausverkauft.
Fasnetshow
Ebenfalls ausverkauft sind die drei Abende der MGV-Filder-Fasnetshow, die in diesem Jahr den Titel „Die bunte Welt des Jahrmarkts“ trägt. Der Männergesangverein hat für den 22. Februar, den 28. Februar und den 1. März ebenfalls ein kurzweiliges Programm auf die Beine gestellt.
Endspurt
Das Finale der Neuhausener Fasnet wird am 27. Februar traditionell mit dem Hexentanz auf dem Schlossplatz eingeläutet. Am 2. März folgen die Narrenmesse im Filderdom sowie am Nachmittag der große Fasnetsumzug durch den Ort. Beschlossen wird die Kampagne 2025 am 4. März mit dem Kinderumzug sowie der Narrenparty, bei der die Fasnet stilgemäß beerdigt wird.