Am 13. Februar beginnt am Oberlandesgericht Stuttgart der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Rouven Laur. Aus der Heimatstadt des getöteten Polizisten kommt Kritik an der Politik. Für Polizeikollegen wird es „eine zusätzliche Belastung“.
Das Bild eines Konzertbesuchs von vor zwei Jahren erinnert Julian Kühne und seine Frau zuhause immer wieder an den schmerzhaften Verlust ihres Freundes: Rouven Laur ist darauf zu sehen, der Polizist, der im vergangenen Jahr einen Einsatz in Mannheim mit seinem Leben bezahlte. „Man schaut sich das Bild an und merkt, wie surreal es ist, dass derjenige nicht mehr da ist“, sagt Julian Kühne. In diesen Momenten kommen auch die Erinnerungen an die „Unsinnigkeit dieses Verbrechens“ hoch.
Mehr als acht Monate nach dem tödlichen Angriff beginnt der Prozess
Ein mutmaßlicher Islamist hatte Rouven Laur am 31. Mai auf dem Mannheimer Marktplatz mit einem Messer so schwer verletzt, dass der 29-Jährige später im Krankenhaus starb. Die Tat hat bundesweit Entsetzen ausgelöst, das Schicksal des jungen Polizisten viele Menschen bewegt. Laur hatte mit seinen Polizeikollegen eine Veranstaltung der islamkritischen Bewegung Pax Europa gesichert.
Mehr als acht Monate nach dem tödlichen Angriff beginnt der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder: Am 13. Februar muss sich Sulaiman A. vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Dem 26-jährigen Afghanen aus dem südhessischen Heppenheim wird der Mord an Rouven Laur sowie fünffach versuchter Mord an weiteren Personen vorgeworfen.
Familie Laur tritt als Nebenkläger dem mutmaßlichen Mörder gegenüber
Neben Freunden des getöteten Polizisten werden auch Kollegen von Rouven Laur den Prozess verfolgen. Thomas Mohr, der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mannheim, macht im Vorfeld klar: „Der Angeklagte interessiert uns überhaupt nicht“, sagt er: „Ob er lebenslang bekommt, in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen oder abgeschoben wird – das alles bringt uns Rouven nicht mehr zurück.“ Kein Tag vergehe, an dem nicht an den Polizisten gedacht wird – in Beiträgen in den sozialen Medien zum Beispiel, von anderen Polizisten oder von Bürgern, erzählt Mohr: „Rouven wird kein Tag vergessen.“
Der Prozess gegen Sulaiman A. wird die Erinnerungen an die entsetzliche Tat erneut hervorholen, nicht nur bei Familie Laur, die als Nebenkläger dem mutmaßlichen Mörder ihres Sohnes/ihres Bruders gegenüber tritt, auch für die Polizisten, die wie Rouven Laur an jenem Tag für den Einsatz auf dem Mannheimer Marktplatz eingeteilt waren. „Viele der Kollegen, die dabei waren, sind als Zeugen geladen. Das ist eine zusätzliche Belastung für sie, wenn sie nochmal das Geschehene erzählen müssen“, sagt Mohr.
Kritik an der Politik aus der Heimatstadt des getöteten Polizisten
Deshalb werde er selbst nicht vor Ort sein: „Ich will mir das nicht ansehen. Es wird wohl sehr emotional werden.“ Der Mannheimer GdP-Vorsitzende hatte sich mit Rouven Laur vor der Tat noch auf einen Kaffee verabredet, erzählt er, aber „dazu kam es leider nicht mehr“.
Nach dem Attentat war es insbesondere auch der Mutter von Rouven Laur ein Anliegen, dass der gewaltsame Tod ihres Sohnes in Deutschland etwas verändert. Rettungskräfte sollten etwa besser geschützt werden und die Polizei generell in der Gesellschaft mehr Wertschätzung erfahren. Doch es habe sich zu wenig getan, bedauert Thomas Seidelmann, der seit dem Attentat in engem Kontakt mit der Familie steht und Bürgermeister von Neckarbischofsheim ist, der Heimatstadt des getöteten Polizisten.
Polizisten fühlten sich wie die „Fußabtreter der Nation“
Seit seinen Reden auf Trauerfeiern für Rouven Laur ist der parteilose Rathauschef bekannt bei Polizisten und deren Familien. Sogar am Flughafen wurde er bei der Passkontrolle schon angesprochen, berichtet er: „Sie sind doch der von Rouven“, heißt es dann. Jede Woche bekomme er ein, zwei Zuschriften – entweder von Polizisten selbst oder deren Angehörigen: „Eine Frau hat mir geschrieben, sie wünsche sich, dass ihr Mann seinen Job aufgibt, weil sie Angst hat, dass er eines Tages nicht mehr nach Hause kommt“, berichtet Seidelmann: „Das ist doch Gift fürs Land.“ Polizisten fühlten sich wie die „Fußabtreter der Nation“.
Seidelmann tritt deshalb immer wieder als Sprachrohr für jene auf und leitet die Beschwerden an Landes-und Bundespolitiker weiter: „Nehmt das ernst“, ist die Botschaft des Bürgermeisters an die höheren politischen Ebenen. Rouven Laur sei ein Verfechter des Grundgesetzes gewesen. Auch deshalb fordert Seidelmann ein härteres Vorgehen des Rechtsstaats gegen all jene, die das System ablehnen – wie etwa bei ausreisepflichtigen Straftätern oder Kalifat-Demonstranten. Er habe das Gefühl, dass es dafür oft am politischen Willen fehle, obwohl die rechtliche Grundlage meist gegeben sei.
„Ich bin sehr wütend auf die Person, die das getan hat“
Auch der Mannheimer GdP-Vorsitzende Mohr kritisiert: „Es ist kein gutes Zeichen der Landesregierung, wenn nach solchen Taten Verbesserungen für die Polizei gefordert werden, aber dann unsere Forderung nach Tasern für zum Beispiel den Streifendienst abgelehnt wird.“
Bürgermeister Seidelmann wird genau verfolgen, was der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Rouven Laur bringt. Wut sei eigentlich immer ein schlechter Ratgeber, gibt er zu, aber: „Ich bin sehr wütend auf die Person, die das getan hat.“