Stimmungsvoll: der Auftritt der Band Provinz im Wizemann. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Band Provinz aus Ravensburg hat sich emporgedient – und jetzt vor vollem Haus im Stuttgarter Wizemann gespielt.

Stuttgart - „Wir sind Provinz. Wir kommen aus Ravensburg. Kennt das jemand?“ Vincent Waizenegger sagt es, am Montagabend im Wizemann. Wenn man aus Ravensburg kommt, genauer: aus Vogt, einer Gemeinde, in der weniger als 5000 Menschen zu Hause sind – ist es dann mutig, clever, oder einfach nur naheliegend, seine Band so zu nennen: Provinz? Seit vier Jahren besteht diese Band, und die meisten ihrer Mitglieder sind miteinander verwandt: Vincent Waizenegger, Gesang und Gitarre, Robin Schmid, Keyboards, Moritz Bösing, Bass, sind Cousins. Kein Familienmitglied ist Leon Sennewald, der Schlagzeuger. Gegründet haben sich Provinz, als Waizenegger und Sennewald ihr Abitur gerade erst in der Tasche hatten; ein Förderwettbewerb der Mannheimer Popakademie beförderte sie geradewegs zum Majorlabel Warner.

Vor einem Jahr, bei niedrigeren Coronazahlen und höheren Sicherheitsauflagen, spielten Provinz schon einmal im Wizemann. „Wer war da?“, ruft Vincent Waizenegger, und einige Hände heben sich. „Das ist sehr viel schöner so, ohne Abstand!“, sagt Waizenegger. Rund 900 Fans füllen den Saal, maximal 1200 dürften es sein. Viele, daran gibt es keinen Zweifel, haben weite Wege auf sich genommen. Man steht eng beisammen, aber die Maske bleibt im Gesicht.

Distanz und Nähe

Provinz verstehen es durchaus, sich von ihren deutschsprachigen Altersgenossen abzusetzen, besitzen einen klar definierten Sound, der auch auf ihrem ersten Album nicht überproduziert wirkt, geben sich wilder, schmutziger, direkter als viele andere. Fast scheint es, als wollten die Vier aus dem südlichsten Zipfel des Regierungsbezirks Tübingen sich in eine Reihe stellen mit Bands wie Wanda aus Wien oder Isolation Berlin: Jugend, die Grenzen erleben will, den Aufstand probt, ein bisschen Existenzialismus. „Jim Morrison sagte, je zerstörter der Körper, desto freier sind wir“, singt Vincent Waizenegger auf dem Debüt von Provinz. „Und zieh’n durch die Straßen, pöbeln aus deinem Wagen, Wodka Bull wie immer.“

Freilich mündet diese Raubeinigkeit immer wieder in gängige Klischees, bleibt auch ein Song wie die „Hymne gegen euch“, mit dem Provinz politisch werden möchten, wütend, aber unverbindlich. Vincent Waizenegger allerdings macht die Show, mit rauer Stimme, stark emotionalem Einsatz. Hart angeschlagene Pianofiguren, eine akustische Rhythmusgitarre, gezupfte Intros, das prägnante Zusammenspiel von wuchtigem Bass und Schlagzeug tragen ihn.

Das Publikum folgt hingerissen

Mit „Denkmal“ feiern Provinz eine Coverversion von Wir sind Helden; sie spielen mehrere eigene Songs, die sie bislang noch nicht veröffentlicht haben. „Du bist nicht dumm, wenn du glücklich bist“, singt Waizenegger und begleitet sich auf der Ukulele. „Verrate deine Freunde“ heißt ein anderes Stück, „Alles gut, hab’ keine Angst“ ein drittes, geschrieben für jene, die Hilfe nötig haben in der schweren Zeit. Das Publikum darf mitsingen, folgt hingerissen: „Leg dich auf die Straße, soll’n sie uns doch überfahren“, so geht die Zeile. „Ihr müsst schon ein bisschen lauter singen, wegen der Maske!“, ruft Waizenegger. Auch dies ein guter Rat.