Protest gab es bei Rewe. Foto: Wicke-Naber

Ist es Diebstahl, im Müll eines Supermarktes zu wühlen? Viele junge Menschen können die geltende Rechtslage nicht nachvollziehen, wie sich bei einer Demo in Tübingen gezeigt hat.

Tübingen - Mehr als 200 Menschen haben am Samstagmittag in Tübingen unter dem Motto „Containern ist kein Verbrechen“ gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln demonstriert. Die überwiegend jungen Leute zogen mit Transparenten und Sprechchören vor den Rewe-Supermarkt im Schleifmühleweg. Anlass zur Kundgebung war die Festnahme zweier Aktivisten aus der Containerer-Szene. Diese waren Anfang Mai vom stellvertretenden Filialleiter und einem Sicherheitsmann festgehalten worden, bis die alarmierte Polizei kam. Till und Saray – ihre Nachnamen wollen sie nicht in der Zeitung lesen – wurden wegen Hausfriedensbruch und gemeinschaftlichem versuchten Diebstahls angezeigt, weil sie weggeworfene Lebensmittel aus den Müllcontainern gesammelt hatten.

Rezzo Schlauch will vors Bundesverfassungsgericht

Bei der Kundgebung trat auch Rezzo Schlauch als Redner auf. Der frühere Grünen-Politiker hat als Rechtsanwalt das Mandat der beiden Aktivisten übernommen. Er möchte den Fall vor das Bundesverfassungsgericht bringen. „Wir müssen die herrschende Meinung ändern, dass das Mitnehmen aus Mülltonnen eine Straftat ist“, sagte Schlauch.

Rewe erklärte in einer Stellungnahme, dass es täglich die Tafeln beliefere. Lebensmittel, die im Abfall landeten, seien verdorben oder ungenießbar.

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