Am bunten Filder-Tisch Foto: Katja Eisenhardt - Katja Eisenhardt

Der Kreisdiakonieverband Esslingen lässt junge Leute mit Geldproblemen nicht im Regen stehen – sie können das kostenlose Schuldenpräventionsprojekts „Benefit“ nutzen.

OstfildernMan schläft sehr schlecht, wenn man hohe Schulden hat. Das ist ein großer psychischer Druck. Die Beratung hat mir geholfen, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen.“ Das sagt ein Mann Anfang 20. Eine junge Frau im selben Alter ist ebenfalls froh über das kostenlose Angebot des Schuldenpräventionsprojekts „Benefit“ des Kreisdiakonieverbands Esslingen: „Man ist nicht mehr allein mit seinen Geldproblemen. Schritt für Schritt werden sie gemeinsam angegangen. Ohne die Hilfe wäre ich wohl durchgedreht.“ Ihre Erfahrungen schildern die beiden jungen Leute am runden Filder-Tisch im Zentrum Zinsholz in Ruit.

Platz genommen haben haben am Tisch unter anderem Jessica Seeger, Leiterin des Ikaros-Jugendbüros Ostfildern, Regina Lutz Leiterin des Kreissozialamts, Jugendpfarrer Matthias Trick und Andrea Wohlfahrt (Projektleiterin des Filder-Tischs. Thema ist die Verschuldung junger Menschen und wie man ihr vorbeugen kann. Dieses Thema ist für viele Betroffene mit Scham oder dem Gefühl, versagt zu haben, verknüpft.

Arbeitslos oder Niedriglohn

Für Lena Stumpp, Sozialwirtin im Kirchenbezirk Kirchheim und ihre Kollegin Sophia Scheyhing, Diakonin und Sozialarbeiterin im Kirchenbezirk Bernhausen, ist es daher nicht verwunderlich, dass kein einziger Jugendlicher zu der Veranstaltung ins Jugendhaus gekommen ist. Beide leiten seit November 2018 das auf drei Jahre ausgelegte und von der Deutschen Fernsehlotterie geförderte „Benefit“-Projekt. Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene. Jung und schon hoch verschuldet: Die Gründe sind vielfältig. Das können Verträge sein, die finanziell über den Kopf wachsen – etwa fürs Handy oder Fitnessstudio. „Manche Jugendliche haben kein Verhältnis zu Geld, gerade wenn durch die Eltern die aktuellen, teils teuren Wünsche finanziert werden. So geht das Gefühl dafür verloren, was man sich selbst eigentlich leisten kann“, sagt Jugendpfarrer Trick. Man möchte dazugehören, einen gewissen Status erwerben – sei es durch das Handy oder Markenklamotten.

Auch Hauswirtschaften will gelernt sein, zum Beispiel Rechnungen rechtzeitig bezahlen. Auch Arbeitslosigkeit oder ein Niedriglohn können in die Schuldenfalle führen. „Das ist ein Kreislauf“, weiß Lena Stumpp. Im Schnitt seien die Klienten 23 Jahre alt: „Da liegt der Start ins Berufsleben vielleicht schon etwas zurück, man hat das erste eigene Geld verdient und sich was geleistet. Wenn die ersten Probleme auftreten, versuchen viele erst mal, sie selbst in den Griff zu bekommen. Wenn es dann nicht mehr geht, kommen sie zu uns. Daher ist die frühzeitige Präventionsarbeit umso wichtiger“, betont Stumpp. Wie ihre Kollegen vom Kreisdiakonieverband hofft sie, dass das Projekt nach Ablauf der drei Jahre weiter gefördert wird: „Der Bedarf ist definitiv da.“

„Benefit“ hat zwei Standbeine: Die Präventionsveranstaltungen zu Themen wie „Auskommen mit dem Einkommen“, „Handy und Internet“, „die erste eigene Wohnung“ oder „Umgang mit Schulden“. Über 400 junge Leute haben Lena Stumpp und Sophia Scheyhing bei 35 Terminen schon erreicht. Der zweite Part ist die Schuldner- und Insolvenzberatung für unter 25-Jährige. „Wichtig ist, dass der erste Beratungstermin nach der Kontaktaufnahme mit uns sehr zeitnah stattfindet. In der Regel sind das zwischen zwei und maximal sechs Wochen“, Stumpp. Bei der regulären Schuldnerberatung dauere das wegen der hohen Nachfrage oft Monate. Ein Vorteil ist, dass die Beraterinnen selbst jung sind. Das erleichtert den Zugang zur Zielgruppe.

Finanzierung noch nicht gesichert

Seit Anfang 2019 bieten sie einmal monatlich eine Sprechstunde in Jugendbüros an. Die Leiterin des Ikeros-Jugendbüros bestätigt, dass das Thema Schulden seit der Kooperation noch präsenter unter den Besuchern geworden ist, die zwischen 13 und 27 Jahre alt sind. „Viele verdrängen das im Alltag erst mal.“ Erst wenn sie wegen des Schufa-Eintrags keinen neuen Handyvertrag bekommen, „wird es zum Problem“. Häufig wüssten die Eltern gar nichts von den Geldproblemen, „entsprechend haben die Jugendlichen oft Angst, darüber zu sprechen.“

Kreissozialamtsleiterin Regina Lutz weiß, dass das häusliche Umfeld und die Lebensverhältnisse häufig eine zentrale Rolle spielen: „Das zeigen die Besuche unserer Mitarbeiter bei den Schuldnern“. Der Landkreis hat viele Beratungsangebote, auch für Jugendliche. Die Jugendschuldnerberatung hält Lutz für sehr wichtig. Eine anschließende Förderung durch den Landkreis nach Projektende konnte sie aber nicht zusichern. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab.

Für den musikalischen Rahmen sorgte die Band „The Spacecowboys and Bernie“.

Weitere Infos zum Projekt „Benefit“ gibt es unter www.kreisdiakonie-esslingen.de/projekte/benefit-schuldenpraevention-fuer-junge-menschen

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