Parkende Autos, fehlende Überwege oder rasende Autofahrer lassen den Schulweg für die Kleinsten nicht selten zur Herausforderung werden. Eine Auswertung der Meldungen von Eltern und Bürgern zeigt, welche Orte in Renningen besonders gefährlich sind.
Schlechte Sicht auf die Straße, rücksichtslose Autofahrer, Elterntaxis: Gerade für Grundschüler birgt der Weg zur Schule häufig so einige Gefahren. Im Rahmen einer Aktion unserer Zeitung in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv konnten Eltern, Lehrkräfte sowie Bürgerinnen und Bürger besonders gefährliche Orte für Schulkinder auf dem Weg zu den Renninger und Malmsheimer Schulen auf einer Karte eintragen.
Dabei kamen so einige Gefahrenstellen zusammen. Vier Meldungen beziehen sich auf Renningen, acht auf Malmsheim. Was bemängeln Eltern dort und wie können diese Stellen für Schulkinder sicherer werden?
Aus dem Süden Malmsheims berichten Eltern in unserer Umfrage, dass Kinder auf dem Weg zur Friedrich-Silcher-Schule am Zebrastreifen in der Renninger Straße immer wieder übersehen würden – vor allem im Herbst und im Winter. „Der Zebrastreifen wird nur von einem mittleren Schild beleuchtet. Dies wurde wohl ausgetauscht“, schreibt Imke Albrecht. Das Landratsamt allerdings sehe hier keinen Handlungsbedarf. „Es ist sehr schade, da ansonsten im Ort alle Zebrastreifen sehr übersichtlich und vor allem gut ausgeleuchtet sind.“
Eine andere Hinweisgeberin berichtet, dass die derzeitige Sperrung der Einfahrt an der Renninger Straße nach Malmsheim wegen einer Baustelle die Situation am Zebrastreifen verbessere. „Dadurch sind weniger Autos auf der Renninger Straße unterwegs und Eltern und Kinder fühlen sich dort viel sicherer.“
Fehlende Überwege in Malmsheim
Parkende Autos, die die Sicht versperren, finde man zu Schulbeginn häufig in der Schulstraße, heißt es in einer anderen Meldung. Besonders der Kreuzungsbereich der Kasernenstraße/Schulstraße. Auch die Überquerung der Margeritenstraße im Kreuzungsbereich von Perouser Straße und Nelkenstraße sei gefährlich. Letztere sei mittlerweile eine Hauptverbindungsstraße in Richtung Rutesheim, berichtet Vater Matthias Lauffer in unserer Umfrage. „Die Fahrzeuge kommen mit erhöhter Geschwindigkeit von der Perouser Straße her und biegen nach rechts in die Margeritenstraße oder links in die Nelkenstraße ab.“ Die Kreuzung sei an der Stelle unübersichtlich. „Gerade zwischen sieben und neun Uhr ist diese Stelle stark befahren, rücksichtsvolle Fahrer gibt es leider selten.“ Er wünscht sich einen sicheren Überweg.
Unweit der Friedrich-Silcher-Schule, an der Kreuzung von Schul- und Kasernenstraße, fehle ein sicherer Überweg für Schulkinder, etwa ein Zebrastreifen. „Der Gehweg in der Ebertstraße ist auf der rechten Seite. Weil der Gehweg in der Schulstraße auf der linken Seite ist, müssen Schulkinder von dort die Kreuzung zwei Mal überqueren“, bemängelt Matthias Lauffer und spricht sich für einen Zebrastreifen an der Kreuzung aus. Die Kasernenstraße werde außerdem als Abkürzung genutzt, teilweise werde dort sehr schnell gefahren. Ein anderer Hinweisgeber schlägt deshalb vor, die Situation durch Fahrbahnschweller oder einen Schülerlotsen zu verbessern.
Zu schnell fahrende Autos seien auch im hinteren Teil der Schulstraße vor der Schule ein Problem, wo die Schulkinder vom einseitigen Gehweg aus die Straße zur Schule überqueren müssten. „Auch hier fehlt ein Übergang für die Kinder“, so Lauffer. Dabei spielten auch parkende und fahrende Elterntaxis eine Rolle, berichten andere Eltern.
Fehlende Rad- und Gehwege und „gefährliches Parken“ in Renningen
In Renningen fehle es an der Rankbachstraße auf Höhe der Rankbachbrücke an einer sicheren Querung der Straße, sagt Martin Endmann, der sich beim ADFC Renningen engagiert. „Weil der Verkehrsbedarf auf dem Weg parallel zum Rankbach durch den Schülerverkehr aber auch durch Spaziergänger des Seniorenwohnheims höher als der Kraftverkehr ist, sollte er gegenüber der Rankbachstraße bevorrechtigt werden.“ Da die Schulkinder oft in größeren Gruppen auf der Rankbachstraße fahren, sollte die zulässige Höchstgeschwindigkeit dort auf 20 Stundenkilometer begrenzt oder die Rankbachstraße in eine Fahrradstraße umgewandelt werden, schlägt Endmann vor.
Ebenso fehle es an der Kreuzung von Lindenstraße und Bahnhofstraße an einem Geh- und Radweg. „Dort endet die von Schülern auf dem Weg zur Schule gern genutzte Fahrradstraße auf der Lindenstraße“, berichtet ein anderer Teilnehmer der Umfrage. Zum Fortsetzten der Fahrt zur Schule sei deshalb die Bahnhofstraße zu überqueren. „Sinnvoll wäre hier eine Fortsetzung der Fahrradstraße Lindenstraße - Jahnstraße, da die Bahnhofstraße stark befahren wird und durch ihre Übersichtlichkeit und Geradlinigkeit gern zu schnellem Autofahren verleitet.“
„Auf dem Weg zum Schul-Campus in Renningen verursachen außerdem zu viele Eltern-Taxis Probleme“, sagt Endmann. Das „gefährliche Zuparken“ der Gehwege und Überwege etwa entlang der Emil-Höschele-Straße gefährde die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler, ebenso in der Jahn- als auch in der Rankbachstraße erheblich. Er fordert, dass Parkverstöße geahndet werden. Wenn sich durch solche Maßnahmen nichts verbessern lasse, plädiert er dafür, rings um die Schulstandorte Schulstraßen einzurichten. „Das würde bedeuten, die Emil-Höschele-Straße, die Wiesenstraße, die Rankbachstraße und die Jahnstraße mindestens in den relevanten Zeiträumen größten Schülerverkehrs für den Kraftverkehr zu sperren.“ Die Jahnstraße solle zudem zur Fahrradstraße werden.
Stadt Renningen in Kontakt mit der Friedrich-Silcher-Schule
Theresa Albert, eine Sprecherin der Stadt Renningen, betont, dass man sich jederzeit mit Verbesserungsvorschlägen direkt an die Stadtverwaltung wenden könne. „Eine gute Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler auf den Schulwegen ist uns sehr wichtig.“ Die fast flächendeckende innerstädtische Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer verstärke diese Sicherheit.
Die von Eltern und Bürgern genannten Orte würden bei der nächsten Verkehrsschau mit Experten angesprochen, vorher will die Stadtverwaltung auf die einzeln geschilderten Situationen nicht eingehen. Mit der Schulleitung der Friedrich-Silcher-Schule in Malmsheim sei man wegen der erwähnten Orte in Kontakt.
Projekt „Achtung, Schulweg!“
Aktion
In Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wollten wir wissen, wie sicher die Schulwege in Stuttgart und im Kreis Böblingen sind. Über ein einfaches Online-Tool konnten Sie Gefahrenstellen dokumentieren. Das Ziel des Projekts ist es, Gefährdungen von Schülern zu reduzieren.
Übersicht
Hier finden Sie die Karte mit den Gefahrenstellen sowie jegliche Artikel, die sich mit verschiedenen Schulweg-Themen befassen.