Sandra Köhler vom Referat Prävention mit aufmerksamen Zuhörern. Foto: Stefanie Schlecht

Wie verhalte ich mich an einer Ampel? Und wie überquere ich einen Zebrastreifen? Das Referat Prävention der Polizei bereitet angehende Erstklässler mithilfe eines Lerngangs auf den Schulweg vor.

Recht unbekümmert läuft eine Vierergruppe auf dem Böblinger Paul-Gerhardt-Weg entlang. Dann überquert sie die Straße genau auf Höhe der Kreuzung – vor den Augen von Kindergartenkindern. Die sehen sofort, wie es nicht geht. „Wir sind kein Vorbild“, gesteht ein junger Mann aus dem Quartett im Weggehen.

In der Tat. Vorbild ist für die zehn angehenden Erstklässler der Kindertagesstätte im Böblinger Paul-Gerhardt-Weg 8 viel eher Sandra Köhler vom Polizeipräsidium Ludwigsburg. Die Oberkommissarin aus dem Referat Prävention besucht an diesem Vormittag die Einrichtung. Sie tauscht sich mit den Sechsjährigen über ihren Job aus und zeigt bei einem kleinen Rundgang das richtige Verhalten auf und neben den Straßen auf. Ihre Praktikantin Saskia Röhm bietet dasselbe Programm für eine Gruppe der danebenliegenden Kita.

Kindgerechte Erklärungen und Tipps

Es soll die Sechsjährigen auf den bald täglichen Schulweg vorbereiten. Auf dem können sie auf unübersichtliche Stellen, Raser, Ampeln und vieles mehr treffen. Aber wie bringt man Kindern das näher? Mit einfacher, deutlicher Sprache, anschaulichen Beispielen, einem Zebra-Plüschtier – und wortwörtlich auf Augenhöhe, wie Sandra Köhler in der Einrichtung demonstriert.

Dass sie definitiv weiß, von was sie spricht und wie sie die Kinder erreicht, lässt sich bereits an ihrem Auftreten erahnen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Oberkommissarin im Bereich Prävention tätig, ein Termin wie dieser somit keine Ausnahme.

In Begleitung eines Zebras bringt Sandra Köhler den Kindern spielerisch die Themen näher. /Stefanie Schlecht

Aus Sicht ihrer Zuhörer ist es aber durchaus eine. „Für die Kinder ist es immer total aufregend, wenn die Polizei kommt. Sie haben auch immer sehr viele Fragen“, erklärt Caroline Volz. Die Erzieherin aus Dagersheim ist sich sicher, „dass bei den Kindern mehr hängenbleibt, wenn es von der Polizei erklärt wird, anstatt von uns“.

In der Kita schnappt sich Sandra Köhler einen kleinen Stuhl und erklärt, was auf ihrer Uniform zu sehen ist oder auch warum man sich im Auto anschnallt. Und sie muss auch mit einer unterhaltsamen Gegenfrage klarkommen. Denn: „Wie erkennt man überhaupt einen Bösewicht?“, will der interessierte Junge mit der roten Kappe wissen.

Er und die weiteren „Maxi-Kinder“ sitzen Schulter an Schulter und zwischen Jacken und Schuhen auf einer flachen Bank. „Egal ob Ampel, Zebrastreifen oder nichts davon: Wisst ihr, was man als erstes an einer Straße macht?“, fragt Sandra Köhler und klärt auf: „Ihr bleibt mit den Füßen erst einmal stehen.“ Erst danach soll geschaut werden.

Fokus auf der Straßenüberquerung

Gesagt, getan. Auf den Straßen und Gehwegen in der Böblinger Umgebung testet Sandra Köhler, wie weit die Gruppe tatsächlich ist. „Wir arbeiten damit, was die Kinder von ihrem Wissen einbringen“, sagt sie. Der Weg führt die Sechsjährigen über eine Ampel, einen Zebrastreifen und eine Seitenstraße, an der Autos parken – jeweils nach einer ausführlichen Anleitung.

„Das war ein Crashkurs, aber die wissen schon ganz viel“, stellt die Oberkommissarin fest, die den Kindern gemeinsam mit Praktikantin Saskia Röhm einen Fußgängerschein übergibt. Nun kann der Schulstart kommen.

Projekt „Achtung, Schulweg!“

Aktion
Unsere Redaktion möchte in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wissen, wie sicher die Schulwege im Kreis Böblingen sind. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe. Über ein einfaches Online-Tool können Sie Gefahrenstellen dokumentieren. Wir berichten über eine Auswahl und konfrontieren die Stadtverwaltungen damit. Das Ziel ist es, Gefährdungen von Schülern zu reduzieren.

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