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Wer sich im Alter allein auf die gesetzliche Rente verlässt, muss in der Regel mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen. Die viel beschworene Rentenlücke macht es vielen Deutschen unmöglich, den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Gering- und sogar Normalverdiener können trotz jahrzehntelanger Arbeit in Vollzeit von Altersarmut betroffen sein. Einer Studie des Anlagevermittlungsportals weltsparen.de zufolge hat mehr als jeder zweite Deutsche keine private Altersvorsorge, die sein Einkommen im Rentenalter aufstocken würde.

Eine solche Rentenlücke ist in Schweden undenkbar – in dem skandinavischen Land ist die zusätzliche private Altersvorsorge per Gesetz vorgeschrieben. Ähnlich wie in Deutschland basiert das schwedische Rentensystem auf drei Säulen. 16 Prozent des Bruttogehalts schwedischer Arbeitnehmer fließen in die staatliche Rentenkasse. Daneben existieren wie in der Bundesrepublik Betriebsrenten, die Tjänstepensionen, in die auch der Arbeitgeber einzahlt. Zusätzlich gibt es die private Altersvorsorge, die Pflicht ist: 2,5 Prozent ihres Gehalts müssen Schweden in eine kapitalgedeckte private Absicherung fürs Alter stecken. Dieses Geld wird in der Regel nicht in komplizierte Vorsorgeprodukte investiert, wie hierzulande beispielsweise in Riester-Verträge, sondern in erster Linie in Aktien.

90 Prozent der Schweden investieren in staatliche Aktienfonds

Dabei können schwedische Arbeitnehmer unter mehr als 800 Fonds für die private Vorsorge wählen. Wer sich nicht mit dem Thema auseinandersetzt, zahlt automatisch in den staatlichen Altersvorsorgefonds AP7 ein. Diese Lösung nutzen fast 90 Prozent der schwedischen Arbeitnehmer.

Dieser Fonds wurde vom Staat aufgelegt, um die private Zusatzabsicherung möglichst einfach zu halten. Er legt die Gelder der Kunden bis zu deren 55. Lebensjahr in Aktien an. Erst danach findet eine Umschichtung zu sichereren Anlagen statt, zum Beispiel zu Anleihen. Und offenbar machen die staatlichen Fondsmanager des AP7 einen guten Job: Die Rendite liegt bei durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Die ausgezahlten Renten sanken bisher noch nie unter die eingezahlten Beiträge – selbst während der Finanzkrise 2008 nicht. Gleichzeitig sind die Gebühren für den Staatsfonds vergleichsweise gering.

Aktien sind nicht nur für Zocker und Wohlhabende empfehlenswert

Hierzulande wird das schwedische Modell allerdings teilweise kritisch beäugt wird. Deutsche Sparer bevorzugen nach Ansicht des Verbands der Fondsindustrie (BVI) sicherheitsorientiertere Anlageformen. Der AP7 setzt hingegen zur Renditesteigerung sogar auf Derivate, also Finanzwetten. Die Renditen sprechen allerdings für sich.

Natürlich kann es bei einem reinen Aktieninvestment wie dem AP7 vor dem 55. Lebensjahr massive Kursverluste geben. Davon ist auch der schwedische Staatsfonds nicht verschont geblieben. Aber langfristig gesehen spiegelt die Kursentwicklung das volkswirtschaftliche Wachstum wider, das seit Jahrzehnten vorhanden ist. Diverse Banken und auch Finanzberatungsunternehmen wie tecis weisen schon lange auf den weit verbreiteten Irrtum hin, dass Aktien oder Fonds nur etwas für Zocker und Wohlhabende seien.

Studie: Altersvorsorge mit Aktien funktioniert

Eine aktuelle Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zeigt auf, wie eine Altersvorsorge mit Aktien im Ausland funktioniert und wie diese auf die Situation in Deutschland übertragen werden könnte. Nicht nur in Schweden, auch in Ländern wie Großbritannien, Kanada, Australien, Dänemark und den Niederlanden wird viel stärker auf eine Kapitaldeckung mit Aktien gesetzt. Das trägt wesentlich zur Sicherung des Lebensstandards der Menschen im Alter bei.

Ob auch Deutschland in Zukunft auf das schwedische Modell zur privaten Altersvorsorge umschwenkt, ist weiter offen. Ideen für eine „Deutschland-Rente“, die auf einem staatlich verwalteten Fonds basiert, gab es schon 2016. Konkreter wurde es bislang jedoch nicht. Wer auf eigene Faust in Aktien investieren möchte, sollte sich zuvor umgehend von seiner Hausbank oder seriösen Finanzdienstleistern wie MLP und tecis beraten lassen.

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