Das Verhältnis von Herzogin Meghan und Prinz Harry zu Prinz William und Herzogin Kate (von links nach rechts) hatte sich bereits abgekühlt, bevor die Sussexes 2020 die „Megxit“-Bombe platzen ließen. (Archivbild) Foto: dpa/Victoria Jones

Mit dem Oprah-Interview zementiert Prinz Harry den Konflikt mit seinem Bruder. Prinz William verteidigt als künftiger Monarch das Königshaus. Ist das Verhältnis zu kitten?

London - Britische Medien bemühen dieser Tage gerne die 1997 verstorbene Prinzessin Diana. Wie betrübt sie wäre, über die Entzweiung ihrer beiden Söhne, Prinz William und Prinz Harry. Oder auch: Dass es nie zu dem Bruch zwischen den Brüdern gekommen wäre, würde Lady Di noch leben.

Es ist vielleicht der traurigste der vielen Kollateralschäden, die der Konflikt zwischen Prinz Harry und Herzogin Meghan auf der einen und dem britischen Königshaus auf der anderen mit sich bringt: Die Entzweiung eines Brüderpaares, das nach außen immer unzertrennlich wirkte.

„Wir sind ganz sicher keine rassistische Familie“

Am Donnerstag äußerte sich Prinz William als erstes Mitglied der Königsfamilie persönlich zu den Vorwürfen, die die Sussexes in ihrem Interview mit Oprah Winfrey erhoben hatten. Beim Besuch einer Schule in London stellte ein Reporter die Frage, die sich das ganze Land seit der Ausstrahlung des Oprah-Interviews stellt: „Ist die Königsfamilie eine rassistische Familie, Sir?“ Die Nummer zwei der Thronfolge antwortete: „Wir sind ganz sicher keine rassistische Familie.“ Obwohl William nur im Vorbeigehen antwortet, könnte die Antwort nicht bestimmter und kategorischer ausfallen.

Vorher fragte der Reporter auch, ob William mit seinem Bruder nach der Ausstrahlung des Interviews gesprochen habe. „Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen, aber ich werde es tun“, antwortete der 38-Jährige. Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Royal die Fragen beantwortet, die ihnen von den Reportern bei offiziellen Terminen zugerufen werden. Dass Prinz William mit dem Protokoll brach, zeigt, wie sehr ihn das alles mitnimmt und auch wütend macht - vor allem der Vorwurf, jemand aus der Familie habe vor der Geburt von Archie darüber spekuliert, wie dunkel die Haut des Babys sein könnte.

„Wir sind zusammen durch die Hölle gegangen“

Zwischen den Brüdern scheint seit geraumer Zeit Funkstille zu herrschen. Das bestätigte Prinz Harry auch in dem Gespräch mit Oprah Winfrey: „Ich habe das schon mal gesagt, ich liebe William wie verrückt. Wir sind zusammen durch die Hölle gegangen und wir haben eine gemeinsame Vergangenheit, aber wir sind auf unterschiedlichen Wegen.“ Ganz ähnlich hatte sich Harry schon 2019 in einer Dokumentation des TV-Journalisten Tom Bradby geäußert.

Dabei gab es eine Zeit, da passte zwischen William und Harry kein Blatt Papier. Beide waren durch den frühen und tragischen Tod ihrer Mutter Diana traumatisiert. Die Prinzen gaben einander Halt. Als Kate Middleton zu den beiden stieß, wurde aus dem unzertrennlichen Duo ein Trio. 2011 heirateten die Cambridges. Kate und Harry kamen bekanntermaßen gut miteinander aus. Die Öffentlichkeit liebte es, wenn die Drei gemeinsam auftraten – zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 2012 in London, als Kate, William und Harry zu so etwas mit den royalen Maskottchen der Wettbewerbe wurden. 2016 riefen die Drei die Kampagne „Heads Together“ ins Leben, die sich die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen zum Ziel gesetzt hat.

Die Ära der „Fab’ Four“ war von kurzer Dauer

Als Prinz Harry Ende 2016 die Beziehung zu der US-amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle öffentlich machte, schwärmte die britische Presse schon von der Ära der „Fab’ Four“ – ein royales Kleeblatt, das den Windsors ein frisches, modernes Antlitz verleihen sollte. Doch bald kühlte das Verhältnis deutlich ab: 2019 trennen die Sussexes und die Cambridges ihre Haushalte, ihre Social-Media-Auftritte und ihre karitativen Projekte. Das erste öffentliche Anzeichen, dass sich die Paare entfremdet haben. Der Rückzug der Sussexes als aktive Royals Anfang des Jahres 2020 war dann nur noch der letzte Schritt einer Spaltung, die längst unüberwindbar geworden war.

In den Medien brodelten schon vor dem „Megxit“ Gerüchte über eine „Fehde der Herzoginnen“ – nicht ganz aus der Luft gegriffen: Herzogin Meghan bestätigte in ihrem Interview mit Oprah Winfrey, dass es kurz vor der Hochzeit einen Streit mit Kate über die Kleider der Blumenmädchen gegeben habe – wer aber wen zum Weinen gebracht hat, darüber herrscht offenbar Uneinigkeit. Ein offenes Geheimnis ist allerdings, dass die beiden Herzoginnen kaum unterschiedlicher sein könnten und wenig gemein haben.

Herzogin Kate wird zur Zielscheibe

Dass Meghan gerade im Hinblick auf Kate im Oprah-Interview sehr konkret wurde, während andere Themen eher diffus blieben, dürfte William seinem Bruder und seiner Schwägerin übel nehmen. Vor allem, weil es für Kate als künftige Königin undenkbar ist, dass sie sich direkt gegen die Vorwürfe ihrer Schwägerin wehrt.

Wie es im Verhältnis der Brüder nun weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Kommunikationskänale seien offen, zitierten britische Medien Quellen aus dem Umfeld der Brüder. Im Sommer ist ein Termin geplant, an dem die beiden Brüder spätestens aufeinander treffen dürften: Am 1. Juli wird im Garten des Kensingtonpalasts eine Statue von Prinzessin Diana enthüllt. Die Prinzen gaben das Denkmal zusammen in Auftrag. Der Termin ist gesetzt: An diesem Tag wäre Diana 60 Jahre alt geworden.

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