Aus Suchen und Finden wird Schwinden der Liebe: Feline Zimmermann als Schlagerstar Venus, Marcus Michalski (Mitte) als ihr geliebter Mimi und gehasster Musiktyrann, Boris Rosenberger als Erzähler, hier in der Funktion des Tontechnikers. Foto: /Patrick Pfeiffer

Helmut Dietl und Patrick Süskind haben in ihrem Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“ die Geschichte von Orpheus und Eurydike in die Gegenwart verlegt – inklusive Tausch der Geschlechterrollen. Marcus Grube hat das Drehbuch jetzt auf die Esslinger Landesbühne gebracht – mit allen Tücken des Objekts. Stark ist die Inszenierung nur, wenn’s sentimental wird.

Reimzwänge können verteufelt sein. Haut – was passt auf Haut? Na, Sauerkraut. So säuselt die angesäuselte Geliebte zwar wie Sommerwind über die Haut, dass man Zeit und Raum vergessen mag – aber der letzte Reimvers lautet: „Sülze Sauerkraut“. Und spricht, wie es nur abgestürzte Halbseidenlyrik kann, die Wahrheit aus übers wirkliche Leben. Sülze Sauerkraut ist das Rezept, wie „Vom Suchen und Finden der Liebe“ funktioniert – dramaturgisch als Filmskript ebenso wie als dessen realistische Bedeutung. Wobei in beidem – Skript wie Wirklichkeit – das Suchen und Finden ins Schwinden der Liebe mündet. Zuerst wird gesülzt („für immer und ewig!“), dann setzt es Sauerkraut („Ich reiß mir für dich den Arsch auf!“ – „Da scheiß ich drauf, du Wichser!“). Das ist die wahre Liebe. Aber halt auch so banal wie der Tod. Helmut Dietl und Patrick Süskind spekulieren in ihrem gemeinsamen Drehbuch auf unbanale Wirkung, wenn sie beides zusammenpacken: den Liebestod im durchaus doppelten Wortsinn bemühen, Eros und Thanatos mit dem Orpheus-Mythos verkuppeln – auf dass Ewigkeitssehnsucht, Melancholie des Scheiterns, verklärende Erinnerung jene banal-normale Liebe überzuckert, die Intimität mit Nahkampf verwechselt und doch den Liebenden unlösbar dünkt.

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