Am 13. Dezember feiert das Musical „Der geschenkte Gaul“ an der Esslinger Landesbühne Premiere. Foto: Patrick Pfeiffer

Das Musical „Der geschenkte Gaul“ über das Leben der Filmdiva Hildegard Knef hat am Samstag, 13. Dezember, im Schauspielhaus der Esslinger Landesbühne Premiere.

Die junge Hildegard Knef verzauberte das deutsche Filmpublikum. Dann wurde sie 1948 in Amerika engagiert. „Aber es ging nicht darum, dass sie da Filme drehen sollte“, erzählt Christoph Biermeier. Die US-Filmindustrie stellte sie kalt und habe verhindern wollen, dass sie in Deutschland Erfolge feiert. Seine Inszenierung des Musicals „Der geschenkte Gaul“ hat am Samstag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus der Esslinger Landesbühne Premiere.

Mit dem musikalischen Ensemble arbeite er immer gern, sagt der Regisseur. Hits wie „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ und „Ich brauch’ Tapetenwechsel“ durchziehen die Produktion. An der Musical-Fassung ihrer Biografie „Der geschenkte Gaul“ arbeitete Knef, eine von Deutschlands bekanntesten und schillerndsten Filmstars, mit ihrem Mann Paul von Schell, dem Komponisten Udo Becker und dem Theatermann Reinhardt Friese noch bis kurz vor ihrem Tod im Jahr 2002. In den Songs lasse sich viel über die komplexe Persönlichkeit der klugen Frau erfahren, ist Biermeier überzeugt.

Hildegard Knef teilte ihr Leben mit der Öffentlichkeit

Die bekannte Schauspielerin, die auch am Broadway in New York spielte, habe ihr Leben gnadenlos in die Öffentlichkeit gezerrt, sagt die Dramaturgin Anna Gubiani. In der Regenbogenpresse hätten viele ihr Leben und Leiden gierig verfolgt. Das grenzte fast an Voyeurismus. „Sie war eine, die trotz aller Rückschläge immer wieder aufgestanden ist“, sagt der Regisseur. Und die habe es oft gegeben, denn sie litt seit an Brustkrebs. Was das für ihr Leben bedeutete, thematisierte sie 1975 in dem Buch „Das Urteil“ – damals war es ein Tabubruch, so offen mit der Krankheit umzugehen. Die komplexe Persönlichkeit der Künstlerin im Musical zu porträtieren, das findet die Dramaturgin Anna Gubiani spannend.

Was macht die Schauspielerin, die 1925 in Ulm geboren wurde, auch heute noch so interessant? Ihre Geschichte findet Biermeier einfach „berührend und inspirierend“. Auch für heutige Generationen sei ihr Kampfgeist Vorbild. Als ihr klar wurde, dass sie in der USA-Filmindustrie nur kaltgestellt werden sollte, kämpfte sie darum, dass ihr Vertrag aufgelöst wird. Das habe sie schließlich auch geschafft.

Die Feministin Hildegard Knef

„Wenn wir heute die Bilder der Knef vor Augen haben, denken wir an die ältere Filmdiva“, sagt der Regisseur. Ihn reizt es aber gerade, die weniger bekannte Geschichte der jungen Frau auf die Bühne zu bringen. Eva Dorlaß spielt die junge Knef, die aufbrach, um als Schauspielerin Karriere zu machen. Spannend findet der Regisseur, dass das Musical viel über die Filmpolitik der Nachkriegsjahre und über die Mechanismen des Showgeschäfts erzählt.

Die Person sei in vieler Hinsicht ein Vorbild: „Was mich so beeindruckt an der Knef ist, dass sie immer zu früh war“, sagt der Regisseur. „Sie war der erste Star, noch bevor es im Nachkriegsdeutschland Stars gab.“ In den USA sei sie kein Star geworden, aber sie habe gelernt zu kämpfen. „Sie war eine ganz starke Frau – heute würde man sagen, Feministin.“ Was man von der Knef lernen könnte, ist aus Biermeiers Sicht Lebensmut. Gerade in diesen Zeiten, da viele angesichts von Kriegen und Krisen die Hoffnung verlieren, sei ihr Kampfgeist so bemerkenswert. Dass der Mitautor und Komponist Udo Becker zur Premiere kommt, freut das Team der Esslinger Landesbühne.