Der VVS macht eine Preissteigerung von 8,1 Prozent für die Preiserhöhungen verantwortlich. Foto: /Arnulf Hettrich

Nach einer Erhöhung von 7,9 Prozent im vorigen Jahr wird die S-Bahn in diesem Jahr noch einmal um 5,2 Prozent teurer – das beschloss auch der Umweltausschuss des Kreises Böblingen.

Der Tenor im Umweltausschuss des Böblinger Kreistags war klar: Der VVS werde immer teurer und immer schlechter. Und wie um die These zu bestätigen, war ein Tag nach der Sitzung am Dienstag rund zweieinhalb Stunden die S-Bahn zwischen Böblingen und Vaihingen außer Gefecht gesetzt. Es verkehrten, wie so oft, Ersatzbusse. Nach Angaben des VVS sei eine Signalstörung schuld gewesen.

Die Verspätungen der S-Bahn in Kreis Böblingen. Foto: privat

Bei der Sitzung am Dienstag im Böblinger Landratsamt ging es erst einmal darum, die Preise kräftig zu erhöhen. Weil fünf Landkreise rund um Stuttgart zum VVS gehören, muss Cornelia Christian, die Chefin des Stuttgarter Verkehrsverbunds, durch alle Landkreise touren, um für eine Zustimmung zu werben. Im Rems-Murr-Kreis und in Ludwigsburg wurde bereits zugestimmt, jetzt war Böblingen an der Reihe. Hier wie dort führte Cornelia Christian eine Kostensteigerung von rund 8,1 Prozent als Grund für die Verteuerung an. Für den Bahnkunden heißt das, die Kurzstrecke wird von 2 auf 2,10 Euro erhöht, der Einzeltarif für Erwachsene kostet in einer Zone statt 3,30 künftig 3,50 Euro und in zwei Zonen statt 4,30 künftig 4,50 Euro.

Bittere Pille für die Kreisräte

Damit die Kreisräte die bittere Pille leichter schluckten, führte Cornelia Christian eine Vergleichstabelle an, in der sie zufällig ausgewählte Verkehrsverbünde auflistete und deren Preissteigerung zeigte: Nach dieser hauseigenen Darstellung ist die Preissteigerung beim Ulmer Verbund mit einer Erhöhung um 8,3 Prozent die größte und die beim BW-Tarif mit einer Erhöhung von 3,2 Prozent die kleinste. Der VVS wäre nach dieser handgemachten Auflistung etwa im hinteren Viertel.

Als Gründe für die Erhöhung nannte Cornelia Christian die Personalkosten, die um 9,4 Prozent teurer geworden seien, die Kosten für Strom und Diesel, die sich um fast um 17,6 Prozent erhöht hätten und sonstige Kosten, die um 4,8 Prozent gestiegen seien. Würde man diese Faktoren gewichten, würde sich eine Kostensteigerung von insgesamt 8,1 Prozent ergeben. Damit wäre, würde man den Angaben des VVS folgten, die geplante Tariferhöhung von 5,2 Prozent deutlich unter dieser Kostensteigerung von 8,1 Prozent. Dabei muss man bedenken, dass die Preiserhöhung mehr als 80 Prozent der VVS-Fahrten nicht trifft, weil die Passagiere mit dem Deutschlandticket fahren. Das heißt, die Preiserhöhung trifft vor allem den Gelegenheitsverkehr.

Auch das Deutschlandticket schlägt auf

Was natürlich nicht bedeutet, dass die Nutzer des Deutschlandtickets vor Preiserhöhungen in Sicherheit sind. Denn schon zum Januar stieg der Monatspreis des Tickets um fast ein Fünftel von 49 Euro auf 58 Euro und schon diskutieren die Unterhändler von CDU und SPD nach Angaben der Deutschen Presse Agentur darüber, das Deutschlandticket im Jahr 2027 noch weiter zu verteuern.

Der Kreisrat Martin Killinger (Freie Wähler) war es, der die Dinge beim Namen nannte: „Die Pünktlichkeit und die Zuverlässigkeit des VVS werden immer schlechter.“ Neben manchem anderen störte er sich auch an der Werbung, die auf den Anzeigetafeln in den Zügen laufe, so dass kaum Zeit für die Fahranzeige auf dem Display bleibe. Er gab zu bedenken, dass auch der Landkreis ein großer Zuschussgeber für die verschiedenen Verkehrsunternehmen sei und jährlich 50 Millionen Euro dafür aufbringe. Allerdings: „Wir stimmen dem Notwendigen zu“, sagte er.

SPD/Linke und die Grünen stimmten dagegen

Diese „Notwendigkeit“ sahen die Grünen und die Fraktion der SPD/Linken nun nicht: Angie Weber-Streibl (Grüne) schlug vor, „statt immer die Preise zu erhöhen“, lieber einmal Gratis-Aktionen zu machen, um Publikum anzulocken, „die Verkehrswende findet in den Köpfen statt.“ Ingrid Pitterle (SPD/Linke) argumentierte, die Preise seien schon im vergangenen Jahr um 7,9 Prozent erhöht worden, jetzt noch einmal um 5,2 Prozent zu verteuern, sei zu viel.

Die Erhöhung wurde mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen von SPD/Linken und Grünen beschlossen. Damit sie, wie vom VVS geplant, im September in Kraft treten kann, müssen allerdings auch noch die anderen beteiligten Landkreise zustimmen.

Der VVS bewegt die Region

Größe
Das Verkehrsgebiet des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) umfasst mehr als 3700 Quadratkilometer mit rund 2,8 Millionen Einwohnern.

Angebot
Im VVS zusammengefasst sind 15 Regionalbahnlinien, acht S-Bahn-Linien, 19 Stadtbahnlinien, die Zahnradbahn Stuttgart, die Standseilbahn Stuttgart sowie über 500 Omnibuslinien, drei Oberleitungsbuslinien und 48 Nachtbuslinien.