Ein Briefträger ist mit dem E-Bike in der Göppinger Burgstraße unterwegs (Symbolbild). Nicht immer landen Briefe und Abonnements derzeit dort, wo sie hinsollen. Foto: Giacinto Carlucco

Wahlunterlagen gehen als unzustellbar zurück, Briefe landen beim Nachbarn oder verspäten sich. In Göppingen hakt es bei der Post.

Jürgen Stock wohnt im Göppinger Bergfeld und hatte zwei Wochen lang keinerlei Post und abonnierte Zeitschriften im Briefkasten. „Letzte Woche dann kam alles auf einen Schlag“, erzählt der 74-Jährige, der im Robert-Mayer-Weg wohnt. Glücklicherweise habe er auf nichts Wichtiges gewartet. Außer auf seine Wahlunterlagen. Die waren lange Zeit auch verschollen. Er sei kurz davor gewesen, die Stadt Göppingen anzurufen und zu fragen, ob er nicht mehr Bürger dieser Stadt sei, sagt er. Diese Woche Mittwoch dann, wenige Tage vor der Stimmabgabe, sei der ersehnte Umschlag doch noch gekommen.

Kein Einzelfall, die Probleme häufen sich

„Ich wundere mich. Wir hatten immer einen äußerst zuverlässigen Zusteller, und plötzlich haben wir einen anderen. Eine Vertretungskraft“, berichtet Stock. Seine Tochter, die im Göppinger Stadtbezirk Hohrein wohnt, habe ähnliche Probleme gehabt. Und auch eine Frau aus der Göppinger Innenstadt erzählt die gleiche Geschichte: „Unser Briefträger hat jahrzehntelang zuverlässig bei uns ausgetragen. Dann wurde er ohne Angabe von Gründen in einen anderen Bezirk versetzt und dies im letzten Jahr seiner Altersteilzeit. Seither tragen wir Nachbarn uns regelmäßig die Post nach. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob dies alle tun oder ob Post von uns im Altpapier landet“, sagt die Frau.

Auch in der Kopernikusstraße im Göppinger Bergfeld gab es Irrläufer. Wahlunterlagen landeten auch hier in Nachbars Briefkasten, zum Glück kennt man sich hier und übernimmt gerne den Job des Postboten. Eine Wahlbenachrichtigung hingegen kam hier aber gar nicht an, sondern ging als unzustellbar zurück ins Göppinger Rathaus. Wie das passieren konnte, konnten sich weder die Betroffenen noch die Mitarbeiterin des Wahlbüros erklären.

Die Deutsche Post räumt ein, dass es Probleme gab: „In Teilen Göppingens kam es tatsächlich zu Einschränkungen bei der Zustellung aufgrund von Erkrankungen und erhöhten Sendungsmengen. Somit waren geringfügige Zustellverzögerungen trotz Einsatz von Aushilfskräften nicht immer vermeidbar“, teilt ein Sprecher der Pressestelle in Stuttgart mit und fügt hinzu: „Für entstandene Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung.“

Täglich werden 46 Millionen Briefe zugestellt

Die Brief- und Paketzusteller lieferten bundesweit regulär jeden Werktag rund 46 Millionen Briefe und rund 6,3 Millionen Pakete aus. „Natürlich können wir als flächendeckender Postdienstleister Unregelmäßigkeiten nicht gänzlich ausschließen“, rechtfertigt sich der Post-Sprecher. So gebe es immer wieder Fälle, in denen es aus unterschiedlichen Gründen zu „betrieblichen Problemen“ kommen könne, zum Beispiel kurzfristige Erkrankungen oder Witterungsverhältnisse. „Wir nehmen jede einzelne Beschwerde unserer Kunden ernst und sind immer bereit, den konkreten Fällen nachzugehen. Dafür bieten wir unseren Kunden zahlreiche Kontaktmöglichkeiten über unterschiedliche Kanäle, ermuntert der Sprecher, sich zu melden.

Jürgen Stock hofft, dass die neue Kraft bald zuverlässig seine Post zustellt. „Um die Ecke wohnt noch ein Jürgen Stock, aber in einer anderen Straße“, erzählt er. Regelmäßig landen Schreiben genau im verkehrten Briefkasten. Die Namensvetter greifen dem Postboten aber in diesem Falle gerne unter die Arme.