Rock’n’Roll im Stroh gab es bei den Jeepers Creepers. Foto: Simon Granville

Vier Wochen lang wurde jeden Tag etwas auf dem Engelberg geboten. Der Veranstalter Johannes Leichtle zieht eine positive Bilanz – trotz großen Zoffs.

Es begann mit Leonbergern und endete mit Leonbergern: Die Band Stadtkind hat am 1. August den Auftakt zum 13. Strohländle mitgestaltet, der Familientag der Familienbildungsstätte bildete am vergangenen Sonntag den Abschluss. Dazwischen lagen vier Wochen und fünf Wochenenden mit zahlreichen Konzerten, Lesungen und anderen Veranstaltungen – wie einem Bingo-Abend und einer Silent Disco inmitten von Strohballen, die Deko und Sitzgelegenheit zugleich waren. Und alles ohne Eintritt.

„Wir hatten in diesem Jahr Glück mit dem Wetter; an unseren Haupttagen hat es nicht geregnet“, sagt Johannes Leichtle, der das Strohländle vor 13 Jahren mit aus der Taufe gehoben hat. „Wir haben ein wunderbares und friedliches Strohländle erlebt“, bilanziert Leichtle, der schätzt, dass insgesamt etwa 40 000 Zuschauer auf die Engelbergwiese gekommen sind.

Einen Veranstaltungshöhepunkt will er selbst nicht benennen. Besonders beliebt waren die Samstagskonzerte mit Coverbands, der Auftritt von Mirja Boes sowie die Lesung mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Aber auch die vielen Auftritte und Aktionen, die stets von und mit hiesigen Vereinen organisiert werden, tragen zur Besonderheit des Strohländles bei.

Eklat mit den Stadtwerken beim Stohländle

Doch die vierwöchige Veranstaltung hat mit einem Eklat begonnen. Am ersten Samstag, einem der Haupttage des Strohländles, trat die Coldplay-Coverband Viva La Vida auf, tausende Zuschauer wurden erwartet. Doch der geplante Shuttlebus vom Parkhaus am Bahnhof über die Altstadt zum Engelberg fuhr nicht. Es folgte ein öffentlicher Schlagabtausch zwischen Leichtle und Frank Mildenberger, dem neuen Geschäftsführer der Leonberger Stadtwerke, die bereits in der Vergangenheit den Shuttlebus bedient hatten. Beide beschuldigten sich gegenseitig mangelnder Kommunikation. Rücksprachen seien nicht oder erst verspätet erfolgt.

Weil in der Ankündigung des Strohländles für die Samstage zudem kostenloses Parken im Parkhaus am Bahnhof versprochen worden war, hatten einige Besucher am erstem Strohländle-Samstag keinen Parkschein gelöst – und dennoch prompt Knöllchen erhalten. Die Stadtwerke, die auch Betreiber des Parkhauses sind, haben diese später zurückgenommen.

Nur nichts verpassen! Da wird aus der Sitz- eine Stehgelegenheit. Foto: Simon Granville

Zwar lief nach dem missglückten Auftakt alles reibungslos, doch Johannes Leichtle ist immer noch verstimmt. „Da hat jemand seinen Job nicht gemacht“, sagt er. Die anschließende „Schlammschlacht“, wie er es nennt, sei zudem imageschädigend für die Stadt und das Strohländle und somit unnötig gewesen.

Viel Zuspruch aus der Bevölkerung für das Strohländle

Doch es habe für ihn auch einen Lichtblick gegeben: „Wir haben danach unfassbar viel Zuspruch bekommen. Sehr viele Bürger und Bürgerinnen sind auf uns zugekommen und haben sich bedankt für das, was wir hier für Leonberg machen“, sagt der Veranstalter, der keine 50 Meter entfernt davon aufgewachsen ist, wie er erzählt.

„Das Strohländle ist einfach unser Baby“, sagt Leichtle mit Blick auf sein Team, mit dem er auch die parallel stattfindenden Reihen „Sindelfingen rockt“ und „Kornwestheim rockt“ auf die Beine stellt, ebenso Angebote in Eislingen und Bietigheim. „Die Zentrale ist aber immer hier oben am Engelberg.“ Man verdiene zwar Geld mit der Veranstaltungsreihe in Leonberg, sie sei aber weiterhin nicht auf Kommerz ausgelegt.

Während Leichtle die Organisation von „Kornwestheim rockt“ abgibt, plant er fest mit einer Fortsetzung in Leonberg. Dann aber unter einer neuen Stadtführung. „Wir hatten bereits sehr konstruktive Gespräche mit den Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl“, berichtet Leichtle. Die Bemerkung, dass er froh sei, dass der aktuelle OB Martin Georg Cohn nicht mehr antritt, kann er sich aber nicht verkneifen.

Förderung des Strohländle und Rechnungsstellung

Auch schon unter Cohns Vorgänger Bernhard Schuler hatte es hin und wieder mal Knatsch mit der Stadt gegeben. Leonberg fördert das Strohländle jährlich mit einem Betrag in Höhe von 10 000 Euro. „Das finde ich sehr schön. Aber ich fände es auch schön, wenn die Stadt dazu sagen würde, dass wir jedes Jahr im Umkehrschwung 10 000 Euro an die Stadt Leonberg für Platzmieten, Strom, Wasser, Gebühren und so weiter bezahlen müssen“, erklärt der Strohländle-Chef.

Strohländle-Förderverein ist ein großer Wunsch

Während oben auf dem Engelberg noch fleißig abgebaut und das Stroh entsorgt wird, beginnen bereits die Planungen für das nächste Jahr. Das neue Gastrokonzept mit zwei neuen Partnern, die herzhafte Mahlzeiten, Cocktails sowie Crêpes und Eis angeboten haben, sei gut gelaufen. „Das war die richtige Entscheidung, das hat vieles entzerrt.“

Ein großes Ziel für das nächste Jahr: Man will einen Förderverein ins Leben rufen. Zwar ist das Strohländle seit Juli bereits ein eingetragener Verein. Über einen Förderverein erhofft sich Leichtle aber noch mehr Unterstützung, vor allem unabhängig von der Leonberger Stadtverwaltung. „Da ist noch nichts spruchreif. Aber wir erhoffen uns dadurch eine neue Dynamik“, sagt der Organisator.