Eine Porsche Skulptur zum Mythos des Porsche 911, entworfen vom englischen Künstler Gerry Judah, steht am vor dem Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen. Foto: dpa - dpa

Am Montag eröffnet die Porsche AG in Zuffenhausen ihre neue Fabrik für das Modell Taycan.

StuttgartNach fast fünf Kilometern Fußmarsch auf dem Werksgelände ist Detlef Kron doppelt geplättet. „Es ist phänomenal, was sich hier in den letzten viereinhalb Jahren getan hat“, sagt der Leiter des Stadtplanungsamts. Porsche bringe „die nächste Evolutionsstufe seiner Sportwagen aus Zuffenhausen“, freut sich Kron wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung des Werks am Montag.

Die neuen Werksteile in Zuffenhausen – Karosseriebau, Lackiererei, Achs- und E-Antrieb- sowie Fahrzeugmontage, insgesamt rund 170 000 Quadratmeter – seien „herausragend“. Kron meint damit nicht die Höhe – obgleich Porsche auf vier Stockwerken produziert, was in der Autoindustrie unüblich ist. Er meint die Qualität. Die Stadt habe Nachhaltigkeitsvorgaben gesetzt, so Jürgen King, Leiter des zentralen Bau-, Umwelt- und Energiemanagements bei Porsche, „und wir haben sie deutlich ausgeweitet“. Material der abgerissenen alten Hallen wurden vor Ort aufbereitet und wiederverwendet, es gibt 42 000 Quadratmeter Dachbegrünung, die Fabrik produziert CO2-neutral.

Der vor der VW-Übernahme größte Steuerzahler der Stadt genoss „bei uns erste Priorität, denn das Datum für den Produktionsbeginn stand schon vor drei Jahren fest“, so Kron. Um es zu halten, mussten Bebauungspläne aufgestellt und genehmigt werden. „Das ging zügig, dank der guten Zuarbeit und Kooperation der Bauabteilung von Porsche.“ Und es ging vergleichsweise geräuschlos – anders als 2004, als der Bau eines Motorenwerks nach Anwohnerprotesten auf der Kippe stand. Die Stadt taktierte wegen einer Entschädigung, Porsche zeigte Muskeln, pries die Chancen am neuen Standort Leipzig. Am 23. Dezember fand der Streit damals nach einer Marathonsitzung mit Verwaltung und Anwälten ein glückliches Ende.

Konkurrent Tesla als Triebfeder

Die Standortsicherung schlechthin fand für Gerhard Hanus, Bezirksvorsteher im 39 000-Seelen-Stadtteil, im Jahr 2010 statt. Porsche zog damals für 200 Millionen Euro eine neue Lackiererei hoch. Die Produktion der Ikone 911 und ihrer Ableger Boxster und Cayman am Stammsitz war damit gesichert, aber immer rationellere Fertigung bedrohte Arbeitsplätze. Ergo trommelte der Betriebsrat, zuvorderst Chef Uwe Hück, für eine dritte Baureihe. Sie bringt gut 1000 neue Arbeitsplätze. Dass es ein E-Auto werden würde, wusste keiner, lange war die Rede von einem Flitzer günstiger als der Cayman (ab 55 500 Euro). Die Wendung zum E-Auto dürfte Tesla geschuldet sein. Der Taycan kostet in der Grundversion 152 000 Euro.

Inzwischen gibt es zu jedem Bauschritt regelmäßige Anwohnerinformationen. Das sei „gut gelaufen“, lobt Hanus, man erkenne das Bemühen von Porsche um Nachhaltigkeit und darum, Mitarbeiter auf Bus und Bahn zu lenken. Parkplätze sind im und am Werk nach wie vor knapp – trotz neuerlichem Ausbau. Größere Klagen über den Werksneubau hätten sie nicht erreicht, sagt Christina Kolb vom Bürgerverein Zuffenhausen.

700 Millionen Euro steckt Porsche in die Gebäude für seinen ersten Elektroflitzer. Es ist das größte Bauvorhaben in der 80-jährigen Standortgeschichte. Doch: Bei 30 000 Vorbestellungen könnte die Investition bei porscheüblicher Rendite (2018: 16,6 Prozent) in zwölf Monaten erwirtschaftet werden. Bisher hat Porsche in Zuffenhausen 60 247 Autos im Jahr gebaut. Durch den Taycan steigt die Kapazität auf 140 000 Stück.

Mit dem Produktionsstart am Montag ist der Ausbau nicht zu Ende. Eine neue Kantine sei geplant, die Niederlassung gegenüber dem Museum stehe der Montage im Weg – und leider könne man nicht direkt auf die Bahn verladen. Es fehlt nach wie vor an Platz. So verlegt Porsche den Showroom auf den Pragsattel. „Stuttgart kann sich glücklich schätzen, dass die Entwicklung so gelaufen ist, es gibt zusätzliche Arbeitsplätze und zusätzliches Image, und der Wagen geht weltweit durch die Medien“, sagt Kron.

Potente Ladebuchsen für den E-Boliden

Infrastruktur: Um die E-Mobilität zu fördern, unterstützen Bund, Länder und Kommunen den Aufbau von Ladesäulen. Im urbanen Umfeld sind Wechselstrom-Stationen mit Typ-2-Stecker üblich, die 22 kW liefern können.

Schnelles Laden: Wer mit dem E-Auto auf die Strecke geht, braucht Ladesäulen mit höherer Leistung. Tesla hat ein eigenes weltweites Netz mit 120 kW aufgebaut und erhöht nun auf 145 kW.

Konsortium: BMW, Daimler, Ford und VW bauten aktuell ein Netz mit 400 Ladeparks in Europa auf, 138 sind schon in Betrieb. Hier soll Ultraschnelladen mit 350 kW möglich sein. Der Taycan verkraftet bis zu 270 kW Gleichstrom, die 93,4 kWh-Batterie wird in 22,5 Minuten von fünf auf 80 Prozent gefüllt. Auch die EnBW baut aus. Sie hat 70 300 kW-Batteriepufferspeicher-Schnellader beim Nürtinger Hersteller ads-tec bestellt. Wo diese installiert werden, ist noch unklar.

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