Nach einem Amokalarm ist die Polizei mit mehreren Dutzend Einsatzkräften zu einer Schule in Kirchheim ausgerückt. Foto: SDMG

Nach dem Amokalarm am Ludwig-Uhland-Gymnasium in Kirchheim am Dienstag wird die Schule komplett evakuiert. Unterricht findet nicht statt.

Klar ist am Dienstagnachmittag nur, dass es sich bei dem Amokalarm im Ludwig-Uhland-Gymnasium in Kirchheim (Kreis Esslingen) um kurz vor 8 Uhr am Morgen um einen Fehlalarm gehandelt hat. Wer den Alarm ausgelöst hat und warum, ist nach Angaben der Polizei weiterhin ungeklärt.

Man gehe davon aus, dass der Amokalarm durch das Betätigen eines Melders in der Schule ausgelöst wurde, berichtet Martin Raff, Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, das auch für den Landkreis Esslingen zuständig ist. „Wir wissen aber nicht, von wem der Melder betätigt wurde.“ Das müssten nun die weiteren Ermittlungen ergeben.

Polizei geleitet knapp 900 Personen aus Ludwig-Uhland-Gymnasium

Die knapp 900 Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte des Gymnasiums waren klassenweise aus den verschiedenen Schulgebäuden herausbegleitet und zu einer Sammelstelle in der Sporthalle einer benachbarten Schule geführt worden. Für die Eltern wurde eine Sammelstelle in der Nähe eingerichtet. Der Rettungsdienst kümmerte sich um die Kinder und ihre Angehörigen. Eine Schülerin musste aufgrund einer Kreislaufschwäche vor Ort behandelt werden. Ersten Erkenntnissen nach gab es keine weiteren Verletzten. Laut Polizei wurden die Schulgebäude gegen elf Uhr wieder an die Lehrkräfte und die Schulleitung übergeben. Unterricht fand jedoch nicht mehr statt.

Nach dem Amokalarm waren laut Raff mehrere Dutzend Einsatzkräfte vor Ort, darunter auch mehrere Streifen des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. Beim Polizeipräsidium Einsatz sind die Spezialkräfte und die Spezialeinheiten der Polizei Baden-Württemberg unter einem gemeinsamen Dach vereint. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) sei aber nicht zum Ludwig-Uhland-Gymnasium ausgerückt – dafür habe es keinen Anlass gegeben, so Raff.

Die Polizei ermittelt weiter, wer den Amokalarm ausgelöst hat. Foto: SDMG

Die Polizei war am Dienstagmorgen um 7.55 Uhr wegen eines Amokalarms an der Kirchheimer Schule alarmiert worden. Bei der weiteren Überprüfung hatten sich laut Polizei aber keine Hinweise darauf ergeben, dass es sich tatsächlich um einen Amoklauf handele. Es habe beispielsweise keine Meldungen über Schussgeräusche oder verletzte Personen gegeben. Weil es keinen Anhaltspunkt für einen Echtalarm gegeben habe, habe man bald von einem Fehlalarm ausgehen können.

Laut der Kirchheimer Bürgermeisterin Christine Kullen wurde die Schule vollständig evakuiert. Es sei alles sehr ruhig und geordnet abgelaufen und die Schülerinnen und Schüler hätten einen relativ entspannten Eindruck gemacht, berichtet sie. Beim Ludwig-Uhland-Gymnasium war bis Redaktionsschluss niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Es wurde lediglich bestätigt, dass der Unterricht am Dienstag wegen des Amokalarms ausgefallen sei.

Missbrauch von Feueralarm an weiterer Schule in Kirchheim

Wie erst am Dienstagnachmittag bekannt wurde, war gegen 9.50 Uhr am selben Tag missbräuchlich ein Brandmeldealarm am Schlossgymnasium in der Jesinger Halde betätigt worden. Laut Polizei wurde auch dieses Gebäude geräumt und nach einer Überprüfung durch die Feuerwehr kurz darauf wieder freigegeben. Der Unterricht konnte demnach nach einer halben Stunde fortgesetzt werden.

Das Polizeirevier Kirchheim hat Ermittlungen wegen des Missbrauchs von Notrufeinrichtungen aufgenommen. Ob es einen Tatzusammenhang zwischen den beiden missbräuchlichen Alarmauslösungen gibt, ist laut Polizei Gegenstand der Ermittlungen.

Der Amoklauf in Winnenden im Jahr 2009 hat die Menschen in der Region für das Thema sensibilisiert. Damals hatte ein 17-Jähriger 15 Menschen erschossen, darunter auch zwei Personen in Wendlingen im Kreis Esslingen.