Beamte des Mobilen Einsatzkommandos schlagen die Heckscheibe des mutmaßlichen Fluchtautos ein, damit sich die Männer dort nicht verbarrikadieren können. Aus dem Lärm resultiert das Gerücht, es sei geschossen worden. Quelle: Unbekannt

Die Polizei kennt die Pläne von fünf Männern. Sie fasst sie kurz vor dem geplanten Coup.

StuttgartBuchstäblich in der allerletzten Sekunde hat die Polizei am Mittwoch mitten in Vaihingen einen Banküberfall vereiteln können. Man kann fast schon von einem Showdown sprechen: Sie stellte fünf Männer an der Hauptstraße, die gerade eine Bank ausrauben wollten. Ein Mobiles Einsatzkommando griff zu: Die Spezialkräfte schnappten zwei Männer, als diese bereits das Bankgebäude betreten hatten, drei weitere saßen noch im Auto. Sie wurden festgenommen, vier von ihnen kamen in Untersuchungshaft. Der Fahrer blieb auf freiem Fuß.

Der Zeitpunkt des Zugriffs war kein Zufall. Die Polizei kannte nämlich die Pläne der fünf Männer, die 39, 41, 43, 44 und 51 Jahre alt sind. „Da ging es um Sekunden“, sagt die Polizeisprecherin Monika Ackermann über den Einsatz gegen 21.15 Uhr. Denn auch wenn die Polizei den Tatverdächtigen im Voraus auf die Schliche gekommen war und die Pläne kannte, muss so eine Festnahme genau dann erfolgen, wenn sich schon beweisen lässt, dass die Beobachteten den Plan auch tatsächlich ausführen wollten. „Aber man darf natürlich auch nicht zu spät sein, damit schon was passiert ist.“ Die Festnahme habe „perfekt wie aus dem Lehrbuch“ geklappt, die Erleichterung sei groß gewesen bei den beteiligten Kollegen: „So ein Einsatz kostet schon den einen oder anderen Schweißtropfen, da muss alles genau stimmen“, sagte die Pressesprecherin. Ein Kripofahrzeug stellten die Beamten vor den Wagen der Verdächtigen, die in einem Audi mit Frankfurter Kennzeichen in Vaihingen vorgefahren waren, um eine Flucht der drei Männer im Auto zu verhindern.

Männer sind nicht bewaffnet

Beamte des Mobilen Einsatzkommandos schnappten sich die Tatverdächtigen. Die Männer hätten sich nicht gewehrt und seien auch nicht bewaffnet gewesen. Am Fahrzeug sind Scheiben zu Bruch gegangen. Dadurch kam im Stadtteil das Gerücht auf, es sei geschossen worden. Das stimmt nicht, die Scheiben wurden schlichtweg beim Zugriff eingeschlagen, damit die Verdächtigen sich nicht darin verbarrikadieren können. Beamte von drei Revieren sicherten die Umgebung. „Wenn der Zugriff erfolgt, sollte kein Unbeteiligter aus Versehen in das Geschehen geraten“, erläutert Monika Ackermann. Auch das habe geklappt, der Verkehr konnte rund um den Schillerplatz gestoppt werden. Augenzeugen beschreiben die Atmosphäre als „beeindruckend und bedrohlich“, als der Platz von Streifenwagen mit Blaulicht abgeriegelt wurde.

Polizei hält sich bedeckt

Auch wenn die Polizei Kenntnis von der geplanten Tat hat, könnten die Ermittler im Raubdezernat nicht genau sagen, welche Vorgehensweise in der Bank geplant gewesen sei. Der ungewöhnliche Zeitpunkt, lange nach Geschäftsschluss, wurde wegen der Umbauarbeiten in der Filiale der Deutschen Bank gewählt. Sie war zwar geschlossen, aber nicht unbelebt. Bauarbeiter und Sicherheitsleute waren darin – und offenbar trotz des Umbaus auch Geld. Wie genau die Täter vorgehen wollten, das wisse man laut der Sprecherin noch nicht: „Das muss noch ermittelt werden.“ Beim Zugriff wurden jedenfalls keine Waffen gefunden. Was die Täter ansonsten dabei hatten, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Die Polizei stellte das mutmaßliche Fluchtfahrzeug sicher.

Was die Polizei noch im Dunkeln lässt nach dem nächtlichen Zugriff, ist ihr Vorgehen im Voraus: Wie sie den Verdächtigen auf die Spur kam, darf nicht verraten werden. Denn das sollen weder die aktuell festgenommenen Männer noch andere Täter erfahren. Es könnten Hinweise aus dem Umfeld gewesen sein oder Observationen und Telefonüberwachungen. Dafür muss aber schon ein erster konkreter Verdacht bestehen.

Seltenheit: Banküberfälle sind extrem selten geworden. Aufgrund der gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen (u.a. Videoüberwachung) scheuen Kriminelle das Risiko.

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