Kurdische Proteste in Stuttgart gegen die türkische Militäroffensive. Foto: dpa - dpa

Seit Tagen protestieren Kurden in der Stadt gegen die türkische Militäroffensive. Am Wochenende ist eine Demonstration angemeldet. Die Polizei wird mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz sein.

StuttgartSeit Tagen protestieren mehrere Hundert Demonstranten in der Innenstadt gegen die türkische Offensive im Nordosten Syriens, die sich gegen die dortige kurdische Miliz und die Bevölkerung richtet. Auch am Samstag werden bei einer offiziell angemeldeten Kundgebung des Vereins Demokratisches Kurdisches Zentrum mindestens 500 Kurden erwartet – und mehrere Hundert Polizisten im Einsatz sein, um kurdisch-türkische Auseinandersetzungen zu verhindern. „Die Proteste sind hoch emotional“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann.

Das zeigen auch die bisherigen Spontandemonstrationen. Mehrere Hundert Kurden – Beobachter sprechen von insgesamt etwa 600 bis 700 Teilnehmern – hatten sich am späten Donnerstagnachmittag zunächst am Schlossplatz versammelt. Sie protestierten gegen die Militäroffensive des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – nach Dscharabulus und Afrin der dritte Einmarsch in der syrischen Provinz. Erdogan zielt bei seiner Operation in dem Gebiet, das die Kurden Rojava nennen, auf die kurdische YPG-Miliz. Die nennt er Terroristen. Für die USA war die Miliz bis vor kurzem noch Verbündeter im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Auch die Bundesrepublik kritisiert die türkische Militäraktion.

Die Stuttgarter Proteste der hiesigen Kurden sind bisher weitgehend friedlich gewesen, jedoch kommt es an den Rändern zunehmend zu Übergriffen. So auch am Donnerstagabend, wie die Polizei berichtet: Nach einer Kundgebung und einem Protestmarsch gegen 18 Uhr vom Schlossplatz über die Königstraße zur Kronen-, Lautenschlager- und Bolzstraße zurück zum Schlossplatz eskalierte die Situation. Mehrere kleinere Gruppen trennten sich von der Menge und „bewegten sich unkontrolliert durch die Stadt“, so die Polizei. Dabei seien verschiedene Plätze und Bundesstraßen blockiert worden. Die Rädelsführer seien schwarz gekleidet und teilweise vermummt gewesen und hätten sich der Polizei gegenüber sehr aggressiv verhalten. Mehrfach seien Böller gezündet worden. Die Lage habe sich erst gegen 21 Uhr entspannt.

Festnahmen und Verletzte gab es keine – im Gegensatz zum Mittwochabend, wo eine Passantin durch einen Böller ein Knalltrauma erlitt. Ein Polizeibeamter wurde bei einer Festnahmeaktion an der Hand verletzt und konnte seinen Dienst nicht mehr fortsetzen.

Die Demonstration am Samstag ist für 15 bis 17.30 Uhr angemeldet. Vorgesehen ist ein Protestzug von der Lautenschlagerstraße zum Kronprinzplatz.

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