Zu zweit geht’s besser – und manchmal schützt das vor seltsamen Begegnungen mit Fremden. Foto: IMAGO/Michael Gstettenbauer

Bei Eltern von Grundschulkindern herrscht derzeit Alarmstimmung: Im Umfeld von Schulen häufen sich die Meldungen von verdächtigen Personen, die Kinder ins Auto locken wollen. Die Polizei ermittelt: Was sind Fakten, was Gerüchte?

Eine Grundschule im Stadtbezirk Untertürkheim hat am Mittwoch Besuch von der Polizei bekommen. Seit Tagen kursierten dort unter Elterngruppen Gerüchte, dass man seine Kinder nicht mehr an die Schule schicken könne, weil da ein Mann mit bösen Absichten die Kinder anspreche. Bis zu zehn Beamte haben das Schulgelände unter die Lupe genommen und sich auch in den Klassenzimmern gezeigt. Auch weitere Ermittlungen ergeben am Ende: „Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Kinder gegeben“, sagt Polizeisprecherin Kara Starke.

Doch nicht nur im Bereich Untertürkheim ploppen Gefahrenmeldungen auf, die sich per WhatsApp und andere Chatdienste schneller als in Windeseile verbreiten. In Feuerbach sollen zwei junge, blonde Frauen aus einem Kleinwagen heraus einen Grundschüler angesprochen und ihm angeboten haben, ihn nach Hause zu fahren. An einer weiteren Schule im Stadtbezirk soll ein Junge von einem Autofahrer verfolgt worden sein. Und aus der Innenstadt wird von einem jungen Mann berichtet, der eine Laufgruppe von Schulkindern angeschrien und massiv bedroht habe.

Warnung mit „Täterfoto“

Und dann ist da noch die Meldung aus einer Schule im Stuttgarter Norden, wo einem Kind aus einem Auto heraus angeboten wurde, es mit nach Hause zu chauffieren. Das Kind soll mit Süßigkeiten gelockt worden sein. „Wir nehmen solche Hinweise sehr ernst und versuchen die Hintergründe zu klären“, sagt Polizeisprecherin Starke. Der Fall habe sich am vergangenen Sonntag zugetragen, die Kriminalpolizei ermittelt.

Noch konkreter scheint indes ein Fall zu sein, den Privatleute als Warnung über WhatsApp sogar mit „Täterfoto“ verbreiten. Ein Mann aus Remseck (Kreis Ludwigsburg) spreche Kinder an und locke sie mit Süßigkeiten, zuletzt sei er nicht nur in Aldingen, sondern auch in Bad Cannstatt aufgetaucht. „Alle Eltern machen sich so große Sorgen, und es geschieht einfach nichts, unglaublich“, so der Kommentar.

Dabei hat die Ludwigsburger Polizei diesen Vorgang längst geklärt. „Die Person wurde identifiziert, und es haben sich keine Anhaltspunkte für einen strafrechtlichen Hintergrund ergeben“, sagt der Ludwigsburger Polizeisprecher Steffen Grabenstein. Das Verhalten der Person habe auch nichts speziell mit Kindern zu tun.

Ein Verdacht – und ein Ermittlungsergebnis

Der Polizist warnt in diesem Zusammenhang davor, Warnmeldungen unreflektiert weiterzuleiten. „Da kann man schnell in den strafbaren Bereich einer falschen Verdächtigung, üblen Nachrede oder dem Recht am eigenen Bild bekommen“, sagt Grabenstein. Wer eine verdächtige Person direkt beobachtet oder selbst betroffen ist, solle nicht per soziale Medien selbst fahnden, sondern dies umgehend der Polizei mitteilen. So könne diese sofort reagieren – wie ein Fall vor wenigen Tagen in Sindelfingen-Maichingen (Kreis Böblingen) gezeigt hat.

Dort verbreiteten sich Warnmeldungen über einen verdächtigen Mann, der aus einem Auto heraus die Kinder einer Kindertagesstätte beobachten würde. Der war allerdings dank eines sofortigen Anrufs bei der Polizei längst ermittelt. Eine Zivilstreife hatte den Mann schnell ausfindig gemacht. Und dabei stellte sich heraus, dass der Verdächtige „nur deshalb an dieser Stelle wartet, weil er dort regelmäßig eine Angehörige abholt“, so Grabenstein. Offenbar habe seine wiederholte Präsenz den Verdacht erweckt. Alles gut also? „Leider werden in den Chats Entwarnungen nicht veröffentlicht“, bedauert Grabenstein. Stattdessen seien der Mann und sein Auto weiter im Umlauf.

Ratschläge – nicht nur für besorgte Eltern

Doch was sollen Eltern tun – und was können sie ihren Kinder sagen, ohne Ängste zu schüren? In Elternbriefen der Schulleitungen, laut Grabenstein stets mit der Polizei abgestimmt, gibt es hierzu konkrete Ratschläge. Demnach sollten Kinder immer wieder daran erinnert werden, dass sie ohne elterliche Erlaubnis nie mit jemandem mitgehen oder in ein fremdes Auto steigen dürfen, dass Belohnungen fürs Mitgehen eine Lüge sind, dass sie mit Fremden nicht sprechen müssen, dass sie niemals von Fremden abgeholt werden.

Generell empfehlen Schulen und Polizei, dass Kinder möglichst in Gruppen zur Schule gehen. An den Schultaschen sollten keine Namensschilder sichtbar angebracht sein, weil diese Information von Tätern als vertrauensbildende Maßnahme missbraucht werden könnte. Den Eltern wird empfohlen, aufmerksam zuzuhören und Kinder zu loben, wenn sie sich den Eltern anvertrauen und über solche Erlebnisse berichten.