Mit seinen Regenstimmungsbildern bietet Oliver Mörsch dm Betrachter ein Gefühl an. Foto: Bulgrin Quelle: Unbekannt

Von Greta Gramberg

Es ist ein schwammiges Gemisch von Melancholie, Nostalgie, Einsamkeit und Freude, das einen überkommt, wenn man vor Oliver Mörschs Bildern steht. Heute eröffnet seine Ausstellung „über_wege“ in der Galerie der Stadt Plochingen - die erste Schau der Initiative Mahlwerk 2017. Sie umfasst 23 Gemälde die vor allem Verkehrsstraßen aller Art zeigen. Eigentlich kein besonders romantisches Thema. Doch der Esslinger Maler legt die Szenerien in durchscheinende Grau-, Blau- und Gelbtöne, lässt die Farben auch mal herunterrinnen. So werden die nüchtern kalten Motive in das weiche Licht während oder direkt nach einem Wolkenbruch gesetzt.

„Der konkrete Auslöser für die Themenserie war eine längere Autofahrt bei Regen über die Autobahn“, erzählt der 51-Jährige. Diesen Eindruck, dass man schlecht und nur den groben Straßenverlauf sieht, übertrug er dann auf seine Bilder aus ganz unterschiedlicher Perspektive: mal aus der eines Autofahrers hinter dem Lenkrad; mal aus der eines Fußgängers, der beim Abendspaziergang auf eine Pfütze vor seinen Füßen oder am Flussufer auf eine Brücke blickt; oder aus der eines Passagiers auf dem Bahnsteig mit Sicht auf die Gleise.

Die meisten seiner Motive kann Mörsch einem Ort zuordnen, an dem er schon war, mit dem er ein persönliches Erlebnis verbindet oder an dem er regelmäßig vorbeikommt - wobei ihm das nicht von vorneherein klar sei. „Im Entstehungsprozess bietet mir das Bild einen Ort an“, erklärt der Maler. Das titelgebende Werk „Überwege“ ist etwa ein Gemisch seiner Eindrücke von der Abfahrt zur Universität und dem Wallgraben-Tunnel in Stuttgart-Vaihingen.

Hauptberuflich ist Oliver Mörsch Maschinenbauingenieur, eine Beschäftigung, die ihm Spaß macht. Nebenbei hat der dreifache Vater von klein auf gemalt - zum Beruf machen wollte er die Kunst aber nie. „Es ist spannend, von einer in die andere Welt zu wechseln“, erklärt er. In sein Hobby hat der Esslinger über die Jahre viel investiert. Er nahm an Zeichenworkshops teil, studierte an der freien Kunstschule Bad Cannstatt und besucht seit 1999 Atelierkurse bei dem Plochinger Maler F.-Michael Starz, der heute bei der Vernissage die Einführung in die Schau macht.

Es ist die dritte Einzelausstellung für den 51-Jährigen, zuletzt zeigte er vor zehn Jahren in der Villa Pebra in Esslingen seine Bilder. Damals allerdings noch mit anderem Thema. „Man muss aufpassen, dass man sich nicht reproduziert“, erklärt Oliver Mörsch. Nach einer Weile suche er nach weiteren Feldern, die entweder einen starken Bruch bedeuten oder, was häufiger vorkommt, sich an die vorhergehende Serie logisch anschließen. So hat er vor den Straßen etwa landschaftliche oder architektonische Bilder gemalt, die teilweise auch Wege zeigten. In der jetzigen Ausstellung sind deswegen auch wenige Architekturbilder zu sehen.

Was sich durchzieht, ist jedoch die Farbgebung - andere Töne halte er auf Dauer nicht aus, sagt Mörsch. Eine konkrete Interpretation gibt er nicht, es ist mehr das schon erwähnte Gefühlsgemisch, das der Künstler dem Betrachter anbietet. Als melancholisch will der Maler sich selbst aber nicht bezeichnen. Er habe melancholische Züge, sagt er, aber auch gerne Spaß.

Vernissage ist heute um 19.30 Uhr in der Galerie der Stadt Plochingen, Marktstraße 36. Sie läuft bis 11. Februar, am letzten Tag ist der Künstler nochmals in der Galerie anwesend. Öffnungszeiten sind vorerst montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und samstags bis 14 Uhr. Ab 23. Januar ist dann montags, mittwochs und samstags von 10 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags von 10 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet.

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