Seit vergangenen Mittwoch stehen auf der Pliensaubrücke in Esslingen Bauzäune zur Sicherheit der Radler. Die kosten aber auch eine Menge Platz.

Esslingen - Seit dem vergangenen Mittwoch ist die Pliensaubrücke in Esslingen für Radfahrer wieder offen. Das hat jedoch seinen Preis: Links und rechts des Weges hat die Stadt Bauzäune aufstellen lassen, um die erforderlichen Sicherheitsvorgaben einzuhalten. Die waren nämlich der Grund dafür, weshalb es überhaupt zu einer kurzzeitigen Sperrung für den Radverkehrgekommen ist.

Laut der Stadt ist die Brüstung zu niedrig. Das verursachte eine Menge Ärger, denn die Brücke war monatelang saniert worden. Die Frage, die sich alle stellten: Warum war dabei nicht an die nötige Brüstungshöhe gedacht worden? – Die Bauzäune dienen jetzt als Übergangslösung bis die Stadt und das Landesdenkmalamt einen dauerhaften Ausweg aus der Misere gefunden haben. Doch einige Stimmen sagen: Dieses Provisorium macht die Lage nicht besser – ganz im Gegenteil, die Bauzäune stellen eine zusätzliche Gefahr dar.

„Durch die Bauzäune gehen halt mindestens zehn Prozent der Fläche verloren“, sagt Baris Gül, der auf seinem Fahrrad die Brücke überquert. Auf der einen Seite verdängt die Absperrung den kompletten, auf der anderen Seite nur ein Stück des Fußwegs. In Zeiten, in denen Abstand gehalten werden sollte, müssen die Fußgänger also teilweise auf den Fahrradstreifen in der Mitte ausweichen. „Das ist jetzt viel blöder, als es vorher war“, erklärt eine Passantin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Besonders, wenn viel los sei, sei es gefährlich. Aber auch die Ästhetik der Gitterwände drückt dem ein oder anderen auf das Gemüt. „Ich komme mir vor wie im Gefängnis“, sagt eine Passantin mit Kinderwagen. „Das sieht einfach furchtbar aus.“

Auch aus der Sicht von Thomas Rumpf, dem Vorsitzenden des Radfahrer-Vereins ADFC Esslingen, könnte der fehlende Platz auf der Brücke gefährlich werden. „Der Querschnitt ist nun stark eingeengt. Da fehlt effektiv bestimmt ein Meter“, erklärt er. Wenn die Pliensaubrücke hoch frequentiert sei, könne es zu Zusammenstößen kommen.

Für Rumpf ist nicht nachvollziehbar, wieso der Brüstung so viel Gewicht zukommt: „Aus meiner Sicht ist es wahrscheinlicher, vom Blitz erschlagen zu werden, als über diese Mauer zu stürzen.“ Außerdem gebe es in der Stadt einige Stellen, die dringender angegangen werden müssten. Laut Rumpf zum Beispiel die Hindenburgstraße, wo es an vernünftigen Markierungen fehle, aber auch der Neckarradweg, auf dem es eng zugehe und die Arbeiten auf dem gesperrten Teil in Mettingen offenbar nicht voran kämen.

Dass dem Radverkehr in der Stadt zu wenig Bedeutung zukommt, sieht auch der Stadtrat Andreas Fritz (Grüne) so. Er besuchte am Freitagmittag mit seiner Parteikollegin Andrea Lindlohr die Pliensaubrücke. „Dafür, dass immer mehr Esslingerinnen und Esslinger auf das Fahrrad umsteigen, müssen wir stärker in die Pedale treten. Der Radverkehr braucht einfach mehr Unterstützung“, fordert Fritz. Für Lindlohr, die Esslinger Landtagsabgeordnete der Grünen, ist die ganze Geschichte „ein Jammer. Jetzt wurde eine Notlösung gefunden, und die sieht nicht gut aus.“ Trotzdem sei es ein wichtiger Schritt gewesen, dass die Bürger wieder auf der Brücke radfahren dürften.

Bis eine endgültige Lösung gefunden ist, geht vermutlich noch einige Zeit ins Land. Den Esslinger Radfahrern bleibt also nur, entspannt zu bleiben. „Gefährlich finde ich es nicht, immerhin fährt man auf der Brücke ja sowieso vorsichtiger“, sagt die Radlerin Gloria García.

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