Außen hui – und innen ein Fall für die Generalsanierung: Opernhaus Stuttgart Foto: dpa/dpa

Die Sanierung des Opernhauses in Stuttgart wird zum Politspektakel: ein Schaulaufen zum Schaden aller.

So schnell ist die von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ausgerufene „Jahrhundertaufgabe“ anscheinend ein Thema von gestern. Die Pandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine lassen für einige in der Landesregierung aus Grünen und CDU das längst beschlossene Vorhaben von Land und Stadt, das Staatstheaterareal in Stuttgart deutlich zu erweitern und das Opernhaus über eine Generalsanierung für die nächsten 100 Jahre fit zu machen, als Idee aus einer anderen Zeit erscheinen.

Die Einwände machen stutzig

Bis zu 1,5 Milliarden Euro (oder gar mehr) Kosten? Bis zu 15 Jahre (oder gar mehr) Bauzeit? Das lässt manche CDU-Fraktionäre und manche Grünen-Finanzspezialisten schaudern. So plötzlich? Das darf stutzig machen. Völlig untragbare Arbeitszustände für viele der 1400 Beschäftigte – einfach egal?

450 000 Besucherinnen und Besucher im Jahr – uninteressant? Die Sicherung Stuttgarts als Standort international beachteter Musiktheater- und Ballettproduktionen – Schall und Rauch? Das Zentrum unzähliger Projekte für Kinder und Jugendliche – unnötig?

Land und Stadt als Verlierer

Ein Politspektakel ersten Ranges kündigt sich an. Doch zu gewinnen gibt es hier nichts. Nicht für das Land, schon gar nicht für Stuttgart. Der eigentlich geforderte Schulterschluss für die Zukunft verkehrt sich in eine Abrechnung mit der Kultur. Es droht ein Schaulaufen zum Schaden aller.