Wenn der Flughafentunnel nur noch einseitig befahrbar ist, könnte das auch Auswirkungen auf den Marktkauf haben. Foto: /Lena Hummel

Wenn der Flughafentunnel auf den Fildern tatsächlich für den Autoverkehr gesperrt wird, dann könnte das Auswirkungen auf den Marktkauf am Ortsrand von Bernhausen haben. Was sagen die Verantwortlichen? Und was wollen sie vom Verkehrsminister?

Der Parkplatz der Marktkauf-Filiale in Filderstadt-Bernhausen ist am Morgen gut gefüllt. 200 Plätze stehen Kunden auf dem Gelände nahe des Flughafens zur Verfügung, 500 weitere gibt es in einer Tiefgarage. Doch sollte der Flughafentunnel, der unter der Start- und Landebahn hindurch führt und Bernhausen mit Stuttgart-Plieningen verbindet, einseitig für den Autoverkehr gesperrt werden, könnten viele Plätze leer bleiben. Das fürchtet man jedenfalls sowohl bei der Edeka-Gruppe, zu der Marktkauf gehört, als auch bei der Manz Stiftung als Vermieter. Denn: Wer aus Richtung Plieningen kommt, kommt im Falle einer Sperrung zwar schnell hin, aber nicht mehr schnell zurück.

Die Diskussionen zur Zukunft des Flughafentunnels reißen nicht ab. Foto: Ines Rudel

Ganz genau wisse man zwar nicht, woher die Kundschaft komme, immer mal wieder werde aber die Postleitzahl abgefragt und auch dank der Deutschland-Card könnten Rückschlüsse gezogen werden, erläutert Wolfgang Seiler, der Expansionsleiter von Edeka Südwest. „Bevor wir einen Standort auswählen, machen wir eine Analyse, in die ganz viele Parameter einfließen“, fügt er hinzu. Im Falle des Marktkaufs in Filderstadt-Bernhausen sei das passiert, bevor die Edeka-Gruppe ihr Interesse an der Übernahme des Real-Markts geäußert habe. Mit Parametern, von denen Seiler spricht, meint er etwa Verkehrsdaten, aus denen sich wiederum ableiten lasse, dass Kunden von beiden Seiten des Flughafentunnels kämen.

Kunden kämen zum Wocheneinkauf

Laut Hans Dieter Scheerer, FDP-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Leonberg und vor vielen Jahren maßgeblich an der Real-Eröffnung am heutigen Marktkauf-Standort beteiligt, habe man schon damals mit einem Einzugsgebiet von 20 Kilometer Radius gerechnet. „Wenn man den Weg durch den Tunnel abschneidet, fällt eine Hälfte dieses Kreises weg“, sagt er heute. Prozentual betrachtet, sei das ein hoher zweistelliger Umsatz, so Seiler.

Das Warenhaus, das zugleich verkehrsgünstig und nahe zur Bevölkerung liege, sei alleine wegen seiner Größe und den mehr als 70 000 Artikeln im Sortiment darauf ausgelegt, dass Kunden mit dem Auto kommen, betont der Expansionsleiter. „Viele erledigen hier ihren Wocheneinkauf und keiner fährt seine ein oder zwei Sprudelkisten auf dem Lastenrad nach Hause“, sagt er.

Landwirte bringen großes Plakat an

Derzeit geht das auch nicht, jedenfalls nicht, wenn man mit vollen Einkaufstaschen auf dem kürzesten Weg Richtung Plieningen will. Denn die Straße im Flughafentunnel ist für Radfahrer tabu, der parallel zur Fahrbahn verlaufende Weg, den sich Radler und Fußgänger teilen, ist so schmal, dass man nur mit großer Mühe aneinander vorbeikommt. Lastenräder hätten überhaupt keine Chance, kritisieren Radbündnisse. Der Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte im März vergangenen Jahres deshalb die Diskussion ins Spiel gebracht, den Tunnel für Autos in nördliche Richtung – also von Bernhausen nach Plieningen – zu sperren und den frei werdenden Platz den Radfahrern zur Verfügung zu stellen. Dabei geht es auch um die Einrichtung eines Radschnellwegs zwischen Stuttgart und Filderstadt. Nicht nur Edeka und die Manz Stiftung haben wenig Verständnis dafür: Sowohl im Filderstädter Gemeinderat als auch im Bezirksbeirat von Stuttgart-Plieningen ist man mehrheitlich gegen die Pläne. In Plieningen haben sogar die Grünen gegen das Vorhaben gestimmt. Die Landwirte haben sich klar positioniert: „Die Landwirtschaft braucht den B 312 Flughafentunnel“, ist auf einem großen Transparent zu lesen, das seitlich der Bundesstraße zwischen Flughafentunnel und Marktkauf angebracht wurde. Und bis Montag, 15. Juli, läuft noch eine von einem Filderstädter initiierte Online-Petition gegen die Sperrung, die bislang (Stand vom 10. Juli) knapp 3400 Unterstützer hat.

Verkehrsministerium antwortet Edeka

Viele Mieter der Manz Stiftung, neben Marktkauf sind das der Großhändler Selgros sowie ein Büro- und Fachmarktzentrum, hätten die Petition unterzeichnet, sagt die Geschäftsführerin Michaela Manz-Lutz und ergänzt: „Und sie gehen davon aus, dass wir uns weiter einsetzen.“ Die Edeka-Gruppe hat bereits im April an das Verkehrsministerium geschrieben und nicht nur die eigene Position klargemacht, sondern auch betont, dass „erhebliche negative Auswirkungen für alle Gewerbetreibenden im Stadtteil Bernhausen“ erwartet würden.

In einer Antwort aus dem Ministerium, die unserer Redaktion vorliegt, heißt es, „es ist verständlich, dass die Vorstellung einer Teil-/Sperrung des Tunnels zu großen Bedenken und Diskussionen in der Raumschaft führt.“ Die verkehrlichen Auswirkungen auf die umliegenden betroffenen Kommunen würden deshalb ausführlich geprüft. „Die Situation soll für die betroffenen Kommunen und Anwohner zumutbar bleiben, ebenso soll die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes ausreichend erhalten bleiben.“

Mit Ergebnissen ist frühestens im Herbst zu rechnen. Beim Marktkauf denkt man jetzt darüber nach, weitere Befragungen durchzuführen – um klare Belege dafür zu haben, dass viele Kundinnen und Kunden von der anderen Seite des Tunnels kommen.

Umfahrung als Alternative für Radler?

Ostumfahrung
Lange Zeit galt eine Umfahrung des Flughafens für Radfahrer als keine wirkliche Alternative, weil sie mit einem Umweg verbunden ist. In einer Antwort auf Fragen der beiden FDP-Landtagsabgeordneten Dennis Birnstock (Filderstadt)und Friedrich Haag (Stuttgart) hieß es jetzt aber, das Land behalte alle Belange im weiteren Verfahrensverlauf im Blick. „Bisher hat Minister Hermann eine mögliche Ostumfahrung für Radfahrer auf unsere Anfrage nur als ‚eingeschränkt annehmbare Lösung‘ bezeichnet. Nun spricht er doch von einer vertieften Untersuchung der östlichen Umfahrung durch sein Ministerium“, so die Reaktion der FDP-Politiker darauf.

Westumfahrung
Auch auf der westlichen Seite kann der Flughafen umfahren werden. Ein ausgeschilderter Radweg verläuft mitunter über das Messegelände und entlang der Flughafenstraße. Radler und Radbündnisse kritisieren aber, dass es auf dem Messegelände nicht genügend Schilder und Markierungen gebe, und es so immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Radlern und Messebesuchern komme. Entlang der Flughafenstraße seien die Bordsteine nicht abgesenkt und die vielen Ampel, die überquert werden müssen, zeigten für Radler standardmäßig Rot.