Kommandosoldaten erklären Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (rechts) bei seinem Besuch beim Kommando Spezialkräfte in Calw ihre Ausrüstung. Foto: Bernd Mutschler

Das KSK hat eine Menge erlebt und großartige Leistungen vollbracht, sagte Boris Pistorius bei seinem Besuch in Calw. Er ging zudem auf die neue Bedrohungslage ein.

Hoher Besuch in der Calwer Graf-Zeppelin-Kaserne: Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius nutzte die Zeit vor seinem Wahlkampfauftritt in der Aula zu einem Besuch beim Kommando Spezialkräfte in der Calwer Kaserne.

Pistorius bezeichnete das KSK als einen „unserer Top-Elite-Verbände des Heeres für ganz außergewöhnliche, wichtige und meistens sehr gefährliche Einsätze“.

Er wisse sehr gut und habe sich heute wieder davon überzeugen können, „über welch außergewöhnliche, besondere, um nicht zu sagen, in vielen Fällen auch einzigartige Fähigkeiten das KSK hat und wie professionell hier gearbeitet wird“.

Eine Menge erlebt und großartige Leistungen vollbracht

Das KSK feiere in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. „Der Verband hat in diesen drei Jahrzehnten eine Menge erlebt und durchlebt und großartige Leistungen vollbracht“, so Pistorius weiter. Seit seiner Aufstellung sei das KSK immer wieder in wichtigen Einsätzen, Missionen und Operationen gefordert gewesen. Dabei hätten die Angehörigen des KSK ganz spezielle Aufgaben und bringen ganz spezielle Fähigkeiten mit, das geht von der Aufklärung bis zur Evakuierung – „und was ich gerade bei der Aufklärung gesehen habe, hat mich ziemlich beeindruckt“, sagte der Verteidigungsminister.

Boris Pistorius (links) und KSK-Kommandeur Andreas Kühne am „Monument“ in der Calwer Graf-Zeppelin-Kaserne. Foto: Bernd Mutschler

Das Kommando Spezialkräfte führe Spezialoperationen durch und rette deutsche Staatsbürger aus gefährlichen Situationen. „Ich erinnere, kurz nach meinem Amtsantritt im April 2023, an die Evakuierung im Sudan“ – ein Einsatz, der mit beträchtlichen Risiken verbunden gewesen sei.

Fokus liegt jetzt auf Landes- und Bündnisverteidigung

Durch die Zeitenwende und die neue Bedrohungslage in Europa verändere sich auch die Anforderungen an das KSK – neben dem internationalen Krisenmanagement, neben möglichen Evakuierungsoperationen stehe jetzt „vor allem Landesverteidigung und Bündnisverteidigung im Fokus“. Das sei die zentrale Aufgabe, auf die sich das KSK vorbereitet.

Das KSK habe in den vergangenen 30 Jahren auch Tiefen durchleben müssen, sprach Pistorius die „Vorfälle im Bereich Rechtsextremismus“ an. Aber man habe gemeinsam das KSK erfolgreich reformiert. Es gelte hier wie anderswo, ganz grundsätzlich und ohne Ausnahme: „Die freiheitliche demokratische Grundordnung verteidigen wir immer auch nach innen. Fehlverhalten wird nicht toleriert und geahndet.“ Verdachtsfälle in allen Verbänden würden schnell erkannt und wenn sie sich erhärten, reagiere man schnell und konsequent.

„Der Ruf des KSK ist zu 100 Prozent wiederhergestellt“

Heute könne man sagen: „Der Ruf des KSK ist zu 100 Prozent wiederhergestellt und er ist tadellos.“ Damit hab man bewiesen, „dass wir auch mit solchen Krisen fertig werden können“.

Pistorius sprach auch die aktuellen Vorfälle bei den Fallschirmjägern in Zweibrücken an. Die Vorfälle und Strukturen seien nicht vergleichbar, beispielgebend sei aber, wie im KSK und in der Bundeswehr insgesamt mit solchen Vorfällen umgegangen worden sei und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen worden seien.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der das KSK auszeichne, sei seine Innovationsfähigkeit. „Die Spezialkräfte testen und nutzen modernste Systeme, die es noch nirgendwo anders im Einsatz gibt.“ Da gehe es um persönliche Ausstattung, Waffen, elektronische Mittel oder Kommunikation. Diese Erfahrungen „geben wichtige Impulse auch für die weitere Einführung in die Truppe und damit stärkt es die Bundeswehr insgesamt in diesen Zeiten“.

Dank für besonderen Job mit enormer Bedeutung

Zuvor hatte sich Pistorius im vertraulichen Gespräch mit dem KSK-Kommandeur, Brigadegeneral Andreas Kühne, und weiteren Soldaten darüber informiert, wo die Soldaten denn der Schuh drückt. Dafür bedankte er sich bei Kühne. „Ich habe auch da wieder viele interessante Aspekte mitgenommen.“ Er bedankte sich zudem für den „besonderen Job“, den die Soldaten „so großartig meistern“ – ein Job, der aus Sicherheitsgründen meistens für alle anderen verborgen bleibe, „aber von enormer Bedeutung ist“. Die Männer und Frauen des KSK stünden so gut wie nie im Rampenlicht. „Wir wissen aber um den großen Beitrag, den das KSK leistet und sind sehr dankbar dafür“, so Pistorius abschließend.

Vor seiner Rede besichtigte er eine Ausstellung. Hier waren – vermummte – Kommando- und Aufklärungssoldaten dabei und erklärten dem Minister die vielen Ausrüstungsgegenstände. Zu sehen gab es neben Fahrzeugen vor allem Gewehre, Pistolen und anderes Gerät. Darunter waren auch Drohnen, sowohl zur Aufklärung als auch „Kamikaze-Drohnen“ mit Sprengladung im Eigenbau.

Pistorius teilt Bedenken gegen Investor Peter Thiel

Bei den aktuellen Anschaffungen für die Bundeswehr stehen auch moderne Drohnensysteme auf der Einkaufsliste. Einer der Anbieter ist ein Unternehmen, an der umstrittene US-Amerikaner Peter Thiel beteiligt ist. Pistorius „teile die Bedenken ausdrücklich“. Allerdings müsse man zum Beispiel auch drauf schauen, mit wie viel Prozent Thiel an dem Unternehmen beteilig sei und ob er Einfluss aufs operative Geschäft habe. Diese Fragen sollen aber alle im Verteidigungsausschuss beantwortet werden, so der Minister.